Aktualisiert 28.02.2012 16:43

Havarierte «Costa Allegra»

Schweizer müssen drei Tage auf Schiff ausharren

Kein Strom, Angst vor Piraten: Statt einer Traum-Kreuzfahrt im Indischen Ozean erleben die 90 Schweizer an Bord der «Costa Allegra» bange Stunden. Ein Ende der Odyssee ist nicht in Sicht.

von
Adrian Müller

So haben sich die Schweizer Gäste ihre Traumkreuzfahrt bestimmt nicht vorgestellt: Seit Montag treibt die «Costa Allegra» ohne Strom mit 1000 Menschen an Bord rund 200 Kilometer südlich der Seychellen, wo somalische Piraten aktiv sind. Die Passagiere mussten die Nacht offenbar auf dem Deck verbringen. Statt eines ausgiebigen Frühstücks-Buffets gab es heute bloss ein kaltes Zmorge. Weder die Klimaanlage noch der Notstrom funktionieren. Und dies nur sechs Wochen nach dem Untergang der «Costa Concordia», die zur selben Reederei gehört.

Helikopter fliegen derzeit Taschenlampen, Lebensmittel, Satellitentelefone und Kurzwellenradios zu der wegen ihrer grossen Glasfronten auch «Kristallschiff» genannten «Costa Allegra», die ursprünglich als Containerfrachter gebaut worden war.

Erst am Donnerstag am Ziel

Ein französischer Fischkutter und zwei Schlepper haben das havarierte Kreuzfahrtschiff inzwischen erreicht und schleppen sie Richtung der Hauptstadt Victoria ab. Dort soll die Costa Allegra allerdings laut neuesten Meldungen erst am Donnerstag eintreffen. Eigentlich sollte zuerst die nahe gelegene Luxus-Insel Desroches Island angesteuert werden, wo Prinz William und Kate 2007 Liebesferien verbrachten. Nach intensiven Abklärungen haben aber die Costa-Verantwortlichen erkannt, dass das das Kreuzfahrtschiff im kleinen Hafen nicht anlegen kann.

Auf spontane Luxus-Ferien können die Schweizer Passagiere also nicht hoffen. 73 der 90 Schweizer gehören einer Gruppe des Veranstalters Reisecenter Plus an: «Wir haben unseren Reiseleiter noch nicht erreichen können, da keine Telefonverbindung verfügbar ist», sagt Geschäftsführerin Christine Bucher zu 20 Minuten Online. Costa selbst könne mit dem Kapitän nur per Funk kommunizieren. Alle Passagiere seien wohlauf. «Das ist bestimmt keine angenehme Situation für die Reisenden, die Lage ist aber unter Kontrolle», so Bucher.

(Quelle: YouTube/AP)

Schwierige Evakuierung

Die 90 Schweizer waren am 21. Februar von Mauritius aus in See gestochen. Am Montag sollten die Passagiere nach einem Stopp in Madagaskar einen «Tag auf See» geniessen, bevor die Seychellen angesteuert worden wären. Doch dann ist im Motoren-Raum ein Brand ausgebrochen. An eine Reparatur der Generatoren ist nicht zu denken, der Schaden ist zu gross. «Die Kreuzfahrt wird deshalb abgebrochen», so Bucher.

Einmal in der Hauptstadt angelangt, will Costa die Reisenden von Mahé mit Sonderflügen nach Europa fliegen. Möglicherweise könnten aber die Kreuzfahrer ihre Ferien auf den Seychellen weiterführen, so Bucher.

Ein Fischkutter schleppt die «Costa Allegra» in die Hauptstadt der Seychellen, Victoria. Dort kommt das Schiff allerdings erst am Donnerstag an.

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