Perfide Masche: Schweizer mit BBC-Star und Airbnb abgezockt
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Perfide MascheSchweizer mit BBC-Star und Airbnb abgezockt

Unbekannte Gangster erbeuten Tausende von Franken mit falschen Wohnungsinseraten. Das Vorgehen wird immer raffinierter – das zeigt ein aktueller Fall.

von
Gabriel Brönnimann
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Das ist Maria Bucher. Jedenfalls hat sie das zwei Wochen lang behauptet. Jetzt gerade nennt sie sich Maria Krawany. Auf ihrer persönlichen Homepage wünscht sie Besuchern einen «guten Tag». Doch seien Sie gewarnt: Wer sich auf "Maria" einlässt...

Das ist Maria Bucher. Jedenfalls hat sie das zwei Wochen lang behauptet. Jetzt gerade nennt sie sich Maria Krawany. Auf ihrer persönlichen Homepage wünscht sie Besuchern einen «guten Tag». Doch seien Sie gewarnt: Wer sich auf "Maria" einlässt...

Screenshot Internet
...und seien die Fotos und Artikel der Londoner Zoologin (mit Faultier: Jööh!) noch so herzig, der wird am Ende abgezockt. Obwohl Maria sehr seriös wirkt.

...und seien die Fotos und Artikel der Londoner Zoologin (mit Faultier: Jööh!) noch so herzig, der wird am Ende abgezockt. Obwohl Maria sehr seriös wirkt.

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Am Ende eines langen, freundlichen Mailverkehrs - unter anderem auch mit einem angeblichen Vertreter der Firma Airbnb (der Mail-Absender ist «gespooft», also gefälscht), erhält man diesen Vertrag für ein angeblich «sicheres» Depot. Wer bezahlt, verliert die volle Summe (hier: 2'000 Franken).

Am Ende eines langen, freundlichen Mailverkehrs - unter anderem auch mit einem angeblichen Vertreter der Firma Airbnb (der Mail-Absender ist «gespooft», also gefälscht), erhält man diesen Vertrag für ein angeblich «sicheres» Depot. Wer bezahlt, verliert die volle Summe (hier: 2'000 Franken).

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Die Baslerin Cécile D.* suchte mit ihrem Mann eine neue Wohnung. Im Januar hatten sie endlich Glück – dachten sie. «Es war genau was wir suchten», sagt die Fitnesstrainerin. Das Inserat fand D. auf einem Wohnungsportal. Sie schrieb der Inserentin, einer Maria Bucher, und erhielt gleich eine freundliche Antwort per Mail in leicht Englisch angehauchtem Deutsch.

Kein Wunder: Maria Bucher ist laut E-Mail-Signatur «Zoologist at the Institute of Zoology London». Sie wollte die potenziellen Mieter kennenlernen, hinterliess selbst den Link zu ihrer persönlichen Homepage – mit kurzer Biografie, Fotos, Blog und Links zu Social-Media-Profilen.

Die Falle schnappt zu

«Sie war mir sofort sympathisch», seufzt Cécile D. Alles schien wunderbar. «Und wer misstraut schon einer Zoologin, die mit herzigen Faultieren posiert?»

Das Vertrauen ist hergestellt – die Falle schnappt zu. Maria Bucher schreibt ihr, sie habe schon einmal «viel Geld verloren», weil sie vergeblich von England nach Basel gereist sei, um die Wohnung zu zeigen. Diesmal wolle sie Sicherheit: Vorauszahlung auf ein Sperrkonto. «Airbnb bietet diesen Service an», behauptete Bucher – als «Beweis» dienen Links auf die echte Airbnb-Seite, mit unzähligen rechtlichen Bestimmungen.

2000 Franken Deliktsumme

«Leider kannte ich Airbnb nur aus den Medien. Hätte ich gewusst, dass dort alles über die Webseite läuft, hätte das bei mir nie geklappt», sagt Cécile D. Am nächsten Tag kommt das Mail ihres «Airbnb-Agenten» – mit Vertrag für das Depot-Konto. Cécile D. geht angeblich kein Risiko ein: Sie soll auch bei Nicht-Unterzeichnung den vollen Betrag zurückerhalten.

Cécile D. überweist 2000 Franken. Aus der Traum: Ab jetzt bleiben Mails unbeantwortet, ein Besichtigungstermin wird nie vereinbart. «Maria Bucher» verschwindet aus dem Internet. Die Mails des angeblichen Airbnb-Agenten entpuppen sich als Fälschung: Die echte Firma Airbnb hat mit der Geschichte rein gar nichts zu tun. Der angehängte Vertrag ist gefälscht.

Bund: «Zunahme spürbar»

Laut der Schweizer Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität Kobik ist bei «Betrugsversuchen mit Immobilien eine Zunahme spürbar», sagt Fedpol-Sprecher André Callegari. Zwar sei nicht auszuschliessen, dass einfach die Bereitschaft, Betrugsversuche den Behörden zu melden, zugenommen habe – doch das Fedpol stellt ebenfalls fest, «dass die Täterschaft zunehmenden Aufwand betreibt». Dazu gehörten etwa «falsche Social-Media-Profile oder Webseiten von angeblichen Firmen», so Callegari. Betroffen seien in der Deutschschweiz vor allem die Zentren Basel, Zürich, St. Gallen und Bern.

Cécile D. und ihr Mann haben auf ihrer Wohnungssuche 2000 Franken verloren. An dem Haus, in das sie gerne einzogen wären, spazieren sie manchmal vorbei. «Das tut weh», sagt sie. «Ich hatte die Traumwohnung vor Augen, wie ein Rüebli vor der Nase», so D. «Jetzt fühle ich mich wirklich wie ein Esel.» Geld und Wohnung waren nicht die einzigen echten Dinge: Die herzigen Fotos auf der Homepage zeigten eine echte Zoologin. Nicht Maria Bucher, sondern Lucy Cooke von der BBC, Nachfolgerin des berühmten Sir David Attenborough.

«Maria» ist mittlerweile wieder online. Mit exakt derselben Masche. Sie nennt sich jetzt Maria Krawany und wartet auf weitere Schweizer Opfer: «Ich habe kürzlich meine geliebte Schweizer Wohnung renoviert und ich möchte sie vermieten!»

*Name der Redaktion bekannt

Wurden auch Sie bei der Wohnungssuche abgezockt, oder hat man es bei Ihnen versucht? Erzählen Sie Ihre Geschichte in einem Mail an feedback@20minuten.ch mit dem Betreff «Wohnungs-Abzocke».

So können Sie die Abzocke verhindern

Laut der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bekämpfung der Internetkriminalität Kobik gibt es ein paar grundlegende Verhaltensregeln, die es bei der Wohnungssuche im Internet zu beachten gilt. Vorsicht ist geboten wenn:

- das Gegenüber eine Vorschusszahlung verlangt, beispielsweise in Form von vorgezogener Monatsmiete oder Kaution im Gegenzug zur Zustellung eines Schlüssels für das Mietobjekt

- die Vormieter oder Vermieter angeben, im Ausland oder anderswo zu weilen und somit angeblich nicht an einem Besichtigungstermin dabei sein können

- Druck aufgebaut wird, indem so schnell wie möglich zum Abschluss der Formalitäten und auf Bezahlung gedrängt wird

- auf die Verwendung von unbekannten Zahlungsdienstleistern oder Escrow-Diensten gepocht wird, die gemäss den Vermietenden angeblich vor Betrug schützen sollen.

Weitere, ausführlichere Tipps des Kobik finden Sie hier.

Bei Airbnb gilt grundsätzlich: Suchen Sie die Angebote auf der Homepage von Airbnb, und schliessen Sie alles dort ab. Geben Sie zur Sicherheit Adressen von Anbietern im Browser selbst ein, trauen Sie keinen Links von unbekannten Personen. Airbnb-Sprecher Julian Trautwein sagt zu 20 Minuten: «Wenn Sie Wohnungen auf der Airbnb-Webseite buchen und bezahlen, dann ist Ihr Geld sicher. Wir machen unsere neuen Kunden aktiv darauf aufmerksam, dass es wichtig ist, nur die Airbnb-Plattform für Buchungen zu nutzen. Unser Sicherheits-Team arbeitet rund um die Uhr, um Betrugsversuche zu verhindern.» Der im Artikel beschriebene Fall hat mit der Firma Airbnb nichts zu tun – die Gauner nutzen nur den bekannten Namen der Firma, um ihre Opfer zu betrügen. gbr

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