SRF-Journalistin über Verhaftung in Minsk: «Männer in Masken zogen uns in einen Minibus»
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SRF-Journalistin über Verhaftung in Minsk«Männer in Masken zogen uns in einen Minibus»

Die Schweizer Journalistin Luzia Tschirky war heute in Belarus vorübergehend festgenommen worden.

von
Lea Gnos
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Die SRF-Journalistin Luzia Tschirky ist in Belarus festgenommen worden.

Die SRF-Journalistin Luzia Tschirky ist in Belarus festgenommen worden.

Instagram Luzia Tschirky
Tschirky berichtet für das SRF aus Russland und den ehemaligen Staaten des Ostblocks.

Tschirky berichtet für das SRF aus Russland und den ehemaligen Staaten des Ostblocks.

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«Männer mit Masken haben uns ohne Erklärung gepackt» und in einen Minibus gezerrt, sagt Tschirky.

«Männer mit Masken haben uns ohne Erklärung gepackt» und in einen Minibus gezerrt, sagt Tschirky.

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Darum gehts

  • Die Schweizer Journalistin Luzia Tschirky wurde in Minsk in Belarus festgenommen.

  • «Männer in Masken zogen uns in einen Minibus», berichtet Tschirky auf Twitter.

  • Mittlerweile wurde Tschirky wieder freigelassen.

Luzia Tschirky, die Schweizer SRF-Korrespondentin in Belarus, ist heute vorübergehend festgenommen worden. Sie sei im belarussischen Minsk unterwegs mit einer Bekannten gewesen, twitterte Tschirky, «als an einer Ampel ein Minibus anhielt» und «Männer in Masken» sie beide «ohne Erklärung» gepackt und mitgenommen hätten.

In der Zwischenzeit meldete der Schweizer Botschafter in Belarus, Claude Altermatt, dass Tschirky nun in der Schweizer Botschaft sei. Er twitterte ein Bild, auf dem er mit der Schweizer Journalistin anstösst.

Tschirkys Verhaftung im Stadtzentrum war am Nachmittag von der russischen Menschenrechtsorganisation «Wjasna» bekanntgemacht worden. Die 29-Jährige berichtet für SRF als Korrespondentin aus Russland und der ehemaligen Sowjetunion. Sie war auch für das Moskaubüro des «Spiegels» tätig. SRF schreibt auf Twitter über die Festnahme und bezieht sich dabei auf «Wjasna»: Die Schweizer Botschaft in Minsk sei im Bild und hat Kontakt mit dem Aussenministerium aufgenommen.

Über die Gründe ihrer Verhaftung twittert Tschirky vorerst nichts. Stunden davor hatte sie noch mitgeteilt:

Journalisten-Kollegen teilen ihre Anteilnahme und Erleichterung über die Freilassung auf Twitter.

Wladiwostok: Bei einem Protest gegen Präsident Wladimir Putin kam es zu Festnahmen.

Tatsächlich haben sich auch heute in Russland tausende Menschen zum Protest gegen Präsident Wladimir Putin und für die Freilassung seines Kritikers Alexei Nawalny versammelt. Fast 2300 Menschen wurden am Sonntag festgenommen. Darunter auch Journalisten. Die Demonstranten in Russland forderten Putins Rücktritt. Einige machten sich später auf zu dem Gefängnis, wo Alexei Nawalny festgehalten wird. Sie wurden von der Polizei zurückgedrängt, Dutzende kamen in Gewahrsam.

Unter den Rufen der Demonstranten war auch «Putin ist ein Dieb!» zu hören. Dabei bezogen sie sich auf ein opulentes Anwesen am Schwarzen Meer, das Berichten nach für Putin gebaut wurde und über das Nawalnys Team ein Video veröffentlicht hatte. Zuletzt gab ein langjähriger Bekannter von Putin, der Bauunternehmer Arkadi Rotenberg, bekannt, ihm gehöre die Residenz.

Putins Regierung und das Regime von Alexander Lukaschenko in Minsk stehen sich nahe. Deshalb ist nicht auszuschliessen, dass in Belarus auf Journalisten, welche die Anti-Putin-Proteste genau und wohlmeinend verfolgen, Druck ausgeübt werden soll.

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