Millionenprozess: Schweizer haute Österreicher übers Ohr

Aktualisiert

MillionenprozessSchweizer haute Österreicher übers Ohr

Ein 50-jähriger Schweizer muss sich seit Montagvormittag vor einem österreichischen Gericht in einem Betrugsprozess verantworten. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, mehrere Anleger um rund drei Millionen Euro betrogen zu haben

Der Vermögensberater aus dem Kanton Thurgau habe Anleger aus Österreich, Liechtenstein und der Schweiz ab 2007 während eineinhalb Jahren angeworben, indem er unrealistisch hohe Renditen bis zu 40 oder 50 Prozent versprochen habe. Solange über andere Anlageberater neue Kunden hinzukamen, wurden die zugesagten Renditen zum Teil ausbezahlt, der Grossteil der Anleger erhielt aber nicht einmal das eingesetzte Kapital zurück. Die Anklage lautet unter anderem auf schweren Betrug. Vor dem Landesgericht Feldkirch bekannte sich der 50-Jährige «nicht schuldig». Im Falle eines Schuldspruchs droht dem Schweizer Vermögensberater eine mehrjährige Haftstrafe. Der Prozess soll mehrere Tage dauern.

Waghalsige Geschäftspraktiken

Wie sich laut APA beim Prozessauftakt am Montag herausstellte, hat der Schweizer mit dem ihm anvertrauten Geld waghalsige Projekte finanziert. So habe er etwa 560 000 Euro in Projekt für eine Kehrichtverbrennungsanlage in Kanada investiert, ohne über den Standort der Anlage und die Betreiber Bescheid gewusst zu haben. Für ein Grundstück in Berlin habe der 50-Jährige 600 000 Euro ausgegeben. Er sei der Meinung gewesen, das Grundstück sei mehrere Millionen Euro wert, habe aber nicht berücksichtigt, dass darauf 200 000 Tonnen Altöl gelagert wurden. Der Richter zeigte dafür wenig Verständnis: Er könne dem Angeklagten nicht glauben, dass er in all diese Millionengeschäfte unbedarft hineingetappt sei, sagte er. Der Angeklagte soll die Anlagemittel auch zur Tilgung privater und geschäftlicher Schulden verwendet haben. Der Mann lebt heute von der Sozialhilfe. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. (dapd)

Deine Meinung