Aktualisiert 16.05.2010 10:10

Islam in der SchweizSchweizer Juden wollen kein Burkaverbot

Der Präsident der Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG), Herbert Winter, ist gegen ein Verbot der Burka. Anders sehen das die Schweizer Bischöfe.

von
kub

Der Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds, Herbert Winter, spricht sich gegenüber der «NZZ am Sonntag» gegen ein Burkaverbot aus. «Ich bin zwar kein Freund der Burka, ich begegne den Leute gerne von Angesicht zu Angesicht», wie Winter sagt, der Integration von religiösen Minderheiten sei jedoch nicht gedient, wenn man deren religiösen Symbole bekämpfe. Es besteht «kein Grund, dass sich ein liberaler Rechtsstaat einschalten müsste», so der Zürcher Anwalt Winter gegenüber dem «Sonntag».

Der Sprecher der jüdischen Lobby in der Schweiz befürwortet stattdessen eine öffentlich-rechtliche Anerkennung der muslimischen Gemeinschaft durch den Staat. Gleichzeitig schätzt er deren Chancen bei der Schweizer Bevölkerung als gering ein. «Die muslimische Gemeinschaft müsste gewisse Vorarbeit leisten, bevor sie zu diesem Schritt bereit wäre», wird Winter in der «NZZ am Sonntag» zitiert.

Schweizer Bischöfe für ein Burka-Verbot

Während die jüdische Gemeinschaft nun gegen ein Burkaverbot ist, erachtet die katholische Kirche ein solches als nötig. Die Arbeitsgruppe «Islam» der Schweizer Bischofskonferenz stellt sich in der Debatte um ein Burkaverbot hinter Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf. «Eine Totalverhüllung der Frau ist aus christlicher Sicht abzulehnen», sagt der Sekretär der Arbeitsgruppe, Erwin Tanner, gegenüber dem «Sonntag». Er macht damit erstmals die Position der Schweizer Bischöfe klar. Die Burka komme einer «Nichtbeachtung der Frau im öffentlich Bereich» gleich, so Tanner.

Die Arbeitsgruppe fühlt sich durch eine Reise in den Libanon und Syrien in ihrer Meinung bestärkt. Im Nahen Osten kam es zu Treffen mit führenden muslimischen und christlichen Persönlichkeiten. Dabei wurde das in der Schweiz emotional diskutierte Burkaverbot eingehend besprochen, wie Tanner bestätigt. Alle Würdenträger hätten die Aussage gemacht, «dass die Burka als Kleidungsstück kein religiös begründbares Fundament habe». Eine Rechtfertigung für die Burka gebe es weder im Koran noch in der Suna. Bei der Anti-Minarett-Initiative haben sich die Schweizer Bischöfe noch dezidiert gegen ein Verbot ausgesprochen.

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