«Sextortion»: Schweizer Männer tappen in die Sex-Falle
Aktualisiert

«Sextortion»Schweizer Männer tappen in die Sex-Falle

Internationale Erpresserbanden machen diesen Sommer Jagd auf naive Schweizer. Sie erschwindeln sich von ihren Opfern Sexfilmchen und erpressen sie dann mit dem heissen Material.

von
Nina Jecker

Sie sind hübsch, fröhlich und wild auf Cyber-Sex: Die vermeintlichen Internet-Bekanntschaften haben alles, was sich viele Männer wünschen. Dass sich hinter den attraktiven Damen Kriminelle verstecken, wollen die Opfer nicht wahrhaben, wenn sie von Louisa, Jaqueline oder Giselle angeschrieben werden. So werden sie leichte Opfer der sogenannten «Sextortion»-Masche (aus den englischen Begriffen Sex und Extortion, auf Deutsch Erpressung).

«Die meist männlichen Opfer werden über soziale Netzwerke kontaktiert», sagt Danièle Bersier von der Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik). Nach einigen Chat-Nachrichten verlagere sich die Konversation in der Regel auf Skype oder andere Videotelefonie-Plattformen. Dort geht es so richtig zur Sache: «Die Frauen zeigen ihren nackten Körper und verlangen von ihrem Opfer, sexuelle Handlungen an sich vor laufender Kamera vorzunehmen.»

Immer mehr Fälle weltweit registriert

«Kaum sind die Gangster im Besitz der Filmchen, schlägt die Stimmung um», weiss Peter Gill von der Staatsanwaltschaft Basel, wo bereits derartige Fälle verfolgt wurden. Meist kriegt der Betroffene eine E-Mail. Der Inhalt: Ein Zugangscode zu einem noch gesperrten Youtube-Video. Dazu die Forderung nach Geld. Ansonsten werde der Sex-Clip für alle sichtbar geschaltet oder an die Facebook-Freunde des Erpressten geschickt.

Wie viele Schweizer den Tätern auf den Leim gehen, ist unbekannt. Die Fälle werden nicht gesondert von anderen Erpressungsversuchen registriert. «Viele trauen sich wohl sowieso nicht, eine Anzeige zu machen, weil es ihnen peinlich ist», vermutet Gill. Bei Kobik, wo Meldungen aus der ganzen Schweiz zu Internetkriminalität eingehen, bemerkt man eine Häufung. «In den letzten Wochen gab es eine Welle», sagt Bersier. Dies bestätigt Chantal Billaud von der Schweizerischen Kriminalprävention. «Letztes Jahr wurden uns erstmals einzelne Fälle von Sextortion gemeldet. Nun ist das Vorgehen schon verbreitet.»

Die Masche ist weltweit auf dem Vormarsch: Anfang Jahr hat das FBI eine entsprechende Warnung herausgegeben, im Frühling folgte Singapur. Dort hat sich die Anzahl der Anzeigen innerhalb eines Jahres verfünffacht. 2011 waren es 11, vergangenes Jahr bereits 50 Fälle.

Fies: Videos trotz Zahlung im Netz

Wer Opfer wurde, soll den Kontakt sofort abbrechen und keinesfalls zahlen, rät Bersier. «Oft wird nach einer Zahlung noch mehr verlangt.» Besonders gemein: Selbst wenn die Opfer sämtliche Forderungen erfüllen, würden die Täter das Material oftmals ins Internet stellen.

Je nach Internetplattform habe man aber gute Chancen, dass das kompromittierende Material wieder gelöscht werde. Die Aussichten, an die Täter zu kommen, seien jedoch sehr gering. «Wir haben aus einer polizeilichen Ermittlung Kenntnis von Tätern aus der Elfenbeinküste. Dies ist aber ein Einzelfall und sagt wenig über die Hintergründe allgemein», sagt Billaud. Sie rät deshalb, unbekannten Personen unter keinen Umständen intime Details oder Bilder zukommen zu lassen.

Wurden Sie auch schon Opfer von Sextortion? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail an feedback@20minuten.ch

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