Schweizer Kirche schützte Pädo-Priester

Aktualisiert

Schweizer Kirche schützte Pädo-Priester

Zum ersten Mal gesteht ein Mitglied der katholischen Hierarchie die Verantwortung der Kirche im Falle des Schweizer Priesters ein, der unter Pädophilieverdacht steht. Offizial Nicolas Betticher spricht von «geheimem Einverständnis».

Das Bistum von Lausanne, Genf und Freiburg wisse seit 1989, dass der Kapuzinerpriester mindestens ein Kind missbraucht habe, sagte Betticher in einem Interview mit der Zeitung «Le Matin dimanche». Die zivilen Gerichte seien aber nie informiert worden.

Stattdessen sei der heute 67-Jährige nach Frankreich disloziert worden. Dort habe er sich jedoch erneut an einem Kind vergangen, sagte Betticher, der heute als Offizial im katholischen Kirchengericht tätig ist. Es tue ihm weh, von geheimem Einverständnis zu reden, doch diese Bezeichnung sei zutreffend.

Gegenüber der «Tagesschau» von Schweizer Fernsehen sagte der Offizial weiter, heute würde das Bistum anders reagieren. Seit 2002 gälten genaue Richtlinien der Bischöfe. Sobald sich ein Opfer melde, werde der Bischof es anhören. Für Schadenersatz wäre zuerst der verdächtige Priester zuständig. Gehe das nicht, würde auch der Bischof reagieren. Schliesslich sei er für alle Priester seiner Diözese verantwortlich.

Auch der Verantwortliche der Schweizer Kapuziner, Ephrem Bücher, gab eine Mitschuld seines Ordens zu. «Wir sind als Kapuziner dafür verantwortlich, was geschehen ist», sagte er gegenüber Radio Suisse Romande (RSR). «Wir haben damals nicht so reagiert, wie wir hätten sollen.»

Teilweise geständig

Der 67-jährige Kapuzinerpriester ist geständig, seinen 12- jährigen Neffen im Jahr 1992 missbraucht zu haben. Weiter sagte er, in Frankreich sei es lediglich ein Mal zu Zärtlichkeiten mit einem Knaben gekommen.

Der heute im Delsberger Kloster Montcroix lebende Priester war auf Ersuchen der französischen Behörden vom jurassischen Generalstaatsanwalt verhört worden. Ihm werden von Frankreich sexuelle Handlungen mit Minderjährigen vorgeworfen.

Parallel dazu untersuchen die jurassischen Behörden, ob der Priester in der Schweiz Übergriffe begangen hat, die noch nicht verjährt sind. Der verdächtigte Priester lebt seit zwei Jahren im in Delsberg, nachdem er über zehn Jahre in Frankreich gelebt hatte. Verhaftet wurde er bisher nicht.

(sda)

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