23.01.2015 16:25

Produktionsstandort

Schweizer KMUs fordern Kurswechsel der Politik

Die Schockwellen nach der Frankenfreigabe sind noch nicht ganz verebbt, da fordern KMUs erneut Unterstützung von der Politik.

von
cls
Nicht alle sind glücklich mit Thomas J. Jordans (Schweizer Nationalbank) Entscheid, den Euro-Mindestkurs aufzuheben. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Nicht alle sind glücklich mit Thomas J. Jordans (Schweizer Nationalbank) Entscheid, den Euro-Mindestkurs aufzuheben. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Alt Bundesrat Christoph Blocher sagte bekanntlich nach der Aufhebung des Euro-Untergrenze: «Alle, die jetzt fluchen, sind die, die sich in den vergangenen Jahren zu wenig gut aufgestellt haben.» Die Maschinenindustrie wehrt sich nun gegen diesen Vorwurf. Der aktuelle schockartige Margenverlust für Geschäfte im Euroraum drücke viele Firmen wieder in die Verlustzone.

Den Unternehmen der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) sei es seit der Einführung des Euro-Mindestkurses 2011 gelungen, trotz schwierigem Umfeld ihre Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen, stellt der Branchenverband Swissmem in einer Mitteilung vom Freitag fest. Es seien auch wieder kleine Gewinne erwirtschaftet worden.

Standort Schweiz in Frage gestellt

Die erneute Aufwertung des Frankens nach Abschaffung der Untergrenze mache diese Anstrengungen nun zunichte und bedrohe viele Firmen, insbesondere kleinere und mittlere, in ihrer Existenz. Der Produktionsstandort Schweiz könnte laut Swissmem daher von etlichen Firmen grundsätzlich in Frage gestellt werden.

Die Unternehmen würden aber alles tun, um diese schwierige Situation zu bewältigen. Um die internationale Konkurrenzfähigkeit zurückzugewinnen, brauche es aber Rückendeckung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), der Politik und auch der Sozialpartner.

Gefordert ist laut Swissmem vor allem die Politik, die ihren Kurs ändern solle. Es müsse Schluss damit sein, den Unternehmen immer neue Regulierungen und Kosten aufzubürden, schreibt Swissmem.

Zu bequem?

Die SNB solle aktiv am Devisenmarkt bleiben und sicherstellen, dass sich der Frankenkurs zu den wichtigsten Währungen bald wieder in einer «vernünftigen Bandbreite» bewege. Die Währungshüter haben angekündigt, dass sie «bei Bedarf» am Devisenmarkt aktiv bleiben, um die monetären Rahmenbedingungen zu beeinflussen.

Die Denkfabrik Avenir Suisse verteidigte die Frankenfreigabe in einem Meinungsartikel vehement. «Und so lebte männiglich mit der nicht wirklich fundierten Hoffnung, die Nationalbank werde noch lange so weitermachen und nicht eine mit der Zeit recht komfortable Situation, an die man sich gewöhnt hatte, stören, ja völlig durcheinanderwirbeln», schreibt Gerhard Schwarz in einem Artikel in der «Aargauer Zeitung».

Schützenhilfe bekommen die KMUs dagegen am Freitag von Bundesrat Schneider-Ammann. Dass es die Firmen in den letzten Jahren versäumt haben, sich auf die absehbare schwierige Situation einzustellen, glaubt Schneider-Ammann definitiv nicht. Alle hätten Innovation getrieben und ihre Kostenstruktur verbessert, um weiterhin Gewinne erwirtschaften zu können. Für viele Firmen sei aber schon ein Eurokurs von 1.20 Franken eine gewaltige Herausforderung gewesen. «Ich glaube nicht, dass sie viel Reserven bilden konnten», sagte er. (cls/sda)

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