So viel Honig wie noch niESchweizer Imker jubeln über Rekordjahr
Imker haben derzeit alle Hände voll zu tun: Die erste Honig-Ernte fällt extrem üppig aus. Schuld daran ist die frühe Blütezeit. Manchem Imker bereitet dies Sorgen.
- von
- cho/rc
Darum gehts
- Schweizer Imker haben im Frühling 2020 so viel Honig gewonnen wie noch nie
- Wegen des warmen Frühlings konnten die Bienen bereits früh viel Honig produzieren
- Manche Imker fürchten sich von den Folgen des Klimawandels
Schweizer Imker sind derzeit so fleissig, wie ihre Schützlinge. Im Akkord schleudern sie Kilogramm um Kilogramm süssen Honig von ihren fliegenden Völkern. «Ich habe noch nie so viel Honig ernten können. Es ist ein sehr gutes Jahr für die Bienen», sagt Imker Bruno Hayoz aus Düdingen FR zu den «Freiburger Nachrichten» (Bezahl-Artikel). Unter Imkern gelten Frühlingsernten mit über 10 Kilogramm Honig pro Volk als gut. Doch heuer verzeichnen die Imker deutlich höhere Zahlen.
«Ich komme derzeit auf gut 20 Kilogramm pro Volk. Das ist absoluter Rekord», sagt Candid Bucher (65) aus Eich LU gegenüber 20 Minuten. Er habe jedoch noch nicht bei allen seinen Völkern schleudern können: «Das Schleudern gibt sehr viel Arbeit, entsprechend bin ich noch nicht dazu gekommen.» Der Luzerner gewinnt seit über 50 Jahren Honig aus Bienenvölkern. Er spricht von einem «grandiosem» Jahr für die Bienen und den Honig.
Alles muss stimmen
Praktisch in der gesamten Deutschschweiz sind die Imker im Honig-Hoch. Auch Fredi Stadler, der im Kanton Thurgau fast 70 Völker pflegt, spricht von einer 20-Kilogramm-Ernte. «Ich habe Anfang Mai bereits mit Schleudern angefangen. Das ist extrem früh.» Schuld am üppigen Ertrag sei das Wetter. Alles habe früh geblüht, so Stadler: «Und es gab kaum Schnee und keinen Kälteeinbruch.»
Auch Beat Jörger, Präsident des Bienenzüchtervereins Horgen ZH, spricht von einer schönen Ernte. Diese sei nicht selbstverständlich: Dafür müssten das Wetter, aber auch das Blütenangebot, stimmen. Der gute, ertragreiche Frühling ist Balsam für die Imker – 2019 ging als sehr schlechtes Honigjahr in die Geschichte ein. Teilweise konnten Imker fast keinen Honig ernten. Jörger sagt dazu: «Während es im letzten Frühling eher kalt war und viel regnete, ist es jetzt sehr trocken. Für Bienen, die es gerne warm und sonnig mögen, ein klarer Vorteil.»
Klimawandel spielt mit
Aber die hohen Honigerträge machen Imker nicht nur glücklich. Die Basler Imkerin Marie-Louise Rentsch, die ebenfalls von fast 20 Kilogramm Ernte spricht, sagt: «Dass wir alle solche Erträge verzeichnen, liegt am sehr warmen Frühling, den es dieses Jahr bisher gab.» Das sei ein positiver Effekt der Klimaerwärmung. Aber für Bienen stelle der Klimawandel ein grosses Risiko dar: «Dieses Jahr hat alles gepasst. Es hätte auch anders kommen können», so Rentsch, die früher als Bieneninspektorin beim Kanton Basel-Landschaft arbeitete. Ausserdem hätten die milderen Temperaturen direkte Folgen für Bienen. Eine davon: «Weil Wespen lange in den Winter überleben, greifen sie Bienenvölker an, um deren Honig und Arbeiterinnen an den Nachwuchs zu verfüttern.» Dies sei früher seltener der Fall gewesen.
So entsteht Honig
Pflanzen-Blüten versprühen einen Duft, der Bienen magisch anzieht. Die kleinen Insekten ernähren sich von Nektar und Honigtau, beides sammeln sie als Vorrat in ihrem Nest. Bienen sind fleissige Tiere: Bis zu einhundert Blüten fliegt eine Biene auf der Suche nach Nektar an. Diesen erreichen sie mit ihrem Rüssel. Der Honigtau ist ein süsser Saft, den Blattläuse zuvor gesammelt und wieder ausgeschieden haben.
Bienen schlucken den Nektar und Honigtau so, dass beides in die sogenannte Honigblase gelangt und sich dort vermischt. Später wird der Pflanzensaft an eine Biene im Nest weitergegeben, die ihn wiederum weitergibt. Dieser Prozess entzieht dem Pflanzensaft stetig Wasser, so dass dieser immer dickflüssiger wird. Ist der Honig gereift, legen ihn die Bienen in eine Wabe. Der Imker muss den Honig dann nur noch mit einer Maschine aus den Waben schleudern.