Orientierungslauf-WM: Schweizer mit hohen Zielen
Aktualisiert

Orientierungslauf-WMSchweizer mit hohen Zielen

Mit vier Einzel-Weltmeistern und grossen Ambitionen nimmt das 13-köpfige Schweizer Team die OL-Weltmeisterschaften in Miskolc (Un) in Angriff. Die erste Entscheidung steht am Mittwoch auf dem Programm.

Ohne Simone Niggli haben die Schweizer an der letztjährigen WM in Olomouc (Tsch) einmal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze gewonnen. In Ungarn streben sie sechs Medaillen an - vier bei den Männern und zwei bei den Frauen.

Simone Niggli tritt nach ihrer Baby-Pause für einmal nicht als Topfavoritin an, was die 14-fache Weltmeisterin geniesst: «Es ist vielleicht gar nicht so schlecht, mal eine WM so anzugehen.» Als Ziele für die drei Einzeldisziplinen hat die 31-jährige Bernerin Top-6-Platzierungen formuliert. Damit stapelt sie tief. Zwar kann von Niggli selbstredend nicht ein Durchmarsch wie an den Titelkämpfen 2003 in der Schweiz und 2005 in Japan, wo sie dank ihrer damaligen läuferischen Überlegenheit jeweils vier Goldmedaillen holte, erwartet werden. Doch für mindestens einen Podestplatz dürfte die Schweizer Sportlerin der Jahre 2003, 2005 und 2007 gut genug sein.

Bereits in den vier Weltcup-Läufen im Juni in Salo (Fi) und Fossum (No) vermochte Niggli mit einem 3. und zwei 4. Plätzen mit der Weltspitze mitzuhalten, obwohl sie Mitte März einen Ermüdungsbruch im Schambein erlitten und rund einen Monat mit dem Lauftraining hatte aussetzen müssen. Deshalb wies sie damals insbesondere bei der Schnelligkeit Defizite auf. Mittlerweile fühlt sich Niggli gut in Form, und nach dem Trainingslager von Anfang August im WM-Gebiet spürt sie nun auch die Sicherheit, die es für eine WM braucht. Die fünffache Europameisterin stuft die Titelkämpfe als «sehr physisch» ein. Vom Technischen her sei es nicht extrem schwierig.

Dass Niggli für die Titelkämpfe bereit ist, bewies sie am Sonntag in der Qualifikation für das Mitteldistanz-Rennen. In ihrem Lauf nahm sie der zweitplatzierten Schwedin Helena Jansson, der Dritten im Weltcup-Zwischenklassement, 1:44 Minuten ab. Zusätzliche Motivation erhält sie durch das bald einjährige Töchterchen Malin. Der neue Mittelpunkt im Leben der Biologin ist in Miskolc ebenfalls dabei und wird vorwiegend von Nigglis Eltern betreut.

Daniel Hubmann selbstbewusst

Bei den Männern ruhen die Hoffnungen in erster Linie auf dem Weltranglisten-Ersten Daniel Hubmann und Matthias Merz. Hubmann, der wie Niggli alle Disziplinen läuft, tritt zum Abschluss der WM am Sonntag auf der Königsstrecke Langdistanz als Titelverteidiger an. Auch in den anderen Disziplinen rechnet sich der 26-jährige Thurgauer Medaillenchancen aus.

«Das Gelände liegt mir, ich bin zuversichtlich», sagte der Weltcup-Gesamtsieger des vergangenen Jahres. Zudem sei er sehr gut vorbereitet. Für Gold müsse allerdings vieles passen. Das Selbstvertrauen kommt nicht von ungefähr, hat Hubmann international in diesem Jahr doch schon dreimal triumphiert - über die Langdistanz an den Nordmeisterschaften, im Weltcup-Sprint in Finnland und über die Mitteldistanz an den World Games in Taiwan.

Matthias Merz will an die starken Leistungen bei der WM 2007 in Kiew anknüpfen, als er sich Gold über die Langdistanz und Silber im Sprint sicherte. Auf der kürzesten Strecke geht er in Ungarn allerdings nicht an den Start. Der 25-jährige Aargauer holte sich wie vor zwei Jahren mit einem Höhentrainingslager im Engadin den letzten Schliff für die WM. Neben dem Ausdauerbereich bildeten in diesen dreieinhalb Wochen einige schnelle Einheiten den Schwerpunkt.

Staffel-Gold im Visier

Dank Hubmann und Merz können sich die Schweizer im Staffel- Wettbewerb vom Freitag einiges ausrechnen, zumal die Equipe mit Baptiste Rollier über einen soliden Startläufer verfügt. «Wir wollen Weltmeister werden», so Merz. Es wäre die vierte Staffel- Goldmedaille für die Schweizer Männer nach 1991, 1993 und 1995. Auch die Frauen streben im Team-Wettkampf in der Besetzung Lea Müller, Vroni König-Salmi und Simone Niggli den Sprung unter die ersten drei an. Dieses Trio gewann 2005 WM-Gold.

Für die 40-jährige König-Salmi ist die Staffel der Hauptgrund für eine weitere WM-Teilnahme. Gespannt sein darf man auch auf ihren Auftritt über die Mitteldistanz am Mittwoch - in jener Disziplin musste sie sich 2008 nur Minna Kauppi geschlagen geben. Die Finnin ist derzeit das Mass aller Dinge bei den Frauen; sie entschied drei der vier Weltcup-Rennen in dieser Saison für sich.

Die OL-Weltmeisterschaften werden zum insgesamt 26. Mal ausgetragen, zum zweiten Mal nach 1983 in Ungarn. Die ehemalige Industriestadt Miskolc ist nach Budapest und Debrecen die drittgrösste Stadt Ungarns (rund 180 000 Einwohner) und liegt an den Ostausläufern des Bükk-Gebirges. Das Gelände kommt den Schweizern entegegen; die Wälder sind hügelig, Buchenbüsche verschlechtern die Sicht und die Brennnesseln sind teilweise kopfhoch.

(si)

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