Schweizer lieben Demokratie per Mausklick
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Schweizer lieben Demokratie per Mausklick

Die Schweizer Bürgerinnen und Bürger nutzen die elektronischen Behördendienste von Jahr zu Jahr intensiver. Immer beliebter: Das elektronische Ausfüllen der Steuererklärung. Und am liebsten würden die Schweizer schon morgen mit der Maus abstimmen.

Traten vor zwei Jahren noch 12 Prozent der Bürger über das Internet mit der öffentlichen Verwaltung in Kontakt, sind es jetzt bereits 18 Prozent. «Im Gegensatz zur politischen Führung sind die Bürger der Schweiz weniger zögerlich und bereit für E-Government», sagt Prof. Dr. Heide Brücher, Leiterin des Kompetenzzentrums E-Government an der Berner Fachhochschule.

Schweizer Bürgerinnen und Bürger wollen den Geschäftsverkehr mit den Behörden vermehrt über das Internet abwickeln, wenn das entsprechende Angebot vorhanden ist. Von den Behörden wird verlangt, dass sie jene elektronischen Behördendienste anbieten, die den Bedürfnissen der Bevölkerung entsprechen und einen Nutzen bringen.

Mehr Anschlüsse - Alte holen auf

Die Zahl der Internetzugänge zu Hause, am Arbeitsplatz oder anderswo hat sich auf 82 Prozent erhöht. Ebenfalls im gleichen Zeitraum gestiegen ist die Nutzungsintensität des Internets (Anteil der täglichen oder fast täglichen Nutzer) von 56 auf 63 Prozent.

Werden die Daten bezüglich des Internetzugangs analysiert, zeigt sich, dass nach wie vor ein «digital divide» besteht, der aber im Vergleich zu den Vorjahren abgenommen hat. Ältere Bevölkerungsgruppen, Frauen und Personen mit geringerer Bildung haben jedoch noch immer deutlich weniger häufig Zugang zum Internet.

Enormer Bedarf nach E-Government

Die Analyse der bereits heute genutzten Behördendienstleistungen via Internet zeigt «Informationen einholen» (69 Prozent) als Spitzenreiter. An Bedeutung gegenüber dem Vorjahr gewonnen haben «Formulare runterladen» (von 40 auf 47 Prozent) und «Steuererklärung ausfüllen» (von 32 auf 36 Prozent). Stark zugelegt hat auch die Möglichkeit, Anfragen an die Behörde zu übermitteln (von 22 auf 29 Prozent). Es ist also nachweisbar, das für das elektronische Angebot von Behördendienstleistungen ein Bedarf besteht.

Unkompliziert und schnell

Bezüglich der künftig gewünschten Behördendienstleistungen via Internet bestehen nach wie vor grosse Erwartungen sowie die Bereitschaft zu deren Nutzung. Die Anteile sind im Vergleich zum Vorjahr alle gestiegen. Die Nutzungsschwerpunkte: «An- und Abmeldungen beim Umzug» (von 75 auf 78 Prozent), «Wohnsitz bestätigen lassen» (von 75 auf 78 Prozent), gefolgt von «Führerschein ändern lassen» (von 70 auf 76 Prozent), «Fahrzeuge an- und abmelden» (von 73 auf 74 Prozent) und «Abstimmen und wählen» (von 67 auf 70 Prozent). Die Anwendung «Steuererklärung ausfüllen» hat gegenüber dem 1. TB 2003/2004 markant von 57 auf 68 Prozent zugenommen, die Anwendung «Behördenrechnungen online bezahlen» von 49 auf 56 Prozent.

Als primäre Hürden bei Behördenkontakten werden «Öffnungszeiten der Ämter» (34 Prozent), «lange Wartezeiten» (27 Prozent) und «zu viele Ansprechpartner» (24 Prozent) genannt.

Schweizer wollen per Internet abstimmen

Von den Schweizerinnen und Schweizer glauben 63 Prozent (60 Prozent vor zwei Jahren), dass die Wahlbeteiligung höher wäre, wenn einfach und sicher über das Internet abgestimmt und gewählt werden könnte. Der «Ja, bestimmt»-Anteil ist bei der jüngsten Altersgruppe der 18-24-Jährigen mit 42 Prozent am höchsten und hat bei der Altersgruppe der 35-54-Jährigen mit einer Steigerung von 32 auf 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr am stärksten zugenommen. (sda)

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