Datenschutz-Problem: Schweizer Inkasso-Firma mahnt per Whatsapp

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Datenschutz-ProblemSchweizer Inkasso-Firma mahnt per Whatsapp

Die Zuger Inkasso-Firma ECollect mahnt ihre Schuldner unter anderem per Whatsapp und Skype. Datenschützer sind alarmiert.

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Ecollect-CEO Robert Grünwald (24): «Es sind ergänzende Kommunikationsmittel.»

Ecollect-CEO Robert Grünwald (24): «Es sind ergänzende Kommunikationsmittel.»

Ein junger Schweizer sitzt am Strand in Thailand, als plötzlich sein Handy piepst. Eine Whatsapp-Nachricht geht ein: «Sie schulden dem Unternehmen XY noch 250 Franken.» Das Beispiel ist fiktiv, für die Schuldner, die vom Zuger Start-up ECollect gemahnt werden, real. CEO Robert Grünwald (24) erklärt: «Wir sehen Whatsapp und Skype als ergänzende Kommunikationsmittel, um mit den Schuldnern in Kontakt treten zu können.» Dies sei in der heutigen Zeit, in der die neuen Medien eine grosse Rolle spielten, eine logische Folge.

ECollect mahne zwar auch per Brief, aber bei Schuldnern, deren Handy-Nummer bekannt sei, wähle man Whatsapp. Grünwald gibt zu: «Einige fühlen sich dadurch belästigt, andere sind darüber froh.» Wenn zum Beispiel jemand länger in den Ferien sei und sich zuhause die Mahnungen stapelten, «dann ist er froh, wenn er über diese Kanäle informiert wird – er erspart sich so weitere Kosten.»

«Eingriff in die Privatsphäre»

Der Sprecher des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragen (Edöb), Francis Meier, sagt: «Aus unserer Sicht ist eine Mahnung per Whatsapp heikel. Das Inkassobüro muss sicherstellen, dass die Mahnung den richtigen Empfänger erreicht. Dazu ist die direkte Postanschrift immer noch das sicherste Mittel.» Und ob eine Mahnung per Whatsapp einer rechtlichen Prüfung standhalte, müsse letztlich ein Gericht beurteilen.

Konsumentenschützerin Sara Stalder geht noch weiter: «Da einem eine Whatsapp-Nachricht zu jeder Tages- und Nachtzeit erreicht, stellt dies einen Eingriff in die Privatsphäre dar.» Einen Brief könne man dann öffnen, wenn man wolle. Stalder findet, dass Inkasso-Büros immer zuerst den offiziellen Postweg gehen sollten und wenn gar nichts nütze, vielleicht in einem letzten Schritt die Whatsapp-Nachricht in Erwägung ziehen sollten. «Zudem muss sauber abgeklärt werden, woher das Inkassobüro die Telefonnummer herhat.»

Keine Mahnung per Facebook

Robert Grünwald wehrt sich: «Die Mobiltelefonnummer gibt der Schuldner zum Beispiel beim Bestellabschluss an, also können wir die vorhandenen Daten nutzen.» Die E-Mail-Adresse nutze man beispielsweise, um den Skype-Account des Schuldners zu finden. Die Firma ziehe aber auch Grenzen: «Über Facebook würden wir nie jemanden mahnen. Das gehört für uns in die Privatsphäre.» Zudem wäre es sowieso durch die AGBs von Facebook untersagt, sagt Grünwald.

Die Inkasso-Firma habe bewusst für diese Datenschutzfragen einen Anwalt engagiert, der sie in diesen Fragen berate. Das Nutzen der neuen Medien bringe Ecollect einen Vorteil auf dem mit rund tausend Inkasso-Unternehmen bereits gesättigten Markt, glaubt Grünwald. «Wir glauben, einen neuen Ansatz im Business gefunden zu haben. Der Erfolg gibt uns recht – wir gewinnen jeden Tag neue Kunden dazu.»

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