Knast statt Safari: Schweizer in Sambia wegen Pornos verhaftet
Aktualisiert

Knast statt SafariSchweizer in Sambia wegen Pornos verhaftet

Er wollte in Sambia auf Safari. Doch jetzt wartet ein Schweizer (47) auf seinen Prozess, weil er Pornos gedreht haben soll. Dies ist im afrikanischen Land streng verboten.

von
hal
Der Schweizer lernte in Sambia auch Einheimische kennen. Er plädiert auf unschuldig.

Der Schweizer lernte in Sambia auch Einheimische kennen. Er plädiert auf unschuldig.

Er posiert mit einem Dutzend Einheimischen in einem Dorf in Sambia. Alle lachen. Das ist das letzte Bild, das Markus A. (Name geändert) auf Facebook postete. Kurz darauf bekam es der Schweizer Tourist mit der Justiz des Staates im Süden Afrikas zu tun: Am 12. September fanden Beamte bei ihm «obszönes Material». Markus A. wurde verhaftet.

Konkret geht es um Pornofilme: Der Solothurner soll bei einem Dreh von Sexszenen mit sambischen Frauen beteiligt gewesen sein. Die Polizei fand auf seinem Laptop einen Ordner, der mit «Hot Zambian Woman» angeschrieben war. Darin war ein Film, der Markus A. beim Sex mit einer Einheimischen zeigen soll. Die Polizisten beschlagnahmten den Laptop und eine Fotokamera.

Ein Ausländer hatte Markus A. verpfiffen. Denn in Sambia ist schon der blosse Besitz von Pornografie strafbar. Für homosexuelle Handlungen oder so genannt «widernatürliche Sexualpraktiken» drohen im mehrheitlich christlichen Staat sogar bis zu 14 Jahre Gefängnis und Zwangsarbeit.

«Keine Ahnung, wie unser Sohn da reinrasselte»

Den ersten Gerichtstermin hat Markus A. verpasst. Der 47-Jährige, der wegen paranoider Schizophrenie von der IV lebt, war offenbar zwischenzeitlich in einer psychiatrischen Anstalt im Norden Sambias. Seit Dienstag sitzt er wieder im Gefängnis, wie seine Eltern bestätigen. Das Gericht lehnte seinen Antrag auf Kaution ab – das Risiko sei zu gross, dass er flüchte.

Markus A. plädiert auf unschuldig. Auch seine Eltern, bei denen er im Kanton Solothurn wohnt, glauben nicht, dass ihr Sohn etwas Schlimmes getan haben könnte: «Die Nachricht, dass er im Gefängnis sitzt, war für uns ein Schock. Wir haben keine Ahnung, wie unser Sohn da reinrasselte», sagt der Vater.

«Er war nicht der Drahtzieher»

Der Kopf hinter der Pornoproduktion war laut der «Times of Zambia» ein ausländischer Ex-Diplomat. Wie er und Markus A. sich kennenlernten, weiss der Vater nicht. «Mein Sohn hat die Drehs aber sicher nicht organisiert. Er war todsicher nicht der Drahtzieher», so der Vater.

Die Eltern stehen in Kontakt mit dem Pflichtverteidiger, der Markus A. zugewiesen wurde. Auch das Schweizer Aussendepartement hat sich eingeschaltet, wie es auf Anfrage mitteilte. «Die Botschaft in Südafrika, die für Sambia zuständig ist, ist in Kontakt mit den lokalen Behörden, um konsularischen Schutz zu gewähren.»

Im Gefängnis droht Folter

Am Freitag hat Markus A. einen weiteren Gerichtstermin. Laut örtlichen Medienberichten könnte aber mindestens bis zum 27. Dezember im Gefängnis sitzen – und zwar unter prekären Haftbedingungen. Laut einem Bericht von Human Rights Watch und anderen Organisationen leiden viele Häftlinge an Unterernährung, sind die Gefängnisse überbelegt und ist die Gefahr gross, dass die Insassen gefoltert oder vergewaltigt werden.

Die Eltern von Markus A. wollen sich gar nicht ausmalen, was ihr Sohn gerade durchmacht – für etwas, dass in der Schweiz heutzutage nicht mal mehr moralisch verwerflich sei, wie der Vater sagt. «Wir hoffen einfach, dass sie ihn wegen seiner Krankheit in die Schweiz abschieben.»

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