Tiefe Hypozinsen: Schweizer Hausbesitzer sparen Milliarden

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Tiefe HypozinsenSchweizer Hausbesitzer sparen Milliarden

Die Hypothekarzinsen in der Schweiz sinken weiter - sehr zur Freude der Wohneigentümer. Sie sparen dadurch über 10 Mia. Franken. Auch Mieter können profitieren.

von
Yves Hollenstein

Nach einem kurzen Anstieg in der zweiten Jahreshälfte 2013 sind die Hypothekarzinsen in der Schweiz in den letzten Monaten erneut auf historische Tiefstände gesunken. Für eine fünfjährige Festhypothek werden laut dem Internet-Vergleichsdienst Comparis zurzeit zwischen 1,21 und 1,60 Prozent berechnet. Eine Zinswende ist damit weiterhin nicht in Sicht.

Den Schweizer Häusle-Besitzern eröffnet dies ein riesiges Sparpotenzial, schreibt die Migros Bank auf ihrem Blog. «Gegenüber 2008 sind die Zinsausgaben der privaten Wohneigentümer um rund zehn Milliarden Franken pro Jahr gesunken», sagt Albert Steck, zuständig für die Markt- und Produktanalyse bei der Migros Bank, zu 20 Minuten.

Für Fredy Hasenmaile, Immobilienexperte bei der Credit Suisse, ist dies sogar noch vorsichtig gerechnet: «Je nach Berechnungsgrundlage sind es 10 bis 13 Milliarden Franken, die die Schweizer weniger für Hypothekarzinsen berappen mussten.» Der CS-Experte betitelt dies als positiven Effekt der Finanzkrise.

Mittlerweile seien die Zinsen auch so lange tief, dass nun im Grunde genommen jeder Wohneigentümer davon profitieren könne. «Viele waren bis anhin an langlaufende Festhypotheken gebunden, die sie in wesentlich höheren Zinsniveaus eingegangen sind», so Hasenmaile zu 20 Minuten. Die meisten konnten nun in eine günstigere Hypothek wechseln.

Kurze Laufzeiten gefragt

Sehr gefragt seien derzeit Festhypotheken mit einer Laufzeit von zwei oder fünf Jahren oder kurzfristige Libor-Hypotheken, sagt Steck von der Migros Bank. Da länger laufende Festhypotheken den tiefen Zinsen noch etwas hinterherhinken, können Hypothekarnehmer so am schnellsten von den Niedrigzinsen profitieren. Denn bei einer zehnjährigen Laufzeit beträgt der Abstand zum Rekordtief noch etwa 30 Basispunkte.

Grundsätzlich bietet sich laut Hasenmaile jetzt aber nochmals ein Zeitfenster, um günstig in langlaufende Festhypotheken reinzukommen. Denn sollten die Zinsen wieder steigen, muss der Hypothekarschuldner erst am Ende der Laufzeit mehr Zinsen bezahlen.

Auch Mieter profitieren

Doch nicht nur Eigentümer, auch Mieter profitieren von den rekordtiefen Zinsen. Der Referenzzinssatz ist in den letzten sechs Jahren um 1,50 Prozentpunkte gefallen (siehe Bildergalerie). «Dies merken vor allem langjährige Mieter, weil sie laut Mietrecht diese Senkungen geltend machen können», sagt Hasenmaile. 0,25 Prozentpunkte weniger im Referenzinssatz bedeuten etwa 3 Prozent weniger Miete. In Optimalfall dürften die Mietzinsen für Langzeitmieter also um bis zu 18 Prozent gesunken sein.

Nicht in den Genuss davon kommen jedoch Neumieter. Diese müssen Marktmieten bezahlen und können erst nachfolgend von allfälligen Senkungen des Referenzzinssatzes profitieren. Doch nicht alle Vermieter geben die Senkung an ihre Mieter automatisch weiter. Laut dem Immobilienexperten würden derzeit aber viele institutionelle Investoren Mietwohnungen bauen. Dadurch entstehe in den nächsten drei bis fünf Jahren ein Überangebot, was sich preissenkend auf die Marktmieten auswirken werde.

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