Aktualisiert 24.08.2019 18:11

Klima-NotstandSchweizer Musiker verzichten aufs Fliegen

Internationale Acts wie Radiohead sind seit Beginn dabei. Nun schliessen sich erste Schweizer der Bewegung Music Declares Emergency an.

von
mel

Einige der Initianten seien bereits bei Culture Declares Emergency und Extinction Rebellion involviert gewesen, erklärt Lewis Jamieson, Presseverantwortlicher von Music Declares Emergency (MDE), auf unsere Anfrage. Seit der ersten Pressemeldung vom 12. Juli wächst die Mitgliederliste der von Grossbritannien ausgehenden Bewegung stetig. International haben sich etwa Radiohead und die Foals, aber auch Major Labels wie Warner und Virgin Music angeschlossen.

Die Beteiligung der Schweiz ist noch verhältnismässig neu.

«Music Declares Emergency zeigt, welchen Handlungsspielraum Bands, Labels und Veranstalter haben», erklärt Donat Kaufmann, Gitarrist und Sänger der Band One Sentence. Supervisor. Er treibt derzeit die Vernetzung von MDE in der Schweiz voran.

Ökologische Optionen sind noch immer zu teuer

Seine Motivation, als Musiker einer Klimabewegung beizutreten, formuliert er klar: «Der Status quo ist absurd: Angenommen, ich bin Musiker aus Zürich und erhalte ein Angebot, in Berlin zu spielen. Ich kann dann entweder für 30 Franken fliegen oder für 120 Franken mit dem Zug fahren. Viele Musiker laufen finanziell auf dem Zahnfleisch und sind auf Konzerteinnahmen angewiesen. Da braucht es schon viel Überzeugung, um sich für den viel ökologischeren Zug zu entscheiden.»

Dieses Problem betrifft natürlich jeden Konsumenten. «Dass sich nachhaltiges Handeln nicht lohnt, ist auch politisch gesteuert. Wir können das ändern», so Kaufmann. Dazu müsse eben auch in der Musikindustrie endlich ein Umdenken stattfinden. Mögliche Massnahmen seien oft relativ nüchtern: «Festivals und Clubs etwa können ihren Stromanbieter wechseln, Labels und Bands können ihre Reisen und Konzertourneen so planen, dass Fliegen zur absoluten Ausnahme, bestenfalls ganz vermieden wird.»

Flug- bis Fleischverzicht und erneuerbare Energien

Fabienne Schmuki von der in Zürich und Lausanne ansässigen Musikagentur Irascible hat sich vom Engagement ihrer Band anstecken lassen. Als Geschäftsführerin etwas zu unternehmen, sei ihr dabei genauso wichtig wie privat: «Ich strebe mit meinem Team einen Flugverzicht innerhalb Europas oder mindestens innerhalb unserer Nachbarländer an.» Auch bei der Tonträgerproduktion werde künftig mehr Rücksicht genommen, konkret etwa auf Plastikverpackungen bei CDs verzichtet und Vinyl auf 140g statt 180g gepresst, so Schmuki.

Den Bands wird zudem nahegelegt, auf einen Green Rider umzustellen, der unter anderem auf fleischloser Verpflegung mit lokalen Produkten basiert. Donat Kaufmann ergänzt: «Interessant wird es, wenn Spotify und Co. ihre Server zu 100% mit erneuerbarer Energie betreiben.»

Das Netzwerk wächst auch in der Schweiz

Neben Irascible und One Sentence. Supervisor ist auch die Orange Peel Agency der Bewegung beigetreten: «Der heisseste Tag, der trockenste Sommer – die Klimakatastrophe hat längst begonnen», kommentiert Adrian Erni von der Luzerner Agentur. «Das hat nichts mit rechts oder links zu tun: Es braucht nun alle, auch die Kleinen.»

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