Karateka aus dem Aargau - Schweizer Olympia-Favoritin Elena Quirici hat einmalige Medaillen-Chance
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Karateka aus dem AargauSchweizer Olympia-Favoritin Elena Quirici hat einmalige Medaillen-Chance

Karate feiert an den Olympischen Spielen Premiere. Elena Quirici ist bereit, in Tokio Geschichte zu schreiben.

von
Adrian Hunziker
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Die Aargauerin Elena Quirici gehört im Karate zu den Medaillenanwärterinnen an den Olympischen Spielen in Tokio. 

Die Aargauerin Elena Quirici gehört im Karate zu den Medaillenanwärterinnen an den Olympischen Spielen in Tokio.

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Die 27-Jährige (r.) nimmt bei der Premiere der Sportart teil. 

Die 27-Jährige (r.) nimmt bei der Premiere der Sportart teil.

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Quirici (M.) qualifizierte sich im Juni für die Sommerspiele. 

Quirici (M.) qualifizierte sich im Juni für die Sommerspiele.

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Darum gehts

  • Karate ist erstmals olympisch und eine Schweizerin schickt sich an, eine Medaille zu holen.

  • Die Aargauerin Elena Quirici gehört zu den Favoritinnen.

  • Die 27-Jährige ist mächtig stolz, dass sie in Tokio antreten darf.

Sie wirkt auf den ersten Blick nicht sehr einschüchternd. Elena Quirici ist 1,67 m gross und ist nach eigenen Angaben «zu leicht» für ihre olympische Kategorie +61 kg. Doch sie werde bis zum Turnier in Tokio bereit sein. Die Aargauerin spricht das aus und man versteht sofort, wie motiviert die Karateka vor der Premiere der Sportart an Olympischen Spielen ist. Auf ihrer Website steht geschrieben: «Ich arbeite sehr zielorientiert und lasse mich nicht von meinen Zielen ablenken.» Ihre Arbeitsmoral zeichnet sie aus. Sie sagt deshalb auch: «Was jede Athletin haben muss, ist Durchhaltewillen. Und dass man mit dem Herz kämpft, nicht nur mit dem Kopf. Taktisch intelligent kämpfen und sich auf verschiedene Situation einstellen ist wichtig.» So verwundert es nicht, dass Quirici ihr Herz und die Taktik als ihre Stärken angibt.

«Disziplin, Respekt, Wertschätzung und Freundschaft sind mir sehr wichtig. Die Resultate zeigen, dass ich trotz Krankheiten und Verletzungen meine Leistungen abrufen kann und wichtige Medaillen gewinnen kann», ist auch in ihrem Website-Profil zu lesen. Eine Olympia-Medaille liegt also im Bereich des Möglichen? «Wir sind in unserer Kategorie zehn Frauen und alle sind Favoritinnen auf die Medaille, denn es sind die besten der Welt dabei. Ich habe das letzte Turnier vor Olympia gewinnen können. Darum denke ich, dass meine Chancen intakt sind. Es kommt aber auch auf den Wettkampftag drauf an, dass alles zusammenstimmt», sagt die 27-Jährige. Und sie fügt im Gespräch mit 20 Minuten selbstbewusst an: «Ich fahre wie jede Athletin und jeder Athlet nach Tokio, um eine Medaille zu gewinnen, um zuoberst zu stehen, sonst würde ich gar nicht dahin reisen.»

«Sich darüber aufzuregen, lohnt sich nicht»

Die Aargauerin bekommt nur diese eine Chance, sich die Olympia-Medaille zu sichern. Das aus einem speziellen Grund: Obwohl in Tokio Karate olympisch ist, ist es das 2024 an den Sommerspielen in Paris bereits nicht mehr. Quiricis Reaktion: «Sich darüber aufzuregen, lohnt sich nicht. Es ist traurig, es machte mich auch wütend. Ich finde es schade, dass es bereits entschieden ist, ohne dass man sich Karate einmal an den Spielen anschauen konnte.» Ihren Auftritt mache das aber umso spezieller. Grund für die Premiere und Dernière in einem ist, dass die Gastgeber-Städte die Möglichkeit haben, Sportarten für die Spiele vorzuschlagen, die im eigenen Land speziell beliebt sind – die Kampfsportart Karate ist somit in Japan ein Muss, in Frankreich jedoch nicht.

Quirici, die 2012 an der WM die Bronzemedaille holte und dreifache Europameisterin in der Gewichtsklasse bis 68 kg ist, ist extrem stolz, dass sie in Tokio antreten darf. «Es zeigt mir, dass wenn man einen Traum hat, man an diesen glauben muss, auch wenn es auf dem Weg Rückschläge gibt», gibt sie sich typisch kämpferisch. Sie stählt sich aktuell noch in einem Trainingslager auf Cran Canaria bis Ende Woche. «Wir haben diverse Athletinnen aus verschiedenen Ländern eingeladen, die ähnliche Profile haben wie meine Gegnerinnen, damit ich mich optimal vorbereiten kann. Wir machen nun den Feinschliff, wir simulieren verschiedene Situationen nahe am Wettkampf.» Ende Woche kehrt Quirici in die Schweiz zurück, sie reist am 29. Juli nach Tokio und greift am 7. August an. Dann mit viel Herz, guter Taktik und sicher mehr als 61 Kilogramm.

So funktioniert Wettkampfkarate

Es gewinnt die Kämpferin, die nach drei Minuten Kampfzeit mehr Punkte auf dem Konto hat. Man kann Punkte machen mit den Fäusten und Füssen. Es gibt drei verschiedene Punktestufen: Eine 1-Punkte-Wertung haben Faustschläge auf Körper und Kopf. Eine 2-Punkte-Wertung sind Beintechniken auf Körper und Rücken. Als 3-Punkte-Wertung wird die Beintechnik an den Kopf oder ein Wurf mit Folgetechnik angesehen.

Ausserdem gibt es zusätzliche Regeln: Man darf beispielsweise nicht zu fest, sondern muss kontrolliert schlagen oder man darf nicht reden während des Wettkampfs. Wenn man sich nicht an die Regeln hält, wird man verwarnt. Bei vier Verwarnungen wird man disqualifiziert. Wenn die beiden Kämpferinnen acht Punkte Unterschied aufweisen, ist der Kampf vorzeitig beendet, das gilt auch bei einem K.o. «Das kommt aber selten vor, da Karate eine kontrollierte Kampfsportart ist», sagt Quirici. (hua)

Fünf neue Sportarten

Die neuen olympischen Disziplinen verheissen actionreiche Bilder und sollen das Lebensgefühl von vor allem jungen Sportlern und Sportlerinnen auf das traditionsreiche Ringefestival übertragen.

Karate: Karate ist neben Judo und Taekwondo die dritte asiatische Kampf-Sportart, die an Olympischen Spielen ausgeführt wird. Karate ist in Tokio erstmals olympisch, fällt in vier Jahren in Paris aber bereits wieder aus dem Programm.

Klettern: Bei einigen Klettern und Kletterinnen sorgt der Modus für Unmut. Für die Sommerspiele wurde ein Dreikampf-System aus Lead (im Vorstiegsklettern wird unter Zeitdruck die maximale Höhe bewertet), Bouldern (Klettern ohne Kletterseil) und dem bei einigen Klettern und Kletterinnen verpönten Speedklettern eingeführt.

Surfen: Nicht jeder Surfer und jede Surferin findet, dass der für viele auch mit einem lockeren Lifestyle verbundenen Sport zu Olympia passt. Gerade die Athleten, die ihre Disziplin sehr ambitioniert und nicht nur als Hobby betreiben, sehen den neuen Olympia-Status dagegen überwiegend positiv. Die Surferinnen und Surfer reiten ihre Wellen in der Präfektur Chiba östlich von Tokio in der Kategorie Shortboard.

Skateboard: Die Olympia-Macher setzen darauf, dass durch die trendigen Disziplinen und ihre Vertreter und Vertreterinnen noch mehr junge Menschen für die Spiele begeistert werden. Doch auch die Skater-Szene ist gespalten. Auf der einen Seite befürchten die Kritiker die Kommerzialisierung ihrer Sportart. Die Athletinnen und Athleten, die teilnehmen, freuen sich aber auf ihren Event und den Fakt, dass sie ihren Sport vor einem grossen Publikum vertreten können.

Baseball/Softball: Für Baseball und Softball ist es eine Rückkehr, die beiden Sportarten waren seit 1992 respektive 1996 im Programm, fielen 2012 und 2016 aber weg. Japan und die USA gehören bei den Frauen und bei den Männern zu den Favoriten. Bei den Männern werden viele Stars aus der nordamerikanischen MLB fehlen, da die Saison in vollem Gang ist. Das betrifft vor allem das US-amerikanische Team, aber auch Japan, Kuba und andere Länder. (dpa/hua)

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