27.07.2015 11:37

Bankdaten-KlauSchweizer Justiz büsst deutschen Ex-Beamten

Weil er beim Verkauf von gestohlenen Kundendaten der Bank Julius Bär behilflich war, wurde erstmals ein deutscher Beamter von der Bundesanwaltschaft bestraft.

von
dv
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Ein pensionierter Steuerfahnder half einem Informatiker der Bank Julius Bär, Bankdaten an den deutschen Staat zu verkaufen. Er wurde nun dafür bestraft.

Ein pensionierter Steuerfahnder half einem Informatiker der Bank Julius Bär, Bankdaten an den deutschen Staat zu verkaufen. Er wurde nun dafür bestraft.

Keystone/Alessandro Della Bella
Um an die Kontoinformationen zu kommen, musste der Julius-Bär-Angestellte Lutz Otte die Daten laut eigenen Angaben lediglich aus einem der Großrechner ziehen, an denen er arbeitete. «Man konnte sie sich einfach auf den PC holen und in handelsübliche Tabellendateien übertragen», sagte er letzten Monat in einem Interview mit dem Internetportal «Zeit.de».

Um an die Kontoinformationen zu kommen, musste der Julius-Bär-Angestellte Lutz Otte die Daten laut eigenen Angaben lediglich aus einem der Großrechner ziehen, an denen er arbeitete. «Man konnte sie sich einfach auf den PC holen und in handelsübliche Tabellendateien übertragen», sagte er letzten Monat in einem Interview mit dem Internetportal «Zeit.de».

Keystone/Gaetan Bally
Die Bank hatte damals laut Otte sehr alte Programme und Probleme mit der Datensicherung. «Das habe ich im Gespräch mit Führungskräften der Bank sogar erwähnt, aber die haben das ignoriert.»

Die Bank hatte damals laut Otte sehr alte Programme und Probleme mit der Datensicherung. «Das habe ich im Gespräch mit Führungskräften der Bank sogar erwähnt, aber die haben das ignoriert.»

Keystone/Steffen Schmidt

Zum ersten Mal hat die Schweizer Justiz Ende Juni eine Strafe ausgesprochen, um gegen den Kauf sogenannter Steuer-CDs durch ausländische Behörden vorzugehen. Gebüsst wurde ein pensionierter Steuerfahnder aus Berlin. Er wurde wegen Gehilfschaft zu qualifiziertem wirtschaftlichem Nachrichtendienst und wegen Geldwäscherei schuldig gesprochen, wie der «Tages-Anzeiger» am Montag berichtet. Die Busse von 12'600 Franken muss er jedoch nur bezahlen, wenn er innerhalb der nächsten zwei Jahre in der Schweiz wieder straffällig wird.

Zusammen mit einem Informatiker von Julius Bär, Lutz Otte, soll der 68-Jährige Kundendaten der Bank an die Steuerfahnder in Münster verkauft haben. Der deutsche Staat bezahlte den beiden 1,1 Millionen Euro für rund 3000 Datensätze von vermögenden deutschen Kontoinhabern. Das meiste Geld sackte Datendieb Otte ein. Doch auch der ehemalige Steuerfahnder soll sich zweimal eine «unbekannte vierstellige Stumme» zugesprochen haben, um «Spesen» zu decken. Insgesamt soll er so rund 11'000 Euro reicher geworden sein.

«Für mich war das ein Geschäft»

Als bekannt wurde, dass der deutsche Staat Häuser von Julius-Bär-Kunden durchsuchte, um wegen Steuerhinterziehung gegen sie vorzugehen, suchte die Bank in den eigenen Kreisen nach dem Datendieb. Sie stiess schnell auf Lutz Otte und liess ihn 2012 festnehmen. Im Jahr darauf wurde er zu drei Jahren Haft verurteilt. Um an die Kontoinformationen zu kommen, musste Otte die Daten laut eigenen Angaben lediglich aus einem der Grossrechner ziehen, an denen er arbeitete. «Man konnte sie sich einfach auf den PC holen und in handelsübliche Tabellendateien übertragen», sagte er letzten Monat in einem Interview zur Zeitung «Zeit».

Die Bank hatte damals laut Otte sehr alte Programme und Probleme mit der Datensicherung. «Das habe ich im Gespräch mit Führungskräften der Bank sogar erwähnt, aber die haben das ignoriert.» Auf die Frage, warum er, nachdem der Deal stattgefunden hatte, weiterhin seiner Arbeit bei Julius Bär nachgegangen sei, statt zu verschwinden, antwortete er: «Na ja, das Problem war: Wie erkläre ich meiner Ehefrau, dass auf einmal so viel Geld da ist?» Sie hätten zwar vorgehabt, wieder nach Deutschland zu ziehen, aber er habe das nicht entschieden genug vorangetrieben.

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