Krise? Welche Krise?: Schweizer kaufen Autos wie noch nie

Aktualisiert

Krise? Welche Krise?Schweizer kaufen Autos wie noch nie

Die Direktimporte wirken endlich: Die Importeure senken ihre Preise massiv – Herr und Frau Schweizer greifen zu. Die Zuwanderung aus kaufkräftigen Schichten verstärkt den Boom.

von
Sabina Sturzenegger
Noch nie haben die Schweizer so viele neue Autos gekauft wie letztes Jahr.

Noch nie haben die Schweizer so viele neue Autos gekauft wie letztes Jahr.

Am Donnerstag ist es so weit: Audi senkt die Preise. Ein Beispiel gefällig? Ein Audi TT Coupé mit einem 1,8-Liter-Motor kostet noch 36 170 Franken - 11 080 Franken weniger als vorher. Zustande kommt dieses Angebot durch eine effektive Preissenkung von 11 Prozent sowie einen Euro-Bonus von 14 Prozent, wie Audi auf der Homepage schreibt.

Oder der Audi A4 Avant: Die Limousine - ebenfalls mit einem 1,8-Liter-Motor - kann man gemäss Berechnungen der «SonntagsZeitung» ab Donnerstag zu 18,7 Prozent billiger erwerben. Kostete er zuletzt rund 48 070 Franken, wird er bald nur noch 39 285 Franken kosten.

Mehr als je zuvor

Das sind massive Preisabschläge. Kein Wunder sind die Schweizer scharf aufs Autokaufen wie noch nie. Das zeigt sich in der Statistik: Heute werden mehr neue Autos gekauft, importiert und immatrikuliert als je zuvor. Im Januar waren es 23 386, ein Plus von 3057 Neuwagen. Das sind 15 Prozent mehr als im Vergleichsmonat des Vorjahres. Insgesamt wurden im letzten Jahr 8,4 Prozent mehr neue Autos zugelassen.

«Bei vielen Marken besteht kaum mehr ein Unterschied zu den Preisen in der EU», behauptet Max Nötzli, Direktor von Auto-Schweiz, der Vereinigung der Automobil-Importeure. Gemäss UBS-Konsumindikator lagen die Preise für Autos im Januar 12,4 Prozent unter den Preisen vom letzten Jahr.

Konsumenten setzten Druck auf

Nicht zuletzt die Konsumenten selber haben dazu beigetragen, dass die Preise für Autos in der Schweiz im letzten Jahr derart gesunken sind. Wegen des tiefen Euro haben die Autokäufer im vergangenen Jahr vermehrt die offiziellen Importeure umgangen und privat oder über einen Direktimporteur ihr Fahrzeug gekauft. Laut Auto-Schweiz haben sich die Direktimporte 2011 mit 7,3 Prozent mehr als verdoppelt.

Die offiziellen Importeure mussten reagieren: «Lange waren sie zurückhaltend mit Listenpreissenkungen und setzten auf zeitlich limitierte Rabatte. Inzwischen sind sie zur Überzeugung gekommen, dass definitive Preisanpassungen der beste Weg sind, um den Direktimporten zu begegnen», erklärt Max Nötzli die Preisbewegungen.

Von Wirtschaftskrise keine Spur

Der aktuelle Auto-Boom ist für Nötzli aber nicht nur im günstigen Preis begründet. «Im Vergleich zum Ausland geht es uns in der Schweiz nach wie vor sehr gut. Von einer Wirtschaftskrise kann jedenfalls nicht gesprochen werden», sagt er.

Auch für Ferdinand Dudenhöffer, «Autopapst» und Professor an der Universität Duisburg-Essen, sind Autokäufe ein Indikator für die Konsumentenstimmung und die Wirtschaftsaussichten: «Wenn Autos gekauft werden, liegt Vertrauen in die Wirtschaft vor.»

Aussichten bleiben gut

Der Trend zum Autokauf wird in der Schweiz wohl vorerst fortgesetzt: «Für das erste Halbjahr 2012 sieht es weiter gut aus», sagt Nötzli. Auto-Schweiz rechnet für 2012 mit insgesamt rund 295 000 Neuimmatrikulationen. «Das sind zwar weniger als letztes Jahr, aber immer noch mehr als 2010», ergänzt er.

Ebenso optimistisch zeigt sich Dudenhöffer. Er sagt im laufenden Jahr rund 300 000 Neuimmatrikulationen voraus. «Für einen gesättigten Markt wie die Schweiz, in welchem mehr als jeder zweite ein Auto hat, ist das eine hohe Zahl», so der Professor.

Mehr Autos wegen Zuwanderung

Ob die Zahl auch langfristig so hoch bleibt, hängt nicht nur von der Konjunktur und den Preisen ab, sondern auch von der Zuwanderung. Sie hat der Entwicklung des Schweizer Automarkts im letzten Jahr ebenfalls geholfen. Rund 75 000 Personen sind in unser Land eingewandert. «Viele von ihnen stammen aus einer kaufkräftigen Schicht. Darunter sind natürlich auch viele potenzielle Autokäufer», sagt Nötzli.

Deine Meinung