Aktualisiert 20.08.2013 11:12

Auf zu neuen UfernSchweizer KMU drängen ins Ausland

Wer an international tätige Schweizer Firmen denkt, dem kommen vor allem Grosskonzerne wie Nestlé oder ABB in den Sinn. Doch auch KMU sind im Ausland aktiv - und zwar immer mehr.

Viele Unternehmer betrachten China als Goldgrube.

Viele Unternehmer betrachten China als Goldgrube.

«In jüngerer Zeit haben die Auslandaktivitäten von Schweizer KMU ganz klar zugenommen», sagt Rico Baldegger, der Leiter des Insituts für Entrepreneurship & KMU an der Hochschule für Wirtschaft Freiburg. Sein Team hat in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsinformationsdienst Bisnode D&B und Postfinance eine Umfrage unter 788 KMU durchgeführt, die international tätig sind. Die Studie wurde am Dienstag in Bern vorgestellt.

Einen besonders grossen Drang ins Ausland haben die ganz kleinen Firmen. Unternehmen mit weniger als 10 Angestellten wagen gemäss der Studie am schnellsten den Sprung über die Grenze - im Schnitt bereits 3,5 Jahre nach der Firmengründung.

Je grösser das Unternehmen, desto mehr Zeit lässt es sich mit der Expansion. Mittlere Firmen (50 bis 249 Mitarbeiter) erschliessen im Durchschnitt erst nach 23 Jahren ausländische Märkte - dann dafür richtig: Zum Zeitpunkt der Befragung erzielten die mittleren Unternehmen einen höheren Anteil ihres Umsatzes im Ausland als die kleinen. Bei beiden Gruppen macht das Ausland aber mehr als die Hälfte der Einnahmen aus.

Falsche Hoffnungen

Offenbar hätten sich die Unternehmen aber mehr erhofft. Im Durchschnitt zeigten sich die Befragten nur mässig zufrieden mit dem Umsatzwachstum. Auch von der Entwicklung des Nettogewinns sind sie eher enttäuscht.

Viele Firmen gingen mit falschen Hoffnungen ins Ausland, sagt Rico Baldegger. Als Beispiel nennt er China. Viele Unternehmer sehen das Land als Goldgrube an. «Es braucht aber unglaublich viel Zeit, bis man am chinesischen Markt Erfolg hat», gibt Baldegger zu bedenken.

Trotz starken Frankens

Trotzdem sei überraschend, wie stabil sich die Auslandaktivitäten von Schweizer KMU entwickelten. Selbst die konjunkturelle Abkühlung in Europa - dem wichtigsten Absatzmarkt für KMU - und der starke Schweizer Franken haben laut Baldegger der Expansion keinen Abbruch getan. Das habe unter anderem damit zu tun, dass viele KMU stark spezialisiert seien.

«In den letzten Jahren ist es für KMU noch wichtiger geworden, sich durch Innovation zu positionieren», sagt er. Dadurch mache man sich als Unternehmen einzigartig und könne leichter höhere Preise durchsetzen.

Baldegger glaubt deshalb auch nicht, dass der Trend zur Expansion ins Ausland stoppen wird. «Wenn die Schweiz ihre Position halten kann, werden die Auslandaktivitäten weiter zunehmen», sagt er. (sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.