Kampf der Zensur: Schweizer knacken Chinesische Mauer

Aktualisiert

Kampf der ZensurSchweizer knacken Chinesische Mauer

Dass die chinesische Regierung rigoros den Zugriff auf regimekritische Websites sperrt, geht zwei Künstlern gegen den Strich. Sie fanden einen Weg, die Zensoren auszutricksen.

Besucht der Chinese ein Internet-Café, muss er sich vor seinem Trip in den Cyberspace registrieren und einer Ausweiskontrolle unterziehen lassen. Die Räume werden rigoros mit Kameras überwacht. Einmal eingeloggt, ist der Zugriff aufs World Wide Web stark beschränkt, egal ob vom Internet-Café oder von zu Hause aus. Seiten wie wikipedia.org oder news.bbc.co.uk werden permanent geblockt. Sämtliche eingegebene URLs sowie alle Netzwerkpakete werden nach unerwünschten Schlüsselworten gefiltert und gegebenenfalls zensiert.

Den beiden Künstler Christoph Wachter und Mathias Jud haben einen Weg gefunden, die restriktiven Massnahmen seitens der chinesischen Regierung auszuhebeln. Mit dem Open Source Project «Picidae» (lat. Specht) gehen sie aktiv gegen die Zensur vor. Chinesen, die via picidae.net URLs aufrufen, kommen auch an gesperrte Inhalte. Der Trick scheint einfach, ist aber sehr effizient.

«Ungehorsame» brauchen lediglich die gewünschte Webseite via picidae.net aufzurufen. Anschliessend erhält der Leser eine Bildversion der vermeintlich gesperrten Seite, die so problemlos den chinesischen Firewall passiert. Auch weiterführende Links können angeklickt werden.

Wachter und Jud haben die Probe aufs Exempel gemacht und tricksten erfolgreich mit Picidae während einer China-Reise 2007 die dortige Internet-Polizei aus. Je mehr Leute die so genannten Pici-Server nutzen, desto löchriger wird das Zensurnetz. Es wird keine zentrale Serverliste geführt, damit die Zensur nicht greifen kann. Das deutsche Online-Portal gulli.com hat Mitte Juni mit Wachter und Jud ein Interview geführt und ihrem Projekt so zur medialen Aufmerksamkeit verholfen.

(mbu)

TV-TIP

Yahoo - Verrat im Internet

2005 schickte ein Regimekritiker von seinem Account bei der Internetfirma Yahoo regierungskritisches Material in den Westen. Die chinesische Polizei forderte von dem amerikanischen Unternehmen, das gerade in China expandierte, die Preisgabe seines Namens. Der Konzern gab schliesslich nach, Regimekritiker Shi Tao wurde zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.

27. Juni 22:00 Uhr auf 3sat

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