Gemischtnationale Ehen: Schweizer heiraten seltener Schweizer
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Gemischtnationale EhenSchweizer heiraten seltener Schweizer

An mehr als jeder zweiten Hochzeit steht ein Partner ohne Schweizer Pass vor dem Altar. Diese Ehen halten nicht zwingend weniger lang.

von
Stefan Ehrbar
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Über die Hälfte der Ehen, die letztes Jahr geschlossen wurden, waren binational oder unter Ausländern. Deswegen halten die Ehen nicht zwingend weniger lang.

Über die Hälfte der Ehen, die letztes Jahr geschlossen wurden, waren binational oder unter Ausländern. Deswegen halten die Ehen nicht zwingend weniger lang.

Keystone/Steffen Schmidt
Entscheidend ist viel eher die genaue Herkunft. Ehen zwischen gebürtigen Schweizern und Migranten aus dem ehemaligen Balkan oder der Türkei halten weniger lang als solche zwischen Schweizern und Westeuropäern.

Entscheidend ist viel eher die genaue Herkunft. Ehen zwischen gebürtigen Schweizern und Migranten aus dem ehemaligen Balkan oder der Türkei halten weniger lang als solche zwischen Schweizern und Westeuropäern.

Keystone/Steffen Schmidt
Gründe dafür sind nicht zuletzt die Religion und die starke kulturelle Prägung. Schweizer seien gemischtnationalen Ehen gegenüber positiver eingestellt als Ausländer, schreibt das Bundesamt für Statistik (Symbolbild).

Gründe dafür sind nicht zuletzt die Religion und die starke kulturelle Prägung. Schweizer seien gemischtnationalen Ehen gegenüber positiver eingestellt als Ausländer, schreibt das Bundesamt für Statistik (Symbolbild).

Keystone/Steffen Schmidt

Wenn sich zwei Menschen im Kanton Basel-Stadt das Jawort geben, haben in den seltensten Fällen beide den roten Pass. Wie neue Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen, fanden in Basel-Stadt letztes Jahr noch 30,7 Prozent aller Ehen zwischen zwei Schweizern statt. Noch tiefer sind die Zahlen in Genf. Nur jede vierte Ehe wird dort zwischen zwei Schweizer Landsleuten geschlossen.

In insgesamt zehn Kantonen, darunter Zürich, Zug, Basel-Landschaft und Aargau, war letztes Jahr mehr als jede zweite neue Ehe binational oder komplett ausländisch. In der gesamten Schweiz wurden mit 47,6 Prozent eine Minderheit der Eheschliessungen zwischen zwei Schweizern vollzogen. Bei knapp jeder fünften Hochzeit war der Mann Schweizer und die Frau Ausländerin, etwa jede sechste Hochzeit fand zwischen einer Schweizer Frau und einem ausländischen Mann oder zwischen zwei Ausländern statt.

Die genaue Herkunft entscheidet

Diese Ehen sind nicht zwingend instabiler. In den letzten zwanzig Jahren wurden beispielsweise 391'194 binationale und ausländische Ehen geschlossen und 130'264 Scheidungen aus dieser Gruppe gezählt. Währenddessen registrierten die Standesämter 422'468 Heiraten zwischen Schweizern und 229'056 Scheidungen. In der Gruppe der Schweizer wurden damit vergleichsweise deutlich mehr Scheidungen registriert. Es handelt sich aber nicht um Scheidungsquoten, da es sich nicht zwingend um dieselben Paare handelt.

Laut dem Bundesamt für Statistik werden gemischtnationale Ehen häufiger geschieden. So schrieben die Forscher des Bundes in einer Analyse vom letzten Jahr, über die die «Luzerner Zeitung» berichtete. Wenn Ausländer Personen der gleichen Herkunft heiraten, bleiben die Paare aber länger zusammen. Entscheidend ist zudem die genaue Herkunft.

Schweizer sind offener

Ehen zwischen Schweizern und Westeuropäern sind etwa gleich stabil wie jene zwischen Schweizern. Ehen zwischen gebürtigen Schweizern und Menschen aus Ex-Jugoslawien oder der Türkei scheitern dagegen am häufigsten. Nicht einmal jede dritte Ehe in dieser Konstellation hält 20 Jahre lang. Zwei verheiratete gebürtige Schweizer bleiben hingegen mit einer Wahrscheinlichkeit von über 80 Prozent mehr als 20 Jahre lang zusammen.

Gleichzeitig sind Schweizer offener als Migranten, wenn es darum geht, eine Ehe mit einem ausländischen Partner einzugehen. «Schweizerinnen und Schweizer sind gegenüber gemischtnationalen Ehen positiver eingestellt als Einheimische anderer westeuropäischer Länder», heisst es in der Studie.

Religiöser Druck

Jüngere Migranten hingegen gehen eher eine Ehe mit Partnern derselben Nationalität ein. Das liege auch an Möglichkeiten des Online-Datings, schreiben die Analysten des Bundes. Die ermöglichen es auf einfache Weise, Partner aus derselben Herkunftsregion kennen zu lernen.

Migranten aus Westeuropa kommen am häufigsten mit gebürtigen Schweizer Partnern zusammen. Migranten aus Ex-Jugoslawien oder der Türkei sind oder waren hingegen mit 45 Jahren in weniger als zehn Prozent der Fälle mit einem gebürtigen Schweizer Partner verheiratet.

Dass Ehen mit Personen aus dem Balkan häufig scheitern, liegt auch an der Religion. Bei diesen Leuten kämen sehr starke kulturelle Normen zum Tragen, sagte die Studienautorin Gina Potarca der «Luzerner Zeitung». Die Eltern übten oft sehr starken Druck aus. Allerdings sind viele Menschen aus dem Balkan erst vor wenigen Jahren in die Schweiz eingewandert. Dementsprechend gibt es weniger langjährige Ehen, was die Vergleichbarkeit erschwert.

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