09.09.2018 18:53

Trendwende

Schweizer Industrie-Firmen holen Jobs zurück

Hiesige Unternehmen verlagern Stellen vom Ausland wieder in die Schweiz. Möglich macht es die Digitalisierung.

von
dob
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Mit der Schweizer Industrie geht es bergauf.

Mit der Schweizer Industrie geht es bergauf.

Keystone/Christian Beutler
Den Aufschwung belegen die Zahlen. Im zweiten Quartal verpasste die Industrie mit einem Plus von 7.9 Prozent der Wirtschaft den grössten Wachstumsimpuls. Positiv hat sich auch der Jobmarkt entwickelt. Waren 2016 im Sektor noch 38'808 Personen arbeitslos, ist die Zahl im August auf 22'520 gesunken.

Den Aufschwung belegen die Zahlen. Im zweiten Quartal verpasste die Industrie mit einem Plus von 7.9 Prozent der Wirtschaft den grössten Wachstumsimpuls. Positiv hat sich auch der Jobmarkt entwickelt. Waren 2016 im Sektor noch 38'808 Personen arbeitslos, ist die Zahl im August auf 22'520 gesunken.

Keystone/Christian Beutler
Möglich macht den Aufschwung die Digitalisierung, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Die Digitalisierung erlaubt den Firmen Produktlinien und Dienstleistungen wieder in der Schweiz aufzubauen.

Möglich macht den Aufschwung die Digitalisierung, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Die Digitalisierung erlaubt den Firmen Produktlinien und Dienstleistungen wieder in der Schweiz aufzubauen.

Keystone/Ennio Leanza

Die hiesige Industrie boomt. Viele Unternehmen holen gar Jobs zurück in die Schweiz. Diese hatten sie nach dem Ende des Euro-Mindestkurses ins günstigere Ausland verlagert. Bei der Entwicklung handle es sich offenbar nicht bloss um eine konjunkturelle Erholung, sondern um eine Trendwende, schreibt die «SonntagsZeitung».

Gegenüber dem Blatt bestätigt das Fernando Granados, Leiter Ge­­schäftsentwicklung und Marketing bei Siemens Schweiz.

«Wir beobachten eine Tendenz zur Rückverlagerung von Produktionsschritten, die nach dem Frankenschock 2015 ins Ausland verschoben worden waren.» Viele Schweizer Firmen wollten die ganze Wertschöpfungskette bei sich vor Ort haben. Qualitäts- und Kommunikationsproblemen hätten die Geschäfte im Ausland belastet, so Granados.

Weniger Arbeitslose

Den Aufschwung belegen die Zahlen. Im zweiten Quartal verpasste die Industrie der Wirtschaft mit einem Plus von 7.9 Prozent den grössten Wachstumsimpuls. Positiv hat sich auch der Jobmarkt entwickelt. Waren 2016 im Sektor noch 38'808 Personen arbeitslos, ist die Zahl im August auf 22'520 gesunken.

Möglich macht das die Digitalisierung. Sie erlaubt den Firmen Produktlinien und Dienstleistungen wieder in der Schweiz aufzubauen. Wer nicht mitzieht, hat das Nachsehen. «Die Digitalisierung ist für die Maschinenindustrie ein Must. Ohne Veränderung wird sie es schwer haben, im globalen Wettbewerb zu überleben», sagt Granados.

Schweizer Firmen sind top

Jobs zurückgeholt hat etwa Ypsomed – dank Digitalisierung. Die Medtech-Firma rüstete die Fabriken mithilfe der Swisscom mit dem ultraschnellen Mobilfunknetz der 5. Generation (5G) aus. «Nur die Möglichkeiten durch ausgesprochen hohe Automatisierung in der Produktion, etwa auf Basis von 5G, erlauben uns am Standort Schweiz international wettbewerbsfähig zu sein», sagt Thomas Kutt, Investoren-Ansprechpartner bei Ypsomed. Produktionsprozesse holte das Unternehmen etwa aus Mexiko in die Schweiz zurück.

Für Jan Marco Leimeister, Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Uni St.Gallen, hatte die letzte Krise der Branche eine positive Wirkung. «Ich möchte nicht zynisch wirken, aber der Franken-Schock war für viele Firmen auch heilsam», sagt er zur «SonntagsZeitung». Die Krise hätte die Firmen veranlasst, mutige Entscheide zu fällen und massiv in Automation und die digitale Innovation zu investieren.

Anstrengungen stark erhöhen

Wie eine Umfrage des Industrieverbands Swissmem zeigt, sind die hiesigen Firmen in Sachen Digitalisierung sogar top. So haben mehr als neun von zehn der befragten Unternehmen ein Projekt zur Industrie 4.0 (siehe Box) – also zur Digitalisierung der Produktion – umgesetzt, in Arbeit oder in Planung.

Wie Robert Rudolph, Leiter Digitalisierung und Innovation bei Swissmem, der «SonntagsZeitung» sagt, hätten Schweizer Firmen bereits einen hohen Stand an Automatisierung. Beim Einsatz von computergesteuerten Maschinen und Robotern gehörten sie zu den Pionieren. Die Umfrage zeigt laut Rudolph, dass die Firmen nun ihre Anstrengungen bei der digitalen Transformation stark erhöhen.

Industrie 4.0

Unter Industrie 4.0 versteht man die umfassende Digitalisierung der industriellen Produktion mithilfe von Informations- und Kommunikationstechnologien.

Neben Effizienzsteigerung soll die Industrie 4.0 auch neue Geschäftsmodelle und datenbasierten Dienstleistungen befeuern.

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