Papua-Neuguinea: Schweizer Nonne kämpft gegen Hexenjagd

Aktualisiert

Papua-NeuguineaSchweizer Nonne kämpft gegen Hexenjagd

Noch immer werden in Papua-Neuguinea vermeintliche Hexen gefoltert und hingerichtet. Seit 40 Jahren kämpft die Schweizer Nonne Gaudentia Meier dagegen - und setzt ihr Leben aufs Spiel.

von
Andreas Bättig

Was in Europa mit der Hinrichtung von Anna Göldi endete, findet am anderen Ende der Welt, 13'000 Kilometer von der Schweiz entfernt, noch immer statt. In Papua-Neuguinea werden Frauen als Hexen gebrandmarkt, gefoltert und getötet. Seit nunmehr über 40 Jahren kämpft eine Schweizer Nonne an vorderster Front gegen diese sogenannte «Sanguma». Es ist Schwester Gaudentia Meier, 74 Jahre alt, aufgewachsen im Freiamt im Kanton Aargau und Mitglied der Schwesterngemeinschaft von Baldegg. Im Jahr 1969 kam sie nach Papua-Neuguinea, um als Lehrerin an Primarschulen und in der Krankenpflege zu arbeiten. Seitdem hat sie das Land nicht verlassen.

«Wir bleiben normalerweise so lange wie es die Gesundheit zulässt und unsere Präsenz nötig ist», sagt Schwester Gautentia gegenüber 20 Minuten Online. Und die Präsenz der Schwester ist heute, wie eine Reportage des australischen Onlinemagazins The Global Mail zeigt, mehr denn nötig: «Es hat in Papua-Neuguinea schon immer Sanguma gegeben. Aber so schlimm wie heute, war es noch nie», sagt die Schwester.

Vorwurf der schwarzen Magie

Um die Frauen zu retten, setzt sie ihr Leben aufs Spiel. So zum Beispiel bei der 40-jährigen Angela (Name geändert), Mutter eines kleinen Jungen. Die junge Frau wurde von zwei Inquisitoren für den ungeklärten Tod von zwei jungen Männern verantwortlich gemacht. Angela soll sie mit schwarzer Magie umgebracht haben. «Wenn die Menschen sterben, speziell junge Männer, dann fragen die Leute nicht, was, sondern wer ist für deren Tod verantwortlich», sagt Anthropologe Philip Gibs, Katholischer Priester und Spezialist für Hexerei in der «Global Mail».

Schwester Gaudentia konnte Angela schlussendlich aber nicht helfen. Sie wurde inmitten einer aufgebrachten Meute auf einem öffentlichen Platz zu Tode gequält. 600 Menschen, darunter auch Kinder, schauten zu, wie sich glühend heisse Eisen in ihr Fleisch brannten. Schwester Gaudentia versuchte dazwischenzugehen, doch alles Schreien brachte nichts. Die Peiniger liessen nicht von Angela ab. Schwester Gaudentia betete daraufhin mit einigen Gläubigen den Rosenkranz.

Die «Marijuna-Boys»

Doch nicht immer ist die Schwester machtlos. «In einem anderen Fall wurde die Frau gefoltert und so verletzt, dass sie sicher gestorben wäre, hätte sie nicht jemand im Verborgenen zu uns gebracht, wo wir sie versteckten und so pflegen konnten.» Doch dies seien leider Einzelfälle. Angst, bei ihren Rettungsaktionen selber verletzt oder gar getötet zu werden, hat die Nonne nicht. «Ich habe keine Angst, für Gerechtigkeit einzustehen, wenn es nötig ist.» Gemäss der Schwester machen besonders junge, drogenabhängige Männer Jagd auf «Hexen». Schwester Gaudentia nennt sie die «Marihuana Boys».

Gegen diese Boys kämpft Schwester Gaudentia gerade nach den jüngsten brutalen Vorfällen nicht alleine. Auch das Büro für Menschenrechte der Vereinigten Nationen äusserte kürzlich «grosse Bedenken» gegenüber der Regierung von Papua-Neuguinea. Ausgelöst wurde die UN-Reaktion durch den Fall einer 20-jährigen Mutter von zwei Kindern. Auch sie wurde der Hexerei bezichtigt, danach mit Benzin übergossen, in den Abfall geworfen und angezündet. Feuerwehrmänner, die das Feuer löschen wollten, wurden laut Berichten örtlicher Medien vom Mob vertrieben. Auch die Polizei traute sich nicht, einzuschreiten.

Regierung ist machtlos

Trotz der UN-Ermahnung an die Regierung von Papua-Neuguinea, die Hexen-Verfolgung endlich in den Griff zu kriegen, wird sich wohl so schnell nichts an den Zuständen ändern. Zu tief verwurzelt sei der Aberglaube an dunkle Magie. Gemäss Anthropologen könnte es noch Jahre dauern, bis die Regierung das Problem der Hexenverfolgung in den Griff bekommt. Bis dahin bleibt lokalen Menschenrechtsgruppierung und Menschen wie Schwester Gaudentia nichts anderes übrig, als bei Einzelfällen so gut wie möglich einzugreifen. «Hoffen wir, dass wir durch unseren Einsatz und unsere Gegenwart doch etwas zu einer menschlicheren Welt beitragen können», sagt Schwester Gaudentia.

(Mitarbeit Lorenz Hanselmann)

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