16.02.2017 20:37

Längere BeineSchweizer lassen sich operieren, um zu wachsen

Vor allem Männer sind mit ihrer Körpergrösse unzufrieden. Eine deutsche Klinik macht sie bis zu zehn Zentimeter grösser.

von
B. Zanni
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Der Patient, der sich in der Klinik Betz Institute – Reach New Heights im deutschen Neunkirchen behandeln liess, mass vor der Operation 1,73 Meter. Heute ist er 1,80 Meter gross.

Der Patient, der sich in der Klinik Betz Institute – Reach New Heights im deutschen Neunkirchen behandeln liess, mass vor der Operation 1,73 Meter. Heute ist er 1,80 Meter gross.

zvg
Laut Yvonne Betz, Assistentin an der Klinik Betz Institute – Reach New Heights, haben viele Patienten ein Problem mit dem Selbstwertgefühl. «Sie wollen für voll genommen werden.» Hier misst der Mann noch 1,73 Meter.

Laut Yvonne Betz, Assistentin an der Klinik Betz Institute – Reach New Heights, haben viele Patienten ein Problem mit dem Selbstwertgefühl. «Sie wollen für voll genommen werden.» Hier misst der Mann noch 1,73 Meter.

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Die Patienten hofften, dank der Verlängerung bei der Partnersuche und im Beruf mehr Erfolg zu haben, sagt Betz. Hier misst der Patient 1,80 Meter.

Die Patienten hofften, dank der Verlängerung bei der Partnersuche und im Beruf mehr Erfolg zu haben, sagt Betz. Hier misst der Patient 1,80 Meter.

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In der Pubertät beginnt Marcel D. Schuhe mit dicken Sohlen zu tragen. Seine Hoffnung auf einen Wachstumsschub unterstützt er mit Hormonen. Der Deutsche hat genug davon, immer der Kleine zu sein: kleiner als seine Schulkameraden und kleiner als seine jüngere Schwester. Mit 20 Jahren misst er 1,69 Meter. Es habe ihn fertiggemacht, dass er seine Grösse nicht beeinflussen konnte, vertraute er dem Magazin «Reportagen» an. «Sie führte zu einem Krieg in mir, der immer schlimmer wurde.» Heute ist er Mitte dreissig – und acht Zentimeter grösser. Möglich machte es die Klinik Betz Institute – Reach New Heights im deutschen Neunkirchen.

Auch Schweizer lassen sich dort behandeln. «In den letzten fünf Jahren hat sich die Nachfrage jährlich verdoppelt», sagt Assistentin Yvonne Betz. Mittlerweile sei die Zahl auf 30 Patienten gestiegen. Die Patienten und Interessenten seien meist zwischen 20 und 45 Jahre alt. Auch gingen monatlich Anfragen von Schweizern ein, die sich lediglich informieren wollten.

Erfolg im Beruf oder Modelkarriere

Der Eingriff kostet rund 50'000 Euro, dazu kommen Nachbehandlungen von rund 1500 Euro pro Monat. Vor allem Männer lassen sich hochschrauben. Laut Betz messen sie zwischen 1,65 und 1,75 Meter. «Sie kommen mit einer Wunschgrösse von mindestens 1,80 Meter.» Viele hätten ein Problem mit dem Selbstwertgefühl. «Sie wollen für voll genommen werden.» Die Patienten hofften bei der Partnersuche und im Beruf auf mehr Erfolg.

Die Frauen, meist 1,60 bis 1,70 Meter gross, strebten eine Modelkarriere an oder wollten Beine verlängern, die im Verhältnis zum Oberkörper sehr kurz seien. «Andere haben das Gefühl, mit 1,60 Metern immer wie ein Mädchen behandelt zu werden.»

Vertuschte OP

Bei der Oberschenkelverlängerung wird der Knochen mit einer Spezialsäge durchtrennt. Zwischen die Knochenteile setzt der Chirurg einen Teleskopnagel ein. Durch den Zug am durchtrennten Knochen bildet der Organismus neue Knochensubstanz. Pro Tag wächst die Substanz um einen Millimeter. Der Wachstumsprozess ist mit starken Schmerzen verbunden.

Laut Betz weihen die Patienten oft nur ihr engstes Umfeld ein. «Bei der Arbeit und Freunden erzählen sie, dass sie einen Auslandaufenthalt machen oder begründen ihr Gehen an Krücken mit einem Unfall.» Sie hätten keine Lust, sich zu rechtfertigen.

«Vom Machtanspruch distanzieren lernen»

In der Schweiz gibt es bislang keine Anbieter für solche Knochenverlängerungen. Die Schulthess-Klinik verlängert Knochen nur bei unterschiedlichen Beinlängen. Laut dem Klinik-Sprecher gehen aber «hin und wieder» Anfragen von Menschen ein, die «wachsen» wollen.

Markus Theunert, Generalsekretär des Dachverbands der Schweizer Männer- und Vaterorganisation Männer.ch, sagt, dass ihn das Phänomen nicht wundere. «Schon ewig gibt es Schuhe mit hohen Absätzen für Männer und Schuheinlagen, die den Träger grösser erscheinen lassen.»Der Mann werde nach dem Prinzip der Leistung sozialisiert. «Um bestehen zu können, meint er, in jeder Hinsicht das Beste aus sich herausholen zu müssen.»

Der Wunsch nach mehr Körpergrösse sei die Hoffnung auf mehr Power und Anerkennung. «Gerade in der heutigen Leistungsgesellschaft muss man es um jeden Preis vermeiden, als halbe Portion zu erscheinen.» Laut Theunert müssten Männer lernen, sich von ihrem unbewussten Anspruch zu distanzieren, gesellschaftlich der Mittelpunkt und die Norm zu sein. «Dann können sie auch mit grösseren oder besser verdienenden Partnerinnen umgehen.»

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Grenze liegt bei 10 Zentimeter

Augustin Betz, Chirurg und Inhaber des Betz Institute – Reach New Heights, rät von Verlängerungen über zehn Zentimeter ab. «Denn in der Regel würden die Beine mit den restlichen Proportionen nicht mehr zusammenpassen.» Bei einer Verlängerung von 10 Zentimetern kann der Patient nach etwa acht bis zehn Monaten wieder normal gehen, nach eineinhalb bis drei Jahren wird der Nagel entfernt. Der Eingriff hinterlässt laut Betz vier Narben am Oberschenkel. «Drei davon messen zwischen fünf und acht Millimeter, die grösste ist 15 Millimeter lang.»

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