24.05.2017 13:09

Global Drug Survey 2017

Schweizer Kiffer sind pro Tag vier Stunden high

Der Global Drug Survey erforscht, welche Drogen wie häufig konsumiert werden. Die Resultate zeigen: Schweizer Kiffer greifen fast jeden zweiten Tag zum Joint.

von
Marco Lüssi
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7800 Schweizerinnnen und Schweizer haben an der internationalen Online-Umfrage Global Drug Survey 2017 teilgenommen.

7800 Schweizerinnnen und Schweizer haben an der internationalen Online-Umfrage Global Drug Survey 2017 teilgenommen.

94,4 Prozent gaben an, in den vergangenen 12 Monaten Alkohol getrunken zu haben. 2016 waren es nur 89 Prozent gewesen. Die Ergebnisse des GDS 2017 deuten also darauf hin, dass der Alkoholkonsum zunimmt.

94,4 Prozent gaben an, in den vergangenen 12 Monaten Alkohol getrunken zu haben. 2016 waren es nur 89 Prozent gewesen. Die Ergebnisse des GDS 2017 deuten also darauf hin, dass der Alkoholkonsum zunimmt.

urs Flueeler
Einen Rückgang gabs beim Tabakkonsum: Zur Zigarette griffen gemäss dem Global Drug Survey 2016 in der Schweiz 50,5 Prozent, im Vorjahr waren es 58,6  Prozent gewesen.

Einen Rückgang gabs beim Tabakkonsum: Zur Zigarette griffen gemäss dem Global Drug Survey 2016 in der Schweiz 50,5 Prozent, im Vorjahr waren es 58,6 Prozent gewesen.

Martin Ruetschi

Der Global Drug Survey (GDS) ist die grösste Drogenumfrage der Welt. Für den GDS 2017 haben 115'523 Menschen aus über 50 Staaten die Fragen zu ihrem Umgang mit legalen und illegalen Drogen beantwortet, darunter 7823 aus der Schweiz. Die Schweizer Resultate der nicht repräsentativen Online-Umfrage liegen 20 Minuten exklusiv vor.

Die Auswertung zeigt: Alkohol ist weiterhin mit grossem Abstand

die am häufigsten konsumierte Droge. 94,4 Prozent der Schweizer Umfrageteilnehmer gaben an, im vergangenen Jahr getrunken zu haben. Damit zeigt sich eine steigende Tendenz: Im GDS 2016 lag der Anteil derer, die in den letzten 12 Monaten Alkohol getrunken hatten, nur bei 89 Prozent.

Weniger Tabak geraucht

Einen deutlichen Rückgang gab es gemäss der Umfrage beim Rauchen: 50,5 Prozent der Schweizer griffen in den letzten 12 Monaten zum Tabak, im Vorjahr waren es noch 58,6 Prozent gewesen. Dafür wurde mehr gekifft: 49,9 Prozent gaben an, im vergangenen Jahr Cannabis konsumiert zu haben. Das sind drei Prozent mehr als im Vorjahr.

Bei den weiteren illegalen Drogen hat Kokain MDMA (Ecstasy) überholt: 12,8 Prozent outen sich als Kokainkonsumenten (2016: 12,3 Prozent), MDMA hatten im letzten Jahr 12,1 Prozent konsumiert – im Vorjahr waren es 13,7 Prozent gewesen. «Dieses Resultat bestätigt einmal mehr, dass der Kokainkonsum in der Schweiz verbreitet ist», sagt Larissa Maier vom GDS dazu. «Allerdings erreichen wir mit dieser Umfrage in der Schweiz vor allem Personen, die gelegentlich Kokain konsumieren und allem Anschein nach keine Substanzabhängigkeit entwickelt haben.»

Kiffende Frauen greifen weniger oft zum Joint

Ganz anders sehen die Resultate beim Cannabis aus: Wer kifft, tut dies in der Regel mehrmals pro Woche. Im Schnitt greifen Schweizer Cannabiskonsumenten an 143 Tagen im Jahr zum Joint, wobei sich bei den Geschlechtern deutliche Unterschiede zeigen: Bei den Männern sind es 153 Konsumtage, bei den Frauen nur 117.

Gefragt wurden die Teilnehmer auch, wie lange sie gemäss eigener Einschätzung an den Tagen, an denen sie kiffen, high sind: Der Durchschnittswert liegt bei 3,7 Stunden. Gekifft wird vornehmlich am Abend: 49,4 Prozent gaben an, den ersten Joint des Tages erst über 12 Stunden nach dem Aufstehen zu rauchen. Doch es gibt Ausnahmen: 1,4 Prozent der Umfrageteilnehmer stecken sich den ersten Joint bereits in den ersten fünf Minuten nach dem Aufwachen an, weitere 5,6 Prozent in der ersten Stunde nach dem Aufstehen.

Der Mehrheit geht es um Entspannung

Auch zu ihren Motiven wurden die Cannabiskonsumenten befragt: 82 Prozent gaben an, zur Entspannung und zum Spass zu kiffen. 14 Prozent sagen, neben der Entspannung spielten auch medizinische Gründe eine Rolle.

Maier: «Diese Resultate zeigen, dass Cannabis für viele ein Mittel ist, um dem Stress in der Schule oder am Arbeitsplatz zu entfliehen.» Mit Hilfe von Cannabis am Abend «runterzukommen», sei häufig eine im Alltag fest verankerte Gewohnheit. «Für viele Cannabis-Konsumenten steht nicht der Rausch im Vordergrund, sondern die Entspannung. Entsprechend besteht in der Schweiz auch eine Nachfrage für legal erhältliche CBD-Produkte mit weniger als einem Prozent THC.»

Kiffer wünschen sich Cannabis-Shops

Viele Länder haben in den letzten Jahren den Konsum und Verkauf von Cannabis legalisiert. Die Schweizer GDS-Teilnehmer wünschen sich mehrheitlich ein Regulationsmodell mit legalem Verkauf von Cannabis in Shops – mitsamt Deklaration des THC- und CBD-Gehalts der jeweiligen Produkte. Unentschieden sind sie darüber, ob diesen Shops erlaubt sein soll, für ihr Angebot zu werben. Maier: «Die Umfrageteilnehmer anderer Länder sprechen sich deutlicher gegen Werbung aus. Aus Sicht der Prävention und des Jugendschutzes wäre ein Werbeverbot wichtig.»

Das ist der Global Drug Survey

Der Global Drug Survey (GDS) wurde von Adam R. Winstock, einem Psychiater aus London, begründet. Die internationale Umfrage wird seit 2011 jährlich durchgeführt und basiert auf einer anonymen Online-Befragung. Das Ausfüllen nimmt relativ viel Zeit in Anspruch – unter den Teilnehmern befinden sich daher überdurchschnittlich viele Personen, die sich für Drogen interessieren und diese entsprechend auch konsumieren.

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