30.08.2015 11:29

TourismusSchweizer lassen sich von Krisen nicht beeindrucken

Trotz Krisen und Anschlägen in Feriendestinationen reisen Touristen aus der Schweiz weiter fleissig an diese Orte – mit einer Ausnahme.

von
lin
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Blauer Himmel und türkisfarbiges Wasser: So stellt man sich die Ferien auf Griechenlands Inseln vor.

Blauer Himmel und türkisfarbiges Wasser: So stellt man sich die Ferien auf Griechenlands Inseln vor.

Keystone/Alessandro Della Valle
Von der griechischen Insel Kos erreichten uns in den vergangenen Wochen aber vor allem Bilder von Flüchtlingen, die mit Booten auf die Insel gelangten. Trotz der angespannten Situation liessen sich Schweizer Touristen nur kurzzeitig von Ferien auf Kos abbringen.

Von der griechischen Insel Kos erreichten uns in den vergangenen Wochen aber vor allem Bilder von Flüchtlingen, die mit Booten auf die Insel gelangten. Trotz der angespannten Situation liessen sich Schweizer Touristen nur kurzzeitig von Ferien auf Kos abbringen.

Yannis Kolesidis
In Bangkok kehrte nach dem Anschlag vom 17. August bald das normale Leben zurück in die Strassen. Und auch die Touristen liessen sich vom Anschlag nicht abschrecken.

In Bangkok kehrte nach dem Anschlag vom 17. August bald das normale Leben zurück in die Strassen. Und auch die Touristen liessen sich vom Anschlag nicht abschrecken.

Charles Dharapak

Anschläge in Bangkok, Tunesien, Istanbul oder gestrandete Flüchtlinge auf griechischen Ferieninseln: Viele beliebte Feriendestinationen wurden dieses Jahr durch Krisen erschüttert. Schweizer Feriengäste lassen sich von diesen Ereignissen die Laune auf Ferien aber nicht verderben, wie «Travel Inside» berichtet. «Im aktuellen Sommer verzeichnen Ägypten, die Türkei, Griechenland und Thailand eine gute bis sehr gute Nachfrage. Die Zahl der Buchungen liegt über dem Vorjahresniveau», bestätigt Roland Schmid, Pressesprecher von TUI Suisse, 20 Minuten.

«Die Ereignisse sind meist sehr lokal», erklärt Kuoni-Sprecher Peter Brun. Der Tourismus und seine Infrastruktur seien in Krisensituation kaum beeinträchtigt. «Die dramatische Berichterstattung in den Medien hat kurzfristige Auswirkungen, die oft aber sehr schnell wieder abklingt, wenn nicht direkt Schweizer Touristen involviert sind.» Touristen seien aber grundsätzlich «unpolitisch». «Solange Behörden nicht von einer Destination abraten und die Hotels normal funktionieren, wird eine Destination gebucht», so Brun. Eine Beobachtung, die man auch bei Hotelplan Suisse macht. So würden die Neubuchungen für die griechische Insel Kos bereits wieder ansteigen, nachdem diese in der vergangenen Woche zurückgegangen waren, sagt Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir.

Betroffenheit ist entscheidend

Ob und wie schnell Touristen wieder an eine Destination zurückkehren, hänge auch mit dem Grad der Betroffenheit des Herkunftslandes zusammen, erklärt TUI-Suisse-Sprecher Schmid. So bleiben britische Touristen in Tunesien nach dem Anschlag in Sousse praktisch vollständig aus. Bei der Attacke im vergangenen Juni waren 30 Briten unter den Opfern. Das Vereinigte Königreich verschärfte anschliessend seine Reisehinweise massiv und riet von sämtlichen nicht notwendigen Reisen in das nordafrikanische Land ab. «Vor allem bei mehreren Ereignissen innerhalb von kurzer Zeit verliert eine Destination an Vertrauen und die Buchungen erholen sich nicht so schnell, wie das Beispiel Tunesien zeigt», erklärt Brun.

Familien buchen anders

Im Gegensatz zu Griechenland, Ägypten oder Thailand meiden denn auch viele Schweizer Touristen Tunesien. Bei Hotelplan Suisse und TUI Suisse gingen seit dem Anschlag deutlich weniger Buchungen ein: «Tunesien ist sehr gut in den Sommer gestartet. Nach dem Anschlag in Sousse hat rund die Hälfte der Kunden eine Alternative gebucht», sagt Roland Schmid von TUI Suisse. Neubuchungen gingen immer noch zögerlich ein. «Die Buchenden sind primär Stammkunden, welche dem Land die Treue halten. Wer eine Destination kennt, bucht eher wieder, weil man sich auskennt», so Schmid.

Bei Hotelplan Suisse stellt man zudem eine Veränderung beim Buchungsverhalten fest: Familien mit Kindern, die ihre Ferien oft bereits weit im Voraus planen, reisten weniger in Länder wie Tunesien, Ägypten oder die Türkei. Dafür würden für diese Destinationen kurzfristige Buchungen durch jüngere Touristen oder Paare zunehmen.

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