Doch keine Wildsau : Schweizer Jäger schiesst aus Versehen Pony ab

Aktualisiert

Doch keine Wildsau Schweizer Jäger schiesst aus Versehen Pony ab

Versehentlich hat ein Schweizer Jäger im deutschen Eggingen ein Pony erschossen. Weil er das Tier für ein Wildschwein hielt, drückte er ab. Das kommt ihn teuer zu stehen.

von
Nicolas Saameli
Ein Schweizer Jäger hat im grenznahen Deutschland ein Island-Pony erschossen.

Ein Schweizer Jäger hat im grenznahen Deutschland ein Island-Pony erschossen.

Nachts um 23 Uhr sass ein Schweizer Jäger im grenznahen deutschen Eggingen auf einem Hochsitz. In der Dunkelheit lief ihm 200 Meter entfernt ein Tier vor das Visier seines Jagdgewehrs. Erst nachdem er abgedrückt hatte, stellte der Jäger fest, dass es sich beim Kadaver – anders als erwartet – nicht um ein Wildschwein handelte, sondern um ein Island-Pony vom naheliegenden Bauernhof. Dessen Wert: umgerechnet rund 10'000 Franken.

Jetzt ermittelt die Waldshuter Polizei gegen den Mann. Paul Wissler, Sprecher der verantwortlichen Polizeistelle in Waldshut, sagt: «Nach unserem Wissen hat der Jäger gegen das Tierschutz-Gesetz verstossen, da er ein Haustier ohne Grund getötet hat. Wir müssen die genauen Umstände aber noch mit der Jagdbehörde abklären.» Der Fall sei besonders kompliziert, da es sich um länderübergreifende Jagd handle und der Jäger Gast eines einheimischen Jagdpächters gewesen sei.

«Dieser Mann versteht sein Handwerk nicht»

Der Schütze hatte zwar den Vorfall noch am gleichen Abend dem Besitzer des Ponys gemeldet und Schadenersatz geleistet, trotzdem sorgt der Abschuss für Empörung bei den örtlichen Jägern. «So etwas darf nicht passieren! Es wäre angebracht, dass der Mann seinen Jagdschein abgibt», sagt Kreisjägermeister Manfred Rünzi zum «Südkurier». Der Schweizer Jäger habe über eine Distanz von 200 Metern auf das Pony geschossen, was zu weit sei. «Über diese Distanz auf Wild zu schiessen, würde ich mir nicht einmal bei Tag zutrauen.»

Seriöse Jäger schiessen laut Rünzi nur auf Wild, wenn sie dieses einwandfrei identifizieren können. Das sei über eine solch grosse Distanz und bei mangelnden Lichtverhältnissen nicht möglich gewesen. Er komme deshalb zum Schluss: «Dieser Mann versteht sein Handwerk nicht.» Schweizer Jäger jagen gemäss der Zeitung oft und gerne in Deutschland, weil dort das Jagdrecht liberaler ist und sie so mehr Wild schiessen können.

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