Schweizer im Kaufrausch

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Schweizer im Kaufrausch

Der Hang zum Luxus lässt die Kassen im Schweizer Detailhandel klingeln. Schmuck, Uhren oder Unterhaltungselektronik sind äusserst gefragt.

Insgesamt sind die Umsätze im Detailhandel im Juli um 3,1 Prozent gestiegen. Teuerungsbereinigt (real) beträgt die Zunahme 3,3 Prozent, das Preisniveau ist also nur noch leicht gesunken, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Mittwoch mitteilte. Damit geht der Kaufrausch in den hiesigen Geschäften weiter, wenn auch nicht ganz so stark wie im ersten Halbjahr, als die Umsätze nominal um 3,7 und real um 4,9 Prozent stiegen.

Die grösste Umsatzsteigerung erzielten die Händler von persönlicher Ausstattung (nominal +11,7 Prozent), die beispielsweise Schmuck, Uhren oder Reiseartikel umfasst. Auch die Verkäufer von Unterhaltungs- und Büroelektronik konnten sich die Hände reiben: Die Umsätze legten im Vergleich zum Vorjahresmonat um 7,3 Prozent zu. Flachbildschirmfernseher sind derzeit der Renner in den Geschäften.

Angesichts der guten Wirtschaftslage gönnten sich die Schweizerinnen und Schweizer wieder neue Wohnungseinrichtungen. Die Möbelhäuser freuten sich über 7,4 Prozent mehr Umsatz im Juli. Auch die Do-it-yourself-Branche rappelte sich nach schlechten Vormonaten wieder auf (+3,2 Prozent). Zudem legten die Konsumenten auf Körperpflege, Schönheit und Gesundheit mehr Wert (+6,4 Prozent).

Kein Durst im verregneten Sommer

Einzig die Getränkeverkäufer machen lange Gesichter, da ihnen der garstige Sommer den Absatz verhagelte (-8 Prozent). Zudem hatten die Leute im Vorjahr während der Fussball-WM einen deutlich grösseren Durst.

Für Kleider und Schuhe gaben die Konsumenten indes 4 Prozent mehr aus. Bei den Lebenmittelhändlern erhöhten sich die Umsätze um 1,4 Prozent. Die Umsätze bei Tabak- und Raucherwaren legten um 1,1 Prozent zu.

Vom Kaufrausch am meisten profitierten die mittelgrossen Detailhändler, deren Umsätze um 7,1 Prozent kletterten. Dahinter folgen die kleinen Geschäfte mit weniger als 15 Vollzeitangestellten (+3,2 Prozent) vor den grossen Detailhändlern (mehr als 45 Angestellte), die die Umsätze um 2,7 Prozent steigerten.

Unia fordert Lohnerhöhung

Angesichts der sprudelnden Umsätze im Detailhandel nutzt die Gewerkschaft Unia die Gunst der Stunde und fordert Lohnerhöhungen. Die Angestellten sollten generell 150 Fr. pro Monat mehr Salär bekommen.

Zudem sollten die Unternehmen 1 Prozent der Lohnsumme für die Umsetzung der Lohngleichheit für Frauen locker machen, verlangte die Unia in einem Communiqué. Denn nach wie vor betrage der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern für die gleiche Arbeit rund 13 Prozent.

Ebenfalls dringend nötig sei die Anpassung der Mindestlöhne, schreibt die Gewerkschaft. Trotz Etappenerfolgen bei der Unia-Mindestlohnkampagne seien die Löhne im Verkauf nach wie vor gegen 1000 Fr. pro Monat tiefer als bei vergleichbaren Tätigkeiten.

Diesen Missstand gelte es zu beseitigen. Die Unia fordert Anfangslöhne von mindestens 3600 Fr. für ungelernte Angestellte und mindestens 4000 Fr. für Gelernte respektive Beschäftigte mit mindestens fünfjähriger Berufstätigkeit.

(sda)

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