Auftrag an die Uni Zürich – Schweizer Katholiken wollen sexuelle Ausbeutung in der Kirche aufarbeiten
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Auftrag an die Uni ZürichSchweizer Katholiken wollen sexuelle Ausbeutung in der Kirche aufarbeiten

Die katholische Kirche in der Schweiz will Fälle sexueller Misshandlungen in den eigenen Reihen untersuchen. Die Aufgabe wurde der Uni Zürich erteilt. Unter anderem, um die Unabhängigkeit der Studie zu sichern.

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Forscherinnen und Forscher der Uni Zürich (UZH) sollen die Geschichte der sexuellen Ausbeutung im Umfeld der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz seit Mitte des 20. Jahrhunderts untersuchen.

Forscherinnen und Forscher der Uni Zürich (UZH) sollen die Geschichte der sexuellen Ausbeutung im Umfeld der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz seit Mitte des 20. Jahrhunderts untersuchen.

Kirchgemeinde Sargans
So will das die Schweizer Bischofskonferenz (SBK), die Konferenz der Vereinigung der Orden und weiterer Gemeinschaften des gottgeweihten Lebens (KOVOS) und die römisch-katholische Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ).

So will das die Schweizer Bischofskonferenz (SBK), die Konferenz der Vereinigung der Orden und weiterer Gemeinschaften des gottgeweihten Lebens (KOVOS) und die römisch-katholische Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ).

20min/Shila Ochsner
Der Projektstart ist für März 2022 vorgesehen.

Der Projektstart ist für März 2022 vorgesehen.

privat

Darum gehts

  • Die römisch-katholische Kirche in der Schweiz will die Fälle sexueller Ausbeutung im kirchlichen Umfeld aufarbeiten.

  • Ein Forschungsteam der Universität Zürich (UZH) hat dazu den Auftrag erhalten.

  • Ein wissenschaftlicher Beirat soll die Unabhängigkeit des Projekts sichern.

Unzählige Menschen haben im Zusammenhang mit sexuellen Übergriffen im Umfeld der römisch-katholischen Kirche grosses Leid erlitten. Nun sollen Forscherinnen und Forscher der Uni Zürich (UZH) die Geschichte der sexuellen Ausbeutung im Umfeld der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz seit Mitte des 20. Jahrhunderts untersuchen. Der Projektstart ist für März 2022 vorgesehen.

Das Problem sexueller Ausbeutung in den eigenen Reihen sei bekannt, gibt Bischof Joseph Bonnemain, Ressortverantwortlicher des Fachgremiums «Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld» der Schweizer Bischofskonferenz, zu. Es seien in der Vergangenheit schon Massnahmen getroffen worden. So erliess die katholische Kirche etwa schweizweite Richtlinien, in denen unter anderem die Zusammenarbeit mit den staatlichen Strafverfolgungsbehörden geregelt worden seien, meint der Bischof. Zudem habe man Präventionsarbeit mit Hilfe von Mitarbeiterschulungen, Schutzkonzepten und Verhaltensrichtlinien geleistet.

Systematische Ausbeutung in der Vergangenheit

Über Jahrzehnte seien Vorfälle sexueller Gewalt durch kirchliches Personal vertuscht worden, sagt Bonnemain. Die Opfer seien ignoriert worden und die Taten ungestraft geblieben. Die wissenschaftliche Aufarbeitung sei ein wichtiger Schritt, der in erster Linie den Opfern geschuldet ist. «Wir wollen damit als Kirche Verantwortung übernehmen und uns der Vergangenheit stellen», sagt der Bischof.

Die Studie legt den Fokus auf eine historische Untersuchung. Denn alles deute daraufhin, dass es für die Übergriffe im kirchlichen Kontext nicht nur individuelle, sondern auch systemische Ursachen gibt. Bischof Bonnemain «interessieren nicht nur einzelne Taten, sondern die grossen Zusammenhänge.» Das Pilotprojekt werde mit historischer Grundlagenforschung beginnen, um die Voraussetzungen für weiterführende Forschungsarbeiten zu klären und zu schaffen.

Unabhängige wissenschaftliche Untersuchung

Die Projektleitung liegt bei den Professorinnen Monika Dommann und Marietta Meier. Ein von der Schweizerischen Gesellschaft für Geschichte (SGG) ernannter wissenschaftlicher Beirat wird die wissenschaftliche Qualität und die Unabhängigkeit des Projekts sichern. Nur so könne man den Opfern Gerechtigkeit widerfahren lassen.

Um die wissenschaftliche Unabhängigkeit zu garantieren und eine ungestörte Forschungsarbeit zu ermöglichen, werden die Medien und die Öffentlichkeit erst wieder informiert, wenn die Ergebnisse der Studie vorliegen. Diese werden in einem Schlussbericht festgehalten, der auf Deutsch, Französisch und Italienisch erscheinen wird. Nach Vorliegen dieses Schlussberichts werden die Auftraggeberinnen über weiterführende Schritte zu befinden haben.

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Hier findest du Hilfe:

Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Verzeichnis von Anlaufstellen

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

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