Aktualisiert 21.05.2020 13:26

21 Stunden pro Monat

Schweizer legen zu wenig Pausen im Job ein

Ein Drittel der Berufstätigen macht zu wenig Arbeitspausen. Schuld ist oft das Betriebsklima. Besonders die 14- bis 29-Jährigen hält das von Pausen ab. Diese sind aber wichtig für die Produktivität.

von
Barbara Scherer
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Jeder dritte Berufstätige in macht zu wenig Pausen im Job.

Jeder dritte Berufstätige in macht zu wenig Pausen im Job.

KEYSTONE
Rechtlich stehen Arbeitnehmern aber Pausen zu.

Rechtlich stehen Arbeitnehmern aber Pausen zu.

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Laut Arbeitsgesetz ist ab 5,5 Stunden eine Pause von 15 Minuten zu gewährleisten. Ab 7 Stunden sind es 30 Minuten und ab 9 Arbeitsstunden ist es eine Stunde.

Laut Arbeitsgesetz ist ab 5,5 Stunden eine Pause von 15 Minuten zu gewährleisten. Ab 7 Stunden sind es 30 Minuten und ab 9 Arbeitsstunden ist es eine Stunde.

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Darum gehts

  • Laut einer Studie macht ein Drittel der Schweizer zu wenig Pause bei der Arbeit.
  • Gesetzlich haben Arbeitnehmer aber Anrecht auf eine Pause.
  • Laut Personalexperte Michel Ganouchi sind Pausen auch wichtig für die Produktivität.
  • Chefs sollten eine gesunde Pausenkultur vorleben.

Ein Drittel der Schweizer legt zu wenig Pausen während der Arbeit ein. Die meisten Arbeitnehmer haben schlicht zu viel zu tun oder vergessen die Pause einfach, wie eine Studie des Karrierenetzwerks Xing und des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Marketagent.com zeigt.

Über 40 Prozent geben zudem an, dass es zur Betriebskultur gehört, die Pausen wegzulassen. Speziell junge Berufstätige hält das davon ab ihre Arbeit zu unterbrechen: Zweidrittel der 14- bis 29-Jährigen verzichten auf ihre Pause, weil es in ihrem Unternehmen dazu gehört.

Pro Monat gehen 21 Stunden Pause verloren

Gesetzlich gesehen, haben Arbeitnehmer aber Anrecht auf eine Pause: Laut Arbeitsgesetz ist ab 5,5 Stunden eine Pause von 15 Minuten zu gewährleisten. Ab 7 Stunden sind es 30 Minuten und ab 9 Arbeitsstunden ist es eine Stunde. Wer also in einem 100 Prozent Pensum über 9 Stunden arbeitet und auf seine Pausen verzichtet, verliert pro Monat durchschnittlich 21 Stunden Pause.

Meistens geht sogar noch mehr Zeit verloren. Denn bei den vielen Firmen wird die Arbeitszeit durch eine Mittagspause unterbrochen. Wer vor oder nach der Mittagspause fünfeinhalb Stunden arbeitet, dem steht erneut eine weitere Pause von mindestens einer Viertelstunde zu. Mehr dazu erfährst du in der Bildstrecke oben.

Pausen machen produktiver

Wer produktiv sein möchte, muss aber meistens noch öfters eine Pause einlegen, wie der Personalexperte Michel Ganouchi zu 20 Minuten sagt. Nach wie viel Arbeitszeit eine kurze Verschnaufpause angesagt ist, das sei aber individuell. «Man muss sich selber kennen, um zu wissen, wie man am produktivsten ist.»

Darauf sollte auch der Arbeitgeber Rücksicht nehmen. «Rahmenbedingungen sollten den unterschiedlichen Bedürfnissen der Mitarbeiter gerecht werden», so Ganouchi. Damit das funktioniert, müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer einander vertrauen können.

Leistungsorientierte Kultur schadet Pausen

Dass es den meisten Berufstätigen schwer fällt, eine Pause bei der Arbeit einzulegen, erstaunt Ganouchi nicht. Viele würden sich im Büro beobachtet fühlen. «Man traut sich schlichtweg nicht.» Damit Pausen eingelegt werden, brauche es eine gewisse Selbstdisziplin.

Zu oft gehe in der Hektik vergessen, dass jeder zwischendurch abschalten muss. «Obwohl fast alle wissen, dass dies der Sache und dem Menschen dient», so Ganouchi. Eine leistungsorientierte Unternehmenskultur sei diesbezüglich meistens nicht förderlich: Pausen machen gelte als schwach. Deshalb müssen Führungspersonen die Pausenkultur vorleben. «Auch ein Chef sollte mal ein Nickerchen einlegen oder joggen gehen.»

Das sieht auch der Geschäftsführer von Xing so: «Firmen sind gefordert, eine positive Pausenkultur zu pflegen», sagt Robert Bertschinger. Weil der Arbeitsalltag oft sehr dynamisch sei und den Arbeitnehmern Agilität und Flexibilität abverlange, fällt das Pause einlegen oft schwer. «Sich Zeit für Pausen zu nehmen erfordert deshalb Energie und oft auch etwas Mut», so Bertschinger.

Xing Studie

Mehr Pausen im Homeoffice

Viele Berufstätige mussten wegen der Coronakrise plötzlich zu Hause arbeiten. Dabei haben 7 von 10 Arbeitnehmer die Pausen neu entdeckt. Während sie im Büro ihre Pausen mit Essen, Trinken, Gesprächen mit Kollegen oder Whatsapp verbrachte, wurden sie zu Hause aktiv: Vier von zehn Personen im Homeoffice haben ihre Pause für Sport im Freien genutzt, wie die Studie von Xing zeigt.

Weiter haben die Schweizer die neu entdeckten Pausen fürs Kochen, Backen oder Hausarbeiten erledigen und ein Nickerchen machen genutzt. Dabei empfanden fast die Hälfte der Befragten die Pausen im Homeoffice erholsamer als im Büro.

Dafür fiel das Pausieren in den eigenen vier Wänden mehr als einem Drittel der Befragten schwerer als im Büro. Nur 24 Prozent empfanden Pausen im Homeoffice einfacher.

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69 Kommentare

KMU-Chef

25.05.2020, 06:06

Meiner Erfahrung nach wollen die Mitarbeiter nicht mehr Pause machen... die wollen lieber früher Freierabend. Ich habe schon Mühe die von der SUVA vorgeschriebenen 45min Mittagspause durchzusetzen. Und an die Raucher-Basher: Meine Erfahrung zeigt auch das Raucher nicht weniger produktiv sind als in Nichtraucher. Im Gegenteil, die langsamsten Mitarbeiter waren bei uns bis jetzt immer Nichtraucher.

Sandro72

24.05.2020, 04:55

Dafür nehmen sich Raucher alle Zeit der Welt !

Es liegt ja nicht primär...

23.05.2020, 19:38

an den Arbeitnehmern, sondern an jenen, die ihnen die "Arbeitsprogramme" schreiben und die oft keine oder nur sehr wenig Ahnung haben von der eigentlichen Arbeit, dem eigentlichen Arbeitsablauf. Letztenendes sind das wieder gesunde Wirkungen eines sehr kranken Systems, das aber gerade zusammenfällt.