Aktualisiert 25.08.2014 09:47

Importe steigen

Schweizer kaufen lieber Käse aus dem Ausland

Dem Schweizer Käse geht es an den Kragen - zumindest hierzulande. Denn in den letzten drei Monaten wurde erstmals mehr Käse in die Schweiz importiert als exportiert.

von
cho/ woz
In der Schweiz wurde zum ersten Mal mehr Käse importiert als exportiert.

In der Schweiz wurde zum ersten Mal mehr Käse importiert als exportiert.

Offensichtlich bevorzugen Schweizer zurzeit Käse aus dem Ausland. Dies lassen zumindest die aktuellen Import-Zahlen der Käse-Industrie vermuten. Im zweiten Quartal 2014 hat die Schweiz erstmals mehr Käse eingeführt als ins Ausland geliefert: Der Importüberschuss betrug im Juni stattliche 445 Tonnen.

Die Entwicklung kommt nicht überraschend. Auch wenn die Schweiz immer mehr Käse ins Ausland exportiert, nimmt die Anzahl importierter Käsewaren mengenmässig um das Vierfache zu. Besonders bei den Traditionsmarken wie Emmentaler und Tilsiter gehen die Verkäufe markant zurück, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet.

Billiger Käse aus Europa

Seit der Käsehandel 2007 zwischen der Schweiz und der EU liberalisiert wurde, steigt die Zahl der Billigimporte. «Der Billigkäse wandert primär in Fertigprodukte und in Restaurants - also an Orte, wo Konsumenten ihn nicht sehen und wo der Preis ausschlaggebend ist», sagt Manuela Sonderegger, Sprecherin von Switzerland Cheese Marketing.

Christof Züger, Chef des Ostschweizer Familienunternehmens Züger Frischkäse, nennt den Markteintritt von Aldi und Lidl sowie die Budgetlinien von Coop und Migros als Ursache. Jedoch träfe nicht nur die Detailhändler und Grossverteiler die Schuld. Die Kunden hätten heute andere Ansprüche an als früher: «Die Konsumenten möchten milden Käse in Scheiben oder im Block, also typische Importware, die dazu noch preislich sehr attraktiv ist.»

Kampf ums Käseland Schweiz

Schweizer würden für ihren Käse tiefer ins Portemonnaie greifen, als das im Nachbarland üblich sei, sagt Stefan Kohler, Geschäftsführer der Branchenorganisation Milch. Aus diesem Grund sei der hiesige Markt für Unternehmen aus dem Ausland attraktiv und würde mit enormen Marketingbudgets bearbeitet.

Damit wieder mehr Schweizer Käse auf den Tischen der Eidgenossen landet, bläst die Branche nun zum Angriff. Einerseits wird versucht, die eigenen Marken im Ausland besser zu schützen, andererseits sollen auch die Konsumenten sensibilisiert werden. Mit Werbung will man die Kunden dazu bringen, beim Kauf auf das Herstellungsland zu achten.

Erfolgsrezept aus Luzern

Daneben könnte eine innovative Strategie, wie sie etwa Emmi betreibt, zu höheren Absätzen führen. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Luzern verbuchte letztes Jahr dank neuer Sorten wie dem höhlengereiften Kaltbach einen einprozentig höheren Käseumsatz in der Schweiz. Ein wachsender Teil der Konsumenten wünsche Vielfalt und sei durchaus bereit, für Qualität einen angemessenen Preis zu zahlen, sagt Sprecherin Sibylle Umiker. Die Herausforderung ist laut Stefan Kohler von der Branchenorganisation Milch dabei aber den Geschmack des Kunden zu treffen.

Der Geschmack allein entscheidet jedoch nicht immer. Wie jede Ware hat auch Käse ein Image, und das ist von Sorte zu Sorte unterschiedlich. Viele Schweizer würden Mozzarella aus Italien kaufen - obschon dieser teurer sei, sagt Kohler. In der Schweiz gebe es Käsereien, die sehr guten Mozzarella herstellten, aber: «Viele Konsumenten greifen im Laden lieber zu italienischen Marken. Die Leute denken, der Käse aus Italien schmecke besser.»

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