Giftige Stoffe: Schweizer Munition macht Polizisten krank
Aktualisiert

Giftige StoffeSchweizer Munition macht Polizisten krank

Deutsche Polizisten übten mit Ruag-Munition, die als krebserregend eingestuft wird. Die GSoA fordert nun Warnhinweise auf den Patronen.

von
P. Michel
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Ruag-Patronen des Typs «Dynamit Nobel» stehen im Verdacht, bei Berliner Polizisten schwere Gesundheitsschäden verursacht zu haben. Weil die Beamten in schlecht durchlüfteten Schiessständen übten, waren sie den Dämpfen der Stoffe Antimon und Blei ausgesetzt. Insgesamt 102 Polizisten meldeten sich seither dienstuntauglich.

Ruag-Patronen des Typs «Dynamit Nobel» stehen im Verdacht, bei Berliner Polizisten schwere Gesundheitsschäden verursacht zu haben. Weil die Beamten in schlecht durchlüfteten Schiessständen übten, waren sie den Dämpfen der Stoffe Antimon und Blei ausgesetzt. Insgesamt 102 Polizisten meldeten sich seither dienstuntauglich.

Keystone/Alessandro Della Valle
Jiri Paukert, Mediensprecher der Ruag, bestätigt, dass der Munitionstyp diese Stoffe enthält, die sich bei der Schussabgabe in der Luft freisetzen. Paukert verteidigt die Praxis: «Alle Hersteller setzen bei der regulären Munition auf Antimon und Blei.» Dies, weil Antimon das Blei härte und so die Durchschlagskraft und Wirkung der Munition erhöhe.

Jiri Paukert, Mediensprecher der Ruag, bestätigt, dass der Munitionstyp diese Stoffe enthält, die sich bei der Schussabgabe in der Luft freisetzen. Paukert verteidigt die Praxis: «Alle Hersteller setzen bei der regulären Munition auf Antimon und Blei.» Dies, weil Antimon das Blei härte und so die Durchschlagskraft und Wirkung der Munition erhöhe.

AP/Jens Meyer
Dass Munition aus Schweizer Produktion zu massiven Gesundheitsschäden führen kann, ist für Lewin Lempert von der GSoA ein «gravierender Missstand». Er fordert, dass auch Schweizer Polizisten, die mit der betreffenden Munition übten, auf die Gesundheitsrisiken sensibilisiert werden. Und: «Vielleicht sollte sich die Ruag überlegen, ob sie auf ihren Patronen den Warnhinweis Kann Menschenleben gefährden platzieren will.»

Dass Munition aus Schweizer Produktion zu massiven Gesundheitsschäden führen kann, ist für Lewin Lempert von der GSoA ein «gravierender Missstand». Er fordert, dass auch Schweizer Polizisten, die mit der betreffenden Munition übten, auf die Gesundheitsrisiken sensibilisiert werden. Und: «Vielleicht sollte sich die Ruag überlegen, ob sie auf ihren Patronen den Warnhinweis Kann Menschenleben gefährden platzieren will.»

Keystone/Ennio Leanza

Über Jahre übten Berliner Polizisten in schlecht durchlüfteten Schiessständen. Weil die Abluftanlagen nicht richtig funktionierten und bei den Sanierungen gespart worden war, waberten nach der Schussabgabe jeweils Giftstoffe wie Kupfer, Zink, Blei sowie Antimon in der Luft. Die Folge: 102 Berliner Beamte mussten aus Gesundheitsgründen den Dienst aufgeben, darunter auch Polizisten, bei denen Krebs diagnostiziert worden war. Ein betroffener Beamter sagte gegenüber der ARD: «Ich fühle mich meines Lebensglücks beraubt.»

Wie die «Berliner-Zeitung» nun berichtet, verwendeten die Berliner Polizisten bei ihren Schiessübungen auch Munition des Typs «Dynamit Nobel 7,62 x 51», ein Produkt des Schweizer Rüstungsbetriebs Ruag. Laut einer Untersuchung des Berliner Landeskriminalamts wurden in diesen Patronen Rückstände von Antimon und Blei nachgewiesen. Antimon steht im Verdacht, höchst krebserregend zu sein.

«Alle Hersteller setzen auf Antimon»

Jiri Paukert, Mediensprecher der Ruag, bestätigt, dass der betreffende Munitionstyp die Stoffe Antimon und Blei enthält, die sich bei der Schussabgabe in der Luft freisetzen. Paukert verteidigt die Praxis: «Alle Hersteller setzen bei der regulären Munition auf Antimon und Blei.» Dies, weil Antimon das Blei härte und so die Durchschlagskraft und Wirkung der Munition erhöhe.

Dass Munition aus Schweizer Produktion zu massiven Gesundheitsschäden führen kann, ist für Lewin Lempert von der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) ein «gravierender Missstand»: «Ruag-Handgranaten landen bei IS-Terroristen, Munition im libyschen Bürgerkrieg und jetzt verursachen auch noch Schweizer Patronen Krebs bei Polizisten.» Man sehe ganz klar, dass die Kontrollmechanismen bei der Ruag nicht funktionierten. Dies sei besonders fragwürdig, weil wohl die meisten Polizisten keine Kenntnis des möglichen Krebsrisikos, das sie im Schiessstand erwarte, hätten. «Da läuft definitiv etwas schief.»

Warnhinweis auf Ruag-Patronen?

Es sei nun dringend nötig, dass auch Schweizer Polizisten, die mit der betreffenden Munition übten, auf die Gesundheitsrisiken sensibilisiert würden, sagt Lempert. «Vielleicht sollte sich die Ruag überlegen, ob sie auf ihren Patronen den Warnhinweis  ‹Kann Menschenleben gefährden› platzieren will.»

Jiri Paukert von der Ruag betont, dass man auch blei- und antimonfreie Munition im Angebot führe. Aufgrund der grossen bestehenden Nachfrage nach der konventionellen Munition will die Ruag jedoch nicht auf den Einsatz der Stoffe verzichten. «Mit einer sachgerechten Lüftung im Schiessstand kann die Schadstoffbelastung auf ein Minimum reduziert werden», sagt Paukert.

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