Vegi-Boom: Schweizer Käser produzieren Tofu
Aktualisiert

Vegi-BoomSchweizer Käser produzieren Tofu

Die Nachfrage nach Schweizer Bio-Tofu explodiert. Bereits kommt die Landwirtschaft nicht mehr nach mit der Sojaproduktion.

von
J. Büchi

Sojajoghurt in allen Geschmacksrichtungen, Tofu mit Provençal-Kräutern oder Räucheraroma – und am liebsten alles aus regionalem Anbau. Vegetarisch essen liegt im Trend. Die Nachfrage nach Soja aus der Schweiz ist mittlerweile so gross, dass sie nicht einmal mehr annähernd gedeckt werden kann.

«Wir müssten die Anbaufläche mehr als verdoppeln, um genügend Biosoja herzustellen», sagt der Schweizer Sojapionier Peter Rytz, der in seiner Mühle schon seit über 15 Jahren Soja für die Tofuherstellung aufbereitet. Bis vor Kurzem handelten vor allem Biofachgeschäfte mit dem Sojakäse aus hiesiger Produktion. «Als die Grossverteiler den Schweizer Biotofu entdeckt haben, ist die Nachfrage explodiert.» Rund 350 Tonnen Tofu entstehen heute jährlich aus dem Soja, das die Mühle Rytz verarbeitet – lange nicht genug.

Detailhandel reagiert auf Vegi-Boom

Konkret war es die Lancierung der Vegi-Linie «Karma» von Coop im letzten Sommer, die zum grossen Nachfrageschub führte. Der Detailhandelsriese hat sein Sortiment an vegetarischen und veganen Produkten damals stark ausgebaut und bietet inzwischen acht verschiedene Tofu-Artikel an. Bald sollen alle davon aus Schweizer Biosoja hergestellt werden.

«Mit Karma reagieren wir auf das zunehmende Bedürfnis nach fleischloser und gleichzeitig genussvoller Ernährung – insbesondere auch von Teilzeit-Vegetariern», sagt Mediensprecherin Denise Stadler. Coop setze auf Biotofu aus der Schweiz, weil dieser garantiert gentechfrei hergestellt werde und die Transportwege kurz seien. «Die Herkunft der Produkte ist für die Konsumenten entscheidender geworden in den vergangenen Jahren», so Stadler.

Machart ähnelt dem Käsen

«Soja ist geradezu prädestiniert für den biologischen Anbau», bestätigt Andreas Käsermann von Bio Suisse. In den letzten Jahren entdeckten immer mehr Bio-Bauern das Geschäft mit der Sojapflanze. «Finanziell ist der Anbau attraktiv, und je länger je mehr kommen Züchtungen auf den Markt, welche noch besser ans Schweizer Klima angepasst sind.»

Dazu kommt: Die Verarbeitung von Sojamilch zu Tofu ähnelt der Herstellung von Käse. Wie der Landwirtschaftliche Informationsdienst berichtet, wechseln deshalb häufig auch Fachleute aus der Milchbranche in die Sojaindustrie. Er habe sich entschieden, die Käseproduktion aufzugeben und eine Tofuproduktion aufzubauen, sagt ein ehemaliger Käser. «Es hat sich gelohnt.»

Ende der Nachfrage nicht in Sicht

Damit der Appetit nach Schweizer Bio-Tofu gestillt werden kann, müssen laut Peter Rytz aber trotzdem noch weitere Biobauern dazu motiviert werden, auf ihren Feldern statt Getreide Soja anzubauen. «Ein Ende der Nachfrage ist nicht in Sicht. Erst recht nicht, falls noch weitere Grossverteiler, wie etwa die Migros, auf den Zug aufspringen sollten.» Die Abnehmer hätten den Preis, den sie für Biosoja bezahlen, auf dieses Jahr gar erhöht. So werfe der Sojaanbau für Biobauern neu etwa gleich viel ab wie der Anbau von Getreide.

Damit auch konventionelle Bauern ohne Biolabel auf den Geschmack kommen, ist der Preis aber offenbar immer noch zu niedrig. «Tofu aus dem Ausland gibt es einfach immer noch viel günstiger», sagt Sandra Helfenstein, Sprecherin des Schweizerischen Bauernverbands. Insgesamt sei Soja in der Schweizer Landwirtschaft deshalb trotz allem noch ein Nischenprodukt. «Wenn die Nachfrage aber weiter steigt und sich der finanziell mehr lohnt, werden wohl viele weitere Bauern umsatteln.» Dann müssten allerdings auch die Konsumenten wohl mehr für den Tofu auf ihrem Teller bezahlen.

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