Aktualisiert 18.05.2014 10:08

Giftiges Spielzeug

Schweizer Kinder sind zu wenig geschützt

Die Europäische Union unterhält ein Warnsystem für gefährliches Spielzeug. Auch Nicht-EU-Staaten sind daran beteiligt – nicht aber die Schweiz.

von
lüs

Die EU-Staaten führen gemeinsam die sogenannte «Rapex-Liste». Die EU-Staaten führen darin gefährliche Produkte auf. Besonders oft taucht Spielzeug auf der Liste auf. Unter den Einträgen der letzten Woche befinden sich beispielsweise Doktorspiel-Sets, die Phtalate enthalten. Diese Weichmacher bringen den Hormonhaushalt von Kindern durcheinander – und können gar eine verfrühte Brustbildung bewirken.

Doch Rapex führt auch Spielzeug mit anderen Mängeln auf: Beispielsweise eine Kinderperücke, von der ein grosses Brandrisiko ausgeht, oder eine Holzlokomotive, die Formaldehyd enthält. Der grösste Teil der bemängelten Produkte stammt aus China. Sobald ein EU-Staat gefährliches Spielzeug entdeckt, trägt er es in der Liste ein. Auch Nicht-EU-Länder wie Liechtenstein, Island und Norwegen beteiligen sich an Rapex. Nicht aber die Schweiz.

Die Schweizer Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) fordert schon seit langem, dass auch die Schweiz bei Rapex mitmachen soll. Derzeit seien die Schweizer Kinder nicht ausreichend vor gefährlichem Spielzeug geschützt, sagt SKS-Geschäftsleiterin Sara Stalder zu SRF. «Es bräuchte mehr Kontrollen und nicht nur Stichproben.»

Bund verweist auf Kontrollen der Kantonschemiker

Beim Bund heisst es, zuständig für die Sicherheit von Spielzeug sei immer der Schweizer Importeur. Zudem gebe es die Kontrollen der Kantonschemiker. Mit der EU tausche man sich auf informellen Kanälen aus.

Eltern, die verhindern wollen, dass ihre Kinder mit gefährlichen Produkten in Kontakt kommen, rät die SKS, auf Spielzeug zu verzichten, das stinkt oder dessen Farbe abblättert. Generell gelte, dass Qualitätsspielzeug seinen Preis habe. Man könne aber auch auf Secondhand-Spielzeug ausweichen: Bei diesem sind die Schadstoffe bereits «ausgelüftet».

Fehler gefunden?Jetzt melden.