Hansjörg Wyss: Schweizer Milliardär will im US-Medienbusiness mitmischen
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Hansjörg WyssSchweizer Milliardär will im US-Medienbusiness mitmischen

Hansjörg Wyss will einem New Yorker Hedgefonds die Tribune-Mediengruppe mit mehreren renommierten Titeln abjagen. Der Milliardär mit einem Vermögen von rund sechs Milliarden Franken will damit Gutes tun.

von
Lucas Orellano
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Hansjörg Wyss bietet um Tribune Publishing mit.

Hansjörg Wyss bietet um Tribune Publishing mit.

REUTERS
Der Gruppe gehört unter anderem die prestigeträchtige «Chicago Tribune» an.

Der Gruppe gehört unter anderem die prestigeträchtige «Chicago Tribune» an.

Screenshot Chicago Tribune
«Ich will nicht, dass noch eine Zeitung den Bach runtergeht, die eine Chance hat, den Amerikanern die Wahrheit zu sagen», wird der 85-Jährige zitiert.

«Ich will nicht, dass noch eine Zeitung den Bach runtergeht, die eine Chance hat, den Amerikanern die Wahrheit zu sagen», wird der 85-Jährige zitiert.

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Darum gehts

  • Zusammen mit dem Hotelkettenbesitzer Stewart W. Bainum will Hansjörg Wyss Tribune Publishing kaufen.

  • Mit ihrem Angebot wollen die beiden Unternehmer die Übernahme durch den Hedgefonds Alden Global Capital verhindern.

  • «Ich habe die Möglichkeit, 500-mal mehr Gutes zu tun, als ich das momentan tue», sagt Wyss.

Die Medienbranche in den USA ist dafür bekannt, knallhart und polarisiert zu sein. Nun will einer der reichsten Schweizer darin mitmischen. Wie die «New York Times» (Bezahlartikel) schreibt, bietet der Schweizer Milliardär Hansjörg Wyss (85) um die Übernahme von Tribune Publishing mit, der unter anderem die «Chicago Tribune», die «New York Daily News» und «The Baltimore Sun» angehören.

Demnach will Wyss zusammen mit dem Hotelkettenbesitzer Stewart W. Bainum den New Yorker Hedgefonds Alden Global Capital ausstechen, der bereits 32 Prozent der Anteile an Tribune Publishing hält. Alden ist gemäss Bericht bekannt dafür, bei den Medientiteln, die sich in seinem Besitz befinden, drastisch Stellen zu kürzen.

«Ich habe die Möglichkeit, 500-mal mehr Gutes zu tun, als ich das momentan tue», sagte Wyss, wie die «Times» weiterschreibt. Dabei hat es der Berner vor allem auf die «Chicago Tribune» abgesehen; Sein potenzieller Geschäftspartner Bainum ist in erster Linie an der «Baltimore Sun» interessiert. «Ich sagte, ‹Ja, das ist okay›», so Wyss. Während die «Chicago Tribune» als tendenziell rechtsgerichtetes Medium verstanden wird, gehört die «Baltimore Sun» zu den linksliberalen Medien.

«Vielleicht bin ich naiv»

«Ich will nicht, dass noch eine Zeitung den Bach runtergeht, die eine Chance hat, den Amerikanern die Wahrheit zu sagen», wird der 85-Jährige weiter zitiert. Und: «Vielleicht bin ich naiv. Aber die Kombination, dass wir einem professionellen Staff genug Geld geben, die richtigen Dinge zu tun und Geld in die digitale Entwicklung zu stecken, wird schlussendlich eine sehr profitable Zeitung ergeben.»

Die Übereinkunft sei in den letzten Tagen entstanden und sei derzeit noch nicht verbindlich. Wyss habe Bainum am Freitag einen entsprechenden Brief geschrieben. Beide Männer planen demnach, 100 Millionen Dollar in den Kauf zu investieren. Das Angebot der beiden Männer soll 650 Millionen Dollar betragen, das ihrer Konkurrenten Alden Global Capital 630 Millionen. Bis im Juli will Tribune Publishing den Deal über die Bühne gebracht haben, zum neuen Angebot von Wyss und Bainum nahm die Gruppe allerdings noch nicht Stellung.

Zur Person

Hansjörg Wyss, der seit Jahrzehnten in den USA lebt, wurde 2011 mit dem Verkauf des Medizintechnik-Konzerns Synthes an Johnson & Johnson auf einen Schlag zu einem der reichsten Schweizer. Von seinem Vermögen von über 10 Milliarden Dollar spendete er einen erheblichen Teil, auch in der Schweiz. Der ETH überwies er 2014 beispielsweise 120 Millionen Franken für ein neues Forschungszentrum. Heute besitzt Wyss geschätzt noch sechs Milliarden Dollar.

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