Fridays For Future im Netz: Schweizer Klimajugend demonstriert jetzt vom PC aus
Aktualisiert

Fridays For Future im NetzSchweizer Klimajugend demonstriert jetzt vom PC aus

Weil die nationale Klimademo vom 15. Mai nicht auf der Strasse stattfinden kann, verlegt die Klimajugend den Aktivismus ins Internet. Gleichzeitig prüft sie rechtliche Schritte gegen die Polizei. Grund sind Anzeigen gegen Aktivisten.

von
Christian Holzer
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Lena Bühler (17) und ihr Mitstreiter von Klimastreik Schweiz rufen für Freitag zu einer nationale Klimademo auf.

Lena Bühler (17) und ihr Mitstreiter von Klimastreik Schweiz rufen für Freitag zu einer nationale Klimademo auf.

Foto: Tamedia AG
Wobei die Demo nur im Internet stattfinden wird.

Wobei die Demo nur im Internet stattfinden wird.

Franziska Rothenbuehler
Klimastreik Schweiz will das Versammlungsverbot respektieren aber dennoch auf die Dringlichkeit von Klimamassnahmen hinweisen.

Klimastreik Schweiz will das Versammlungsverbot respektieren aber dennoch auf die Dringlichkeit von Klimamassnahmen hinweisen.

Iris Andermatt

Darum gehts

  • Die Klimajugend plant eine nationale Klimademo am Freitag, 15. Mai.
  • Wegen der Covid-19-Massnahmen kann diese nicht auf der Strasse stattfinden.
  • Darum zügelt die Gruppe ihren Aktivismus mit einem Webradio und verschiedenen Aktionen ins Netz.

Mehrere zehntausend Menschen mit bunten Transparenten, lauten Sprechgesängen, dicht gedrängt in den Berner Strassen, machten sich am 28. September 2019 für das Klima stark – Szenen, die wegen Covid-19 heute undenkbar sind. Und trotzdem soll diesen Freitag eine nationale Klimademo stattfinden. Dazu aufgerufen haben die jungen Aktivisten von Klimastreik Schweiz. Sie wollen an ihrem Aktionismus festhalten, aber auch das Versammlungsverbot respektieren. Wie «Der Bund» schreibt, werden sie darum am Freitag erstmals ihren Protest online austragen.

«Es ist ein Alternativprogramm zu unseren Demonstrationen», sagt Mitorganisatorin Lena Bühler. Über ein eigenes Webradio sollen den ganzen Tag Webinare und Interviews zum Thema gesendet werden. Zudem werde zu verschiedenen Challenges aufgerufen: «Etwa eine lokale Kleingruppe gründen oder Gedanken zu spezifischen Zukunftsfragen sammeln.» Das Ganze werden dann breit auf Social Media begleitet. Für den virtuellen Protest haben die Aktivisten eigens eine neue Website ins Netz gestellt. Der Grund für die Aktion: «Derzeit werden die Weichen für die Zeit nach Corona gestellt. Es ist wichtig, dass diese klimafreundlich gestellt werden», sagt die 17-Jährige.

Erst vergangene Woche protestierten Klimaaktivisten vor dem provisorischen Parlament gegen das Swiss-Rettungspaket.

20m

Enorme Mobilisierungsfähigkeiten

Polit-Berater Mark Balsiger räumt dem Unterfangen durchaus Chancen ein: «Die Mobilisierungsfähigkeit dieser Generation ist enorm.» Die Herausforderung bestehe darin, auch in Corona-Zeiten Umweltthemen Aufmerksamkeit zu verschaffen. Es werde sich zeigen, ob die Aktivistinnen und Aktivisten jetzt und auch online an ihr Momentum vom letzten Jahr anknüpfen könnten. Die Dynamik von gemeinsamen Versammlungen könne die Demonstration im Netz aber nicht ersetzen.

Kleiner Protest auf den Strassen

Um dem entgegenzuwirken, soll die Demo vom Freitag auch abseits der virtuellen Welt sichtbar sein. In den Challenges würden die Teilnehmer etwa aufgefordert, Transparente zu malen und diese aus dem Fenster zu hängen, erzählt Bühler. «Auch wird es eine kleinere sichtbare Aktionen auf den Strassen geben.» Details will die Gymi-Schülerin noch nicht nennen.

Bühler betont jedoch, dass die Aktion nach den BAG-Richtlinien stattfinden werde. In den letzten zwei Wochen kassierten mehrere Mitglieder von Klimastreik Schweiz Anzeigen und Bussen, «nachdem sie zu zweit, aber mit dem nötigen Abstand, mit Transparenten im öffentlichen Raum standen», sagt die Berner Aktivistin. Derzeit werde geprüft, ob gegen die Anzeigen rechtlich vorgegangen werden könnte. Die Polizei habe bei den kleinen Klima-Aktionen jeweils sehr stark eingegriffen: «Wenn man den Umgang der Kapo mit der wirklich problematischen Anti-Corona-Demo vom Samstag in Bern vergleicht, ist das lächerlich.»

Die FFF-Bewegung

Aktivisten der «Fridays For Future»-Bewegung, in der Schweiz meist einfach als Klimajugend bezeichnet, setzen sich für einen möglichst umfassenden und effizienten Klimaschutz ein. Nach dem Vorbild von Greta Thunberg gingen Schülerinnen und Schüler jeweils am Freitag während der Unterrichtszeit auf die Strasse, um für Massnahmen für den Klimaschutz zu demonstrieren. Der Schweizer Ableger fordert konkret, dass hierzulande der Klimanotstand ausgerufen wird. Ausserdem sollen die Treibhausgasemissionen bis 2030 auf «netto null» gesenkt werden.

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