Nachtwölfe MC – Schweizer Motorradclub verbreitet russische Kriegspropaganda

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Nachtwölfe MCSchweizer Motorradclub verbreitet russische Kriegspropaganda

Sie posieren mit russischen Flaggen, zelebrieren ihre Nähe zu Wladimir Putin und sichern den Separatistengebieten in der Ukraine ihre Unterstützung zu. Russlandexperte Ulrich Schmid zur Frage, wieso die Nachtwölfe für Putins Angriffskrieg sind.

von
Thomas Obrecht
Daniel Krähenbühl
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Ein Mitglied der Schweizer Nachtwölfe posiert mit der Flagge der international nicht anerkannten Volksrepublik Donezk. 

Ein Mitglied der Schweizer Nachtwölfe posiert mit der Flagge der international nicht anerkannten Volksrepublik Donezk. 

Screenshot Facebook
In sozialen Netzwerken wird in der Schweiz russische Propaganda geteilt – beispielsweise dieses Bild mit der Inschrift «Russlands Soldaten befreien Europa wieder vom Faschismus».

In sozialen Netzwerken wird in der Schweiz russische Propaganda geteilt – beispielsweise dieses Bild mit der Inschrift «Russlands Soldaten befreien Europa wieder vom Faschismus».

Screenshot Facebook
Auch das mit dem russischen Angriffskrieg assoziierte «Z» wird auf Facebook geteilt.

Auch das mit dem russischen Angriffskrieg assoziierte «Z» wird auf Facebook geteilt.

Screenshot Facebook

Darum gehts

  • Der russische Motorradclub Nachtwölfe MC gilt als Putin-nahe und anti-westlich.

  • Auch in der Schweiz haben die Nachtwölfe Mitglieder, welche sich über soziale Medien austauschen.

  • Dabei wird vor allem russische Propaganda verbreitet.

Ein brennender Wolf auf weissem Grund - das ist das Logo des Nachtwölfe MC, dem mit 5000 Angehörigen grössten Motorrad- und Rockerclubs Russlands. Die Motorradgang und ihre Mitglieder – gut erkennbar an den schwarzen Lederkutten – sind auch in der Schweiz präsent. Auf Social Media posieren die Nachtwölfe mit Flaggen von Russland und der international nicht anerkannten Volksrepublik Donezk, sie teilen prorussische Propagandavideos und -bilder und feiern das mit dem russischen Angriffskrieg assoziierte «Z»-Symbol.

Vor allem auf Facebook zelebrieren die Schweizer Mitglieder der Nachtwölfe ihre Nähe zu Russland. Bilder vor der russischen Botschaft werden etwa mit der Legende «Wir zeigen Flagge! Wir stehen für Russland! Ohne wenn und ohne aber!» versehen. Gleichzeitig sammeln die Biker Spenden für die Menschen der Region Donbass und prangern die westliche «Aggression» gegen die russische Welt an.

«Solche Auftritte sollen Putin ein cooles Image geben»

Auf der offiziellen Website des Schweizer Ablegers geht die Propagandaschlacht weiter. Wer sie besucht, wird mit folgenden Worten begrüsst: «Wir sind mit Russland. Wir sind mit Donbass.» Ein 20-Minuten-Leser, der anonym bleiben möchte, ärgert sich: «Es stimmt mich traurig, mit ansehen zu müssen, was aktuell in der Ukraine geschieht. Was mich aber noch viel trauriger und wütender macht, sind Putin-treue Propaganda-Verbreiter, die laufend mit ihren Mitteilungen auf Social Media Unwahrheiten streuen.»

Die zur Schau gestellte Nähe zu Russland kommt dabei nicht von ungefähr: Der Gründer und seither amtierende Präsident der Bikergang, Alexander Sergejewitsch Saldostanow, genannt «der Chirurg», pflegt gute Beziehungen zum russischen Präsidenten Wladimir Putin. Zahlreiche Bilder zeigen Putin bei gemeinsamen Treffen mit Saldostanow. Neben dem Besuch mehrerer Events des Nachtwölfe MC war Putin auch schon bei mehreren Biker-Fahrten dabei. So etwa nach der russischen Annektierung der Krim 2014, bei welchem Putin bei einer Massenkundgebung der Nachtwölfe mit der Gruppe durch die Strassen fuhr.

«Solche Auftritte sollen Putin ein cooles Image geben», sagt Ulrich Schmid, Russlandexperte und Professor für Kultur und Gesellschaft Russlands an der Universität St. Gallen. Eine Assoziation mit den Bikern passe zu Putins Selbstinszenierung als starker, männlicher Machthaber.

Hohe finanzielle Beiträge für Biker

Die Verbindung zu Putin sei nicht von Beginn weg so gut gewesen wie heute: «Ursprünglich waren die Nachtwölfe gegen die Regierung eingestellt», sagt Schmid. Die russische Regierung habe die Nachtwölfe daraufhin mit Geld aus dem staatlichen Kulturbudget gefördert. «Durch hohe Geldbeträge konnte der Kreml die Biker zunehmend von sich überzeugen.» Gemäss dem russischen Oppositionellen Alexei Nawalny ist den Nachtwölfen allein zwischen 2013 und 2015 eine Summe von umgerechnet über 1,5 Millionen Franken zugesprochen worden.

Dass die russische Führung einen Motorradclub finanziell unterstützt, ist laut Schmid kein Einzelfall. «Die gesamte Kulturpolitik des Kremls der letzten zehn Jahre ist darauf ausgerichtet, patriotische Vereinigungen in der russischen Gesellschaft auszumachen und für die eigenen Ziele zu vereinnahmen.» So würden auch Rockergruppen, klassische Musiker und Schlagersänger als kulturelle Botschafter des Kremls auftreten. «Eine ideologische oder stilistische Konsistenz ist dabei nicht wichtig, es geht nur darum zu vermitteln, dass die Regierung in allen Sparten Unterstützer hat», sagt Schmid.

Generell hätten die Nachtwölfe auf die russische Gesellschaft aber nur einen zunehmend kleiner werdenden Einfluss, sagt Schmid. «Denn durch ihre Vertretung und Verherrlichung des Stalinismus gehören sie ideologisch zu einer kleinen Minderheit innerhalb der Gesellschaft.»  

Gemäss dem Bundesamt für Polizei (Fedpol) gehen von den Schweizer Nachtwölfen «keine besonderen Risiken» aus. Man wisse zwar, dass in der Schweiz wohnhafte Personen mit den Nachtwölfen sympathisieren, doch es handle sich um eine sehr kleine Gruppierung, welche in der Schweiz bisher aus polizeilicher Sicht unauffällig geblieben sei. 

Der MC Nachtwölfe wollte auf Anfrage von 20 Minuten keine Stellung nehmen.  Auch der in der Schweiz vorherrschende Motorradclub Hells Angels Switzerland reagierte bisher nicht auf eine Anfrage. 

Beschäftigt dich oder jemanden, den du kennst, der Krieg in der Ukraine?

Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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