EDA klärt den Fall: Schweizer Honorarkonsul auf Fidschi hat Hitlers «Mein Kampf» im Regal
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EDA klärt den FallSchweizer Honorarkonsul auf Fidschi hat Hitlers «Mein Kampf» im Regal

Rolf Gfeller (49) amtet auf Fidschi als Honorarkonsul. In seinem Bücherregal liegt Hitlers «Mein Kampf», wie ein Foto zeigt.

von
Bettina Zanni
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Gfeller sitzt auf einem Bürosessel am Pult. Im Bücherregal ist Hitlers «Mein Kampf» ausgestellt.

Gfeller sitzt auf einem Bürosessel am Pult. Im Bücherregal ist Hitlers «Mein Kampf» ausgestellt.

Susana Hirst Tuilau
Dabei handelt es sich um eine Propagandaschrift aus dem Nationalsozialismus.

Dabei handelt es sich um eine Propagandaschrift aus dem Nationalsozialismus.

KEYSTONE
Auf dem Foto sieht man Gfeller auf einem Bürosessel am Pult. Wer jedoch sein Bücherregal im Hintergrund studiert, sieht: Neben einem Kochbuch ist eine Ausgabe von Hitlers «Mein Kampf», einer Propagandaschrift aus dem Nationalsozialismus, ausgestellt.

Auf dem Foto sieht man Gfeller auf einem Bürosessel am Pult. Wer jedoch sein Bücherregal im Hintergrund studiert, sieht: Neben einem Kochbuch ist eine Ausgabe von Hitlers «Mein Kampf», einer Propagandaschrift aus dem Nationalsozialismus, ausgestellt.

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Darum gehts

  • Die «Berner Zeitung» porträtierte Rolf Gfeller, den Schweizer Honorarkonsul auf Fidschi.
  • Im Bücherregal auf dem Foto in Rolf Gfellers Büro ist Hitlers «Mein Kampf» zu erkennen.
  • Das Schweizer Aussendepartement klärt die Sachlage ab.

Diplomatische Anlässe gehören zu Rolf Gfellers Business. Seit acht Jahren amtet der Schweizer auf Fidschi als Honorarkonsul. Damit ist er die offizielle Vertretung der Schweiz auf der südpazifischen Insel. Die «Berner Zeitung» widmete ihm ein Porträt.

Auf dem Foto sieht man Gfeller auf einem Bürosessel am Pult. Wer jedoch sein Bücherregal im Hintergrund studiert, sieht: Neben einem Kochbuch ist eine Ausgabe von Hitlers «Mein Kampf», einer Propagandaschrift aus dem Nationalsozialismus, ausgestellt. Das ist Twitter-User Basil Weingartner nicht entgangen. Er fordert das Aussendepartement auf, einen neuen Honorarkonsul zu suchen. Zu 20 Minuten sagt er: «Aus meiner Sicht ist es inakzeptabel, dass ein offizieller Vertreter der Schweiz die faschistische Kampfschrift des grössten Massenmörders aller Zeiten ausstellt. Das EDA ist hier gefordert.»

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«Das EDA sucht jetzt das Gespräch mit dem Honorarkonsul»

Das EDA habe den Beitrag und das Bild in der «Berner Zeitung» zur Kenntnis genommen, schreibt Georg Farago, Mediensprecher des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), auf Anfrage. «Das EDA sucht jetzt das Gespräch mit dem Honorarkonsul auf Fidschi und klärt die Sachlage ab.»

Farago merkt an, dass ein Honorarvertreter kein Karrierediplomat oder -konsul des EDA sei, sondern ein ehrenamtlicher Konsul mit beschränkten Befugnissen. Die rund 200 Honorarvertretungen weltweit unterstützten die Schweizer Vertretungen, zum Beispiel bei Notfällen von Schweizer Staatsangehörigen im Ausland.

Gfeller selbst war für «20 Minuten» am Dienstag, als der Artikel publiziert wurde, noch nicht zu erreichen. Am Mittwochmorgen teilte er mit, dass er keinen Kommentar abgeben wolle und verwies auf das EDA.

«Mein Kampf»


Adolf Hitler (1889-1945) schrieb den ersten Band von «Mein Kampf» nach dem gescheiterten Novemberputsch 1923 in der Haft. In der Programmschrift brachte er seine nationalsozialistische Weltanschauung zum Ausdruck. Nach dem Kriegsende gingen die Nutzungsrechte an den Freistaat Bayern über. Im Jahr 2016 erlosch das Urheberrecht des Freistaats Bayern. Die Nazibrandschrift wurde darauf in einer 2000-seitigen kommentierten Ausgabe neu aufgelegt. Herausgegeben wurde diese von einem Forscherteam des Münchner Instituts für Zeitgeschichte.
Laut der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR) ist die Verbreitung eines Werks im Original, das ideologische Inhalte des verbrecherischen Naziprogramms enthält und antisemitische Inhalte propagiert, unangemessen und gefährlich. Auch verstosse es gegen Schweizer Gesetz. Wer öffentlich Ideologien verbreitet, die auf die systematische Herabsetzung oder Verleumdung der Angehörigen einer Rasse, Ethnie oder Religion gerichtet sind, macht sich gemäss der Strafnorm gegen Rassendiskriminierung (Art. 261bis StGB) strafbar.

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