23.06.2019 14:43

Schönheits-OPs

Schweizer Kliniken werben mit umstrittenen Rabatten

Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer reisen für Schönheits-OPs ins Ausland. Um dem entgegenzuwirken, offerieren Schweizer Chirurgen Preisnachlässe bei Mehrfach-Eingriffen.

von
scl
1 / 8
Schweizer Schönheitskliniken müssen sich immer wieder neue Angebote überlegen, um im Preiskampf mit dem Ausland mithalten zu können.

Schweizer Schönheitskliniken müssen sich immer wieder neue Angebote überlegen, um im Preiskampf mit dem Ausland mithalten zu können.

Instagram
Rund 30'000 Schweizerinnen und Schweizer pro Jahr lassen sich nicht im In-, sondern im Ausland operieren.

Rund 30'000 Schweizerinnen und Schweizer pro Jahr lassen sich nicht im In-, sondern im Ausland operieren.

Instagram
So setzen verschiedene Schweizer Kliniken auf Mengenrabatte.

So setzen verschiedene Schweizer Kliniken auf Mengenrabatte.

Instagram

Rund 30'000 Schweizerinnen und Schweizer reisen pro Jahr für Schönheitsoperationen ins Ausland. Vor allem die junge Generation sei diesbezüglich weniger zurückhaltend, berichtet der «SonntagsBlick».

Der Medizintourismus in der Schönheitschirurgie nehme stark zu – und das setzt die hiesige Branche unter Druck. So werben Schweizer Schönheitskliniken laut Bericht mit umstrittenen Preismodellen um Kunden.

Wie eine junge Frau berichtet, habe sie sich in einer Klinik in der Ostschweiz über eine Nasenoperation informieren wollen. Als sie sagte, dass ihr der Preis von 10'000 Franken zu hoch sei, habe ihr der Chirurg angeboten, für den gleichen Betrag ein weiteres Körperteil – zum Beispiel die Brüste – zu operieren.

Gesundheitliches Risiko

Der Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie, Mark Nussberger, kritisiert diese Mengenrabatte. Sie seien verwerflich, weil das finanzielle Interesse im Vordergrund stehe und nicht das ärztliche Handeln.

Die Kliniken hingegen bestreiten, dass durch die Preismodelle Fehlanreize gesetzt werden. Die Lucerne Clinic beispielsweise, die bei mehr als einer Operation am selben Tag auf den Zusatzeingriff bis zu 2000 Franken Rabatt gewährt, spricht von «fairen und transparenten Preisen». Man könne so einige Leute von Operationen im Ausland abhalten und ihnen ein sicheres Umfeld bieten.

Den ehemaligen Geschäftsleiter der Nationalen Ethikkommission im Bereich Humanmedizin, Jean-Daniel Strub, überzeugt diese Argumentation nicht: «Preisnachlässe bei operativen Eingriffen sind problematisch, wenn sie einen Anreiz setzen, ein gesundheitliches Risiko einzugehen.»

Fehler gefunden?Jetzt melden.