UBS-Konjunkturdaten: Schweizer Konsumenten im Stimmungstief
Aktualisiert

UBS-KonjunkturdatenSchweizer Konsumenten im Stimmungstief

Die Diskussionen über den harten Franken drücken auf die Stimmung der Konsumenten. Die Ökonomen der UBS bleiben dennoch verhalten zuversichtlich.

von
Balz Bruppacher

Der monatlich errechnete UBS-Konjunkturindikator fiel im Juli um 0,23 auf 1,29 Punkte. Das ist der tiefste Stand seit Dezember 2009. Die Ökonomen der Grossbank rechnen aber weiterhin damit, dass der private Konsum dieses Jahr um 1,6 Prozent wächst.

Der private Konsum ist die mit Abstand wichtigste Komponente des Bruttoinlandprodukts (BIP) und trägt rund 60 Prozent zu dieser Messgrösse für die wirtschaftliche Leistung bei. Der UBS-Konsumindikator nimmt die Entwicklung des privaten Konsums mit einem Vorlauf von rund drei Monaten vorweg.

Einbruch um fast einen Drittel

Innerhalb von zwei Monaten brach dieser Indikator nun um fast einen Drittel ein. Dennoch sieht UBS-Ökonom Caesar Lack nicht einfach schwarz. Denn ausschlaggebend für den deutlichen Rückgang waren vor allem der schlechte Geschäftsgang im Detailhandel und die nachlassende Konsumentenstimmung. Diese subjektiven Elemente zeichnen laut dem Ökonomen aber ein unvollständiges Bild.

So sei die Konsumentenstimmung durch die Krisenmeldungen aus Europa und den USA und durch die Diskussionen über die Folgen des starken Frankens geprägt. «Gerade der starke Franken ist für den Konsumenten aber positiv», sagt Lack. Ferien im Ausland und auch die Einkäufe seien günstiger geworden. Beim Detailhandel fliesse nur die Entwicklung im Inland in den Indikator ein. Die Dynamik des Konsums werde damit unterschätzt.

Autoverkäufe legen zu

Die Zuversicht der UBS-Ökonomen auf ein robustes Wachstum des privaten Konsums im ganzen Jahr 2011 beruht auch auf der Entwicklung der objektiven Elementen des Indikators. So nahmen die Hotelübernachtungen von Inländern im ersten Halbjahr leicht zu und erreichten fast das Rekordniveau von 2008. Und die Autoverkäufe liegen bereits deutlich über dem Niveau vor der Krise.

Mehr über die gesamtwirtschaftliche Entwicklung wird man am kommenden Donnerstag erfahren. Dann veröffentlicht das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) die Zahlen für die Entwicklung des BIP im zweiten Quartal. Die UBS erwartet gemäss Lack Zunahmen von 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal und von 2,3 Prozent im Vorjahresvergleich.

Rezessionsgefahr

Aufgrund der letzte Woche veröffentlichten neuen BIP-Schätzungen für das letzte Jahr und der kommenden Seco-Schätzungen dürften viele Institute in den kommenden Tagen auch ihre Konjunkturprognosen anpassen. Einzelne Ökonomen rechnen wegen der Folgen des starken Frankens auf Export und Tourismus mit einer Rezession im nächsten Jahr.

«Wenn der Euro bei 1,20 Franken bleibt, dürfte es von der Wechselkursfront her nicht so schlimm werden», sagt Lack. Fast wichtiger als der Wechselkurs sei aber die Entwicklung der Weltkonjunktur, und dort gibt es Fragezeichen, schränkte der UBS-Ökonom ein.

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