Aktualisiert 24.09.2019 11:46

Mutter in Not

Schweizer Mami bittet auf Facebook um Essen

Milch, Butter und Pasta: Eine Mutter sucht auf Facebook nach Spendern für Fresspäckli. Kühlschrank und Konto seien leer, berichtet sie.

von
B. Zanni
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In ihrer Verzweiflung bettelte die Mutter kürzlich in der Facebook-Gruppe «Fresspäckli - Leben am Existenzminimum Schweiz» des Vereins Siidefade um Geld.

In ihrer Verzweiflung bettelte die Mutter kürzlich in der Facebook-Gruppe «Fresspäckli - Leben am Existenzminimum Schweiz» des Vereins Siidefade um Geld.

Bis auf ein Joghurt ist der Kühlschrank von S. G.* leer. «Im Schulsack meines Sohns habe ich noch ein Schoggistängeli gefunden. Ansonsten habe ich seit letztem Freitag nichts mehr gegessen. Aber Hunger habe ich sowieso keinen mehr», sagt die dreifache Mutter.

Bis auf ein Joghurt ist der Kühlschrank von S. G.* leer. «Im Schulsack meines Sohns habe ich noch ein Schoggistängeli gefunden. Ansonsten habe ich seit letztem Freitag nichts mehr gegessen. Aber Hunger habe ich sowieso keinen mehr», sagt die dreifache Mutter.

Andrewrafalsky
Während eineinhalb Wochen hätten sie, ihre 14-jährige Tochter und ihr neunjähriger Sohn sich noch von den Resten aus dem Kühlschrank ernähren können, sagt G.

Während eineinhalb Wochen hätten sie, ihre 14-jährige Tochter und ihr neunjähriger Sohn sich noch von den Resten aus dem Kühlschrank ernähren können, sagt G.

Killerb10

Bis auf ein Joghurt ist der Kühlschrank von S. G.* leer. «Im Schulsack meines Sohns habe ich noch ein Schoggistängeli gefunden. Ansonsten habe ich seit letztem Freitag nichts mehr gegessen. Aber Hunger habe ich sowieso keinen mehr», sagt die dreifache Mutter. Am 7. September sei sie von ihrem Noch-Ehemann zum wiederholten Mal spitalreif geprügelt worden, berichtet die 39-jährige Schwyzerin. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Schwyz will sich auf Anfrage von 20 Minuten zum aktuellen Fall nicht äussern.

Auch habe ihr Mann sämtliches Bargeld im Haus verschwinden lassen. «Wir hatten ein Münzkässeli mit Kleingeld und Nötli. Das alles hat er genommen», gibt sie an. Da sie kurz vorher Rechnungen bezahlt habe, sei auch ihr Konto leer.

Leben von Resten

Zurzeit fliesst kein Rappen mehr auf das Konto der gelernten Konditorin. Normalerweise verdient sie im Stundenlohn pro Monat rund 1300 Franken mit dem Zubereiten von Sandwiches in einer Bäckerei. «Durch meine Verletzungen bin ich zurzeit arbeitsunfähig.»

Während eineinhalb Wochen hätten sie, ihre 14-jährige Tochter und ihr neunjähriger Sohn sich noch von den Resten aus dem Kühlschrank ernähren können, sagt G. «Es hatte noch Joghurts, etwas Brot und Pommes Chips.» Am letzten Freitag seien aber sämtliche Lebensmittel aufgebraucht gewesen. «Es tat so weh, zu sehen, wie meine Kinder immer wieder hungrig den leeren Kühlschrank öffneten.» Zum Glück hätten ihre Kinder bei Gspänli etwas zu essen bekommen.

«Das erste Päckli ist unterwegs»

In ihrer Verzweiflung fragte die Mutter kürzlich in der Facebook-Gruppe «Fresspäckli – Leben am Existenzminimum Schweiz» des Vereins Siidefade nach Lebensmitteln. Sie und ihre drei Kinder bräuchten dringend Hilfe, schrieb G., die noch einen 18-jährigen Sohn hat, der nicht mehr bei ihr wohnt. Brauchen würden sie 2 Liter Milch, Butter, 4 bis 5 Joghurts, 1 Pack Aufschnitt, 1 Pack Bratwürste, 2 Pack Teigwaren, Tomatensauce oder Pelati, Ice-Tea-Pulver, 1 Sack Kartoffeln, etwas Gemüse und Früchte und, falls möglich, ein wenig Süsses oder Pommes Chips für die Kinder, schrieb sie im Post.

«Das erste Päckli ist unterwegs. Eine Frau schrieb mir, dass sie etwas für mich auf die Post gebracht habe», sagt G. Zudem hätten ihr drei weitere Personen versprochen, ein Fresspäckli zu schicken. Längerfristig will G. sich und ihre Kinder aber nicht mit gespendeten Lebensmitteln durchbringen. «Nachdem ich bemerkt hatte, dass die Lebensmittel nicht mehr reichen, meldete ich mich sofort bei der Sozialhilfe an.» Mit den Spenden wolle sie lediglich die Zeit überbrücken, bis sie Geld von der Sozialhilfe erhalte.

Beratungsstellen kontaktieren

Schweizer Familien suchen in Facebook-Gruppen immer wieder nach Lebensmittelspenden. 2018 startete eine Ostschweizer Mutter einen Aufruf und fragte die Community nach «übrigem Brot». Da der Lohn noch nicht gekommen war, befand sich ihre Familie in einem finanziellen Engpass, wie die Mutter angab.

Stefan Gribi, Leiter Abteilung Kommunikation bei der Caritas Schweiz, sagt: «Wer in einer akuten finanziellen Notlage ist, sollte sich an die kantonalen Sozialberatungsstellen wie etwa jene der Caritas oder des Roten Kreuzes wenden.» Manche Beratungsstellen geben laut Gribi zum Beispiel Lebensmittelgutscheine ab. Vorsicht geboten sei, wenn man die Zeit bis zum Empfang der Sozialhilfegelder auf eigene Faust überbrücken wolle. «Es besteht die Gefahr, dass man dann einen Kredit aufnimmt und in die Schuldenfalle rutscht.»

*Name der Redaktion bekannt.

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