Eisige Winde: Schweizer kämpfen gegen die koreanische Kälte
Aktualisiert

Eisige WindeSchweizer kämpfen gegen die koreanische Kälte

Kein Zimmer-Chaos wie 2014 in Sotschi. Delegationschef Ralph Stöckli ist in Südkorea mit anderen Herausforderungen beschäftigt. Wie etwa der Kälte.

von
Marcel Allemann
Pyeongchang

Ralph Stöckli, Chef de Mission von Swiss Olympic, nach den ersten Tagen in Pyeongchang im Interview.

Die Häuser in den beiden Olympischen Dörfern in Gangneung und Pyeongchang wurden bezogen und die ersten Schweizer Sportler sind eingezogen. «Es entspricht unseren Erwartungen, so wie wir diese im Kopf hatten. Einige kleine Herausforderungen gibt es noch, aber grundsätzlich sind wir sehr zufrieden, der Eindruck ist sehr positiv», sagt Ralph Stöckli, der Chef de Mission von Swiss Olympic.

«Sehr spartanisch, nicht Schweizer Standard»

Es herrscht kein Chaos wie zum gleichen Zeitpunkt vor den Winterspielen 2014 in Sotschi, als verschiedene Unterkünfte beim Einzug der Athleten noch nicht fertig waren oder beispielsweise die Heizung nicht funktionierte. «Auch hier wurden sie erst auf den letzten Zacken mit allem fertig, aber es ist fertig geworden. Alles ist sehr spartanisch eingerichtet, nicht Schweizer Standard. Doch alles was die Athleten brauchen, das finden sie hier. Sie haben ein warmes Bett, gutes Essen und gute Wettkampfanlagen», so Stöckli.

Das warme Bett ist dabei ein besonders wichtiger Faktor. Denn übers Wochenende ist es bitter kalt geworden und in den nächsten Tagen wird es noch schlimmer. Bis Donnerstag soll der Gefrierpunkt nie überschritten werden, in den Wetterprognosen werden Tiefstwerte von minus 17 Grad Celsius angekündigt.

Feucht gemachter Boden wurde zur Eisfläche

Wobei es sich die eisigen Temperaturen wegen den bissigen und heftigen Winden noch viel kälter anfühlt. Dass es in Pyeongchang keine Spiele bei milden Temperaturen geben würde, wussten alle. Die derzeitigen Bedingungen liegen aber deutlich unter dem Durschnitt um diese Jahreszeit in dieser Region. «Viele Sachen sind gefroren. Kürzlich haben sie den Boden bei uns feucht aufgenommen, dieser war danach eine Eisfläche», erzählt Stöckli.

«Wenn es so bleiben sollte, dann wird das auch für jene Sportler, die sich tiefe Temperaturen gewohnt sind, eine Herausforderung», glaubt er. Beispielsweise die Biathleten oder Skispringer, die jeweils erst am Abend im Einsatz stehen. «Irgendwann ist es dann auch für Outdoor-Sportarten zu kalt und ein Limit erreicht, wo es nicht mehr geht. Doch wir sollten jetzt nicht den Teufel an die Wand malen. Die Wettereinflüsse können sich aufgrund der Nähe zum Meer auch sehr rasch wieder ändern und vielleicht ist das alles dann gar kein Thema mehr, wenn die Wettkämpfe beginnen.»

Das Material muss ans richtige Ort

Einfluss aufs Klima kann Stöckli und seine Crew von Swiss Olympic ja ohnehin keine nehmen, sondern einfach nur versuchen, so gut wie möglich damit umzugehen. Für diese gilt es nun in den kommenden Tagen, wenn die grosse Masse der Schweizer Sportler anreist, dafür zu sorgen, dass das gesamte Material nach der Ankunft an die richtigen Wettkampfanlagen geschafft wird, «so, dass alles dort ist, wenn die Athleten ihr Training aufnehmen.»

Ebenso werde sich auch erst in den nächsten Tagen dann zeigen, ob das Leben im Olympischen Dorf wie geplant funktioniere. Am Freitag beginnen die Spiele in Südkorea dann mit der Eröffnungsfeier offiziell.

Langweilig wird es Ralph Stöckli in den nächsten Tagen garantiert nicht. Sollte er deshalb zwischendurch mal einen kühlen Kopf benötigen – eine Minute in Pyeongchang ohne Mütze im Freien reicht vollends.

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