Aktualisiert 19.11.2007 17:11

Schweizer Manager: Lohnerhöhung von 370 000 Fr.

Unangefochtener Topverdiener der Schweizer Manager ist und bleibt mit 44,2 Millionen Franken Novartis-Verwaltungsratspräsident und -Konzernchef Daniel Vasella. Doch auch die übrigen Schweizer Topmanager haben im letzten Jahr überdurchschnittlich kassiert.

2,3 Millionen Franken betrug laut der Stiftung Ethos die Jahresvergütung im Durchschnitt, was 15,8 Prozent mehr als im Vorjahr waren. Die Lohnerhöhung betrug also durchschnittlich 370 000 Franken pro Manager. Die Stiftung beklagt einmal mehr die mangelnde Transparenz.

Vasella schlägt sie alle

Für 2006 wurde für Daniel Vasella eine Entschädigung von knapp 44,2 Millionen Franken ausgewiesen, wie aus der Zusammenstellung der Anlagestiftung Ethos vom Montag hervorgeht. Der Baranteil an dieser Vergütung beläuft sich auf «nur» drei Millionen Franken. Im Vorjahr war die Entschädigung Vasellas von Ethos noch mit 30,8 Millionen Franken angegeben worden. An zweiter Stelle figuriert UBS-Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel mit 26,59 Millionen Franken. Seine Barabfindung belief sich auf über 12,5 Millionen Franken. Auf dem dritten Platz liegt Nestlé-Präsident und -Konzernchef Peter Brabeck mit 17,22 Millionen Franken, vor Roche-Präsident und -Konzernchef Franz Humer mit 16,69 Millionen Franken und Credit-Suisse-Präsident Walter Kielholz mit 16,02 Millionen Franken. Mit je gut zehn Millionen Franken entschädigt wurden gemäss Ethos der Konzernchef des Luxusgüterkonzerns Richemont, Norbert Platt, sowie der Konzernchef des Agrochemiekonzerns Syngenta, Michael Pragnell.

Je grösser das Unternehmen, desto höher der Lohn

Am besten bezahlt waren die exekutiven Verwaltungsratsmitglieder und Mitglieder der Geschäftsleitung bei der Grossbank UBS, wo die Vergütung pro Person knapp 18,99 Millionen Franken betrug, wie aus der am Montag veröffentlichten Ethos-Studie über die Vergütungen 2006 der 100 grössten Schweizer Unternehmen hervorgeht. An zweiter Stelle folgte Credit Suisse mit 18,8 Millionen Franken, vor Novartis mit 11,82 Millionen Franken, Swiss Re mit 7,30 Millionen und Zurich Financial Services mit 6,10 Millionen Franken.

Bei den nichtexekutiven Verwaltungsratsmitgliedern liegt Credit Suisse mit 911 667 Franken an erster Stelle, vor der UBS mit 659 861 und Pargesa mit 564 286 Franken pro Person und Jahr. An vierter Stelle folgt Novartis mit 559 006 Franken vor OC Oerlikon mit 542 189 Franken. Die nichtexekutiven Verwaltungsratsmitglieder konnten 2006 im Schnitt eine um 5,6 Prozent höhere Entschädigung von 223 000 Franken kassieren, wie Ethos weiter schreibt.

Laut der Stiftung Ethos besteht eine starke Korrelation zwischen der Grösse des Unternehmens und der Höhe der Vergütungen. Zudem bestünden bedeutende Unterschiede zwischen Unternehmen gleicher Grösse, aber verschiedener Branchen: Die Sektoren Finanzdienstleistungen sowie Chemie und Pharma gewährten die höchsten Vergütungen, jene des Industriesektors die niedrigsten. Erwähnenswert sei ausserdem, dass der Anstieg der Vergütungen für exekutive Führungskräfte mit plus 27 Prozent bei den kleineren Unternehmen am höchsten war.

Keinerlei Zusammenhang wurde zwischen der Veränderung der Vergütungen und der Leistung nachgewiesen. Dies wird vor allem darauf zurückgeführt, dass nur wenige Unternehmen die Aufgliederung zwischen festen Vergütungen, Bonus und Beteiligungsplänen mitteilten. Dies verunmögliche jede Untersuchung der Zusammenhänge zwischen den Veränderungen der Vergütungen und der erbrachten Leistung.

Bezüglich Transparenz der Vergütungen seien zwischen 2005 und 2006 nur wenige Verbesserungen festgestellt worden, schreibt die Stiftung weiter. Das allgemeine Niveau übersteige das von der Corporate-Governance-Richtlinie der Schweizer Börse SWX vorgeschriebene Minimum nicht nennenswert.

Ethos fordert gestützt auf die Studie die Unternehmen auf, die internationalen Best-Practice-Regeln bezüglich der Lohnpolitik anzuwenden und insbesondere die Leistungsabhängigkeit der Vergütung zu verstärken, um so die Interessen der Aktionäre mit jenen der Geschäftsführung in Einklang zu bringen. Der Unterschied zwischen den niedrigsten und den höchsten Löhnen sollte eine angemessene Schwelle nicht überschreiten. Die Vergütung der Führungsinstanzen sollte zudem nicht systematisch und auf unverhältnismässige Weise im Vergleich zu den Löhnen der übrigen Beschäftigten steigen. Denn es sollte vermieden werden, dass innerhalb des Unternehmens ein Gefühl der Ungerechtigkeit aufkomme, was die Motivation der Mitarbeitenden beeinträchtigen könnte. Ethos wünscht sich ferner, dass die Unternehmen die Vergütungsberichte freiwillig zu einer konsultativen Abstimmung der Generalversammlung vorlegen. (dapd)

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