Aktualisiert 04.10.2019 05:15

Emmentaler und Gruyère

Schweizer Käser freuen sich über Trumps Zölle

Die USA erhöhen die Zölle auf EU-Käse – für Schweizer Hersteller ist das ein Wettbewerbsvorteil.

von
Raphael Knecht
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Donald Trumps Regierung erhebt weitere Strafzölle gegen die EU in Höhe von 7,5 Milliarden US-Dollar.

Donald Trumps Regierung erhebt weitere Strafzölle gegen die EU in Höhe von 7,5 Milliarden US-Dollar.

AP/Carolyn Kaster
Auf der Liste der neuen Abgaben stehen auch die Käsesorten Emmentaler und Gruyère.

Auf der Liste der neuen Abgaben stehen auch die Käsesorten Emmentaler und Gruyère.

kein Anbieter/Rene Mattes
Wird dieser Käse aus der EU in die USA exportiert, wird ein Importzoll in der Höhe von 25 Prozent des Warenwerts fällig. Emmentaler AOP und Gruyère AOP, der direkt aus der Schweiz in die USA geliefert wird, ist nicht von diesen Zöllen betroffen.

Wird dieser Käse aus der EU in die USA exportiert, wird ein Importzoll in der Höhe von 25 Prozent des Warenwerts fällig. Emmentaler AOP und Gruyère AOP, der direkt aus der Schweiz in die USA geliefert wird, ist nicht von diesen Zöllen betroffen.

Manuel Lopez

Die US-Regierung hat neue Strafzölle für die EU angekündigt. Die Welthandelsorganisation (WTO) hatte am Mittwoch Zölle in Höhe von 7,5 Milliarden US-Dollar genehmigt. Auf der Liste der neuen Abgaben stehen auch die Käsesorten Emmentaler und Gruyère.

Wird dieser Käse aus der EU in die USA exportiert, wird ein zusätzlicher Importzoll in der Höhe von 25 Prozent des Warenwerts fällig. Emmentaler AOP und Gruyère AOP, der direkt aus der Schweiz in die USA geliefert wird, ist nicht von diesen Zöllen betroffen. Das bestätigt Christa Wettstein, Sprecherin vom Fachverband Switzerland Cheese Marketing, auf Anfrage.

Vorteil für die Schweiz

Nicht-schweizerischer Emmentaler und Gruyère werden durch die Zölle in den USA teurer. Die Schweizer Käser freuen sich über die Strafzölle, sagt Wettstein: «Jede Verringerung der Preisdifferenz zwischen dem Original-Produkt aus der Schweiz und den Imitaten aus dem EU-Raum kann eine Chance sein.» Eine Prognose, ob der Absatz der Schweizer Produkte in den USA wegen der Strafzölle effektiv steigen wird, wolle man aber noch nicht machen.

Wirtschaftsprofessor David Dorn von der Universität Zürich sagt zu 20 Minuten: «Grundsätzlich ist es immer ein Wettbewerbsvorteil, wenn auf Schweizer Produkte weniger Zoll angewendet wird als auf Konkurrenzprodukte aus dem Ausland.» Es müsse sich nun zeigen, wie viel Marktanteil der Schweizer Käse den Imitaten aus dem Ausland abluchsen könne.

Freude nur von kurzer Dauer?

Emmentaler oder Gruyère aus der Schweiz bekomme man in den USA vor allem in Delikatessen-Läden und Märkten im hohen Preissegment. Beim Discounter sei es gut möglich, dass statt EU-Importen einfach mehr heimische Käseprodukte angeboten werden.

Zudem ist unklar, wie es mit den Zöllen auf längere Zeit weitergeht: «Die Freude ist vielleicht nur von kurzer Dauer», sagt Mathias Binswanger, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Die Handelspolitik der USA sei zurzeit dermassen unberechenbar, dass sich die Situation schnell wieder ändern könne.

Käseimporte für 92 Millionen Dollar

Rund 20 Prozent der diesjährigen Emmentaler-Importe in die USA kamen aus der Schweiz. Importe machen allerdings lediglich 2 Prozent des amerikanischen Käsemarktes aus. Laut Kongressmitglied Bill Pascrell liegt der niedrige Anteil aber nicht an der fehlenden Nachfrage, sondern daran, dass die USA schon seit längerem hohe Zölle auf Käseimporte erhebt.

Die Vereinigten Staaten importierten 2018 Käse im Wert von 92 Millionen US-Dollar aus der Schweiz. Zum Vergleich: Deutschland – der grösste Käse-Exporteur für den US-Markt – lieferte im gleichen Jahr Käse im Wert von 4,4 Milliarden Dollar. Das Importvolumen aus dem Vereinigten Königreich, Italien und Frankreich lag bei jeweils rund 2 Milliarden Dollar. Fast 80 Prozent des Import-Käses kommt aus der EU.

Die neuen Zölle sollen am 18. Oktober in Kraft treten. Hintergrund für die Sanktionen ist der seit 15 Jahren andauernde Streit um Subventionen für den europäischen Flugzeugbauer Airbus und dessen US-Wettbewerber Boeing. Beide Firmen hatten laut WTO unzulässige Staatshilfen erhalten, was zu einer Wettbewerbsverzerrung geführt hatte. Die USA hat nun zuerst grünes Licht für Strafzölle erhalten.

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