Everybodys Darling: Schweizer Oscar-Gewinner Schell ist tot
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Everybodys DarlingSchweizer Oscar-Gewinner Schell ist tot

Der Schweizer Schauspieler Maximilian Schell ist im Alter von 83 Jahren verstorben. Schell gewann 1962 den Oscar für den besten Hauptdarsteller.

Er war der bisher einzige Schweizer, der einen Hauptrollen-Oscar bekam: In der Nacht auf Samstag ist Maximilian Schell 83-jährig in einem Spital in Innsbruck verstorben.

Als er 1961 den Academy Award für «Das Urteil von Nürnberg» entgegennahm, freute er sich, dass er nun endlich nicht mehr nur «der kleine Bruder von Maria Schell» war. Doch welche Schlagzeile musste er lesen, als er in Wien aus dem Flugzeug stieg: «Oscar für den kleinen Bruder von Maria Schell».

Mit drei ein Grashalm

Kein Wunder, stand Maximilian Schell doch nach eigener Aussage schon als Dreijähriger auf dem Höhepunkt seiner Karriere. In einem vom Vater verfassten und der Mutter inszenierten Kinderstück spielte er einen Grashalm. Aus Wut auf seine Mutter soll er seinen Text so furios ins Publikum geschmettert haben, dass er Applaus erntete wie später nie wieder.

Danach gab es dennoch viele weiter Karriere-Höhepunkte - als Schauspieler, Theater-, Opern- und Filmregisseur. 1990 sagte Marlon Brando, mit dem Schell 1958 seinen ersten Hollywoodfilm «The Young Lions» gedreht hatte, zu ihm: «Max, ich bin nur ein Schauspieler, du aber bist ein Weltstar».

Schauspielerfamilie

Die Filmdatenbank imdb.com führt ihn als den «erfolgreichsten deutschsprachigen Schauspieler in englischsprachigen Filmen seit Emil Jannings». Von letzterem unterscheide sich Schell wohltuend dadurch, dass er ein dezidierter Anti-Nazi sei.

Diese Haltung war ihm ebenso in die Wiege gelegt worden wie sein Beruf. Am 8. Dezember 1930 als Sohn eines Schweizer Dichters und einer österreichischen Schauspielerin in Wien geboren, floh er als Dreijähriger mit Eltern und den Geschwistern Maria, Carl und Immy - später alle Schauspieler - vor den Nazis in die Schweiz.

Schell wuchs in Basel und Zürich auf. Mit elf Jahren stand er als Walterli Tell auf der Bühne des Zürcher Schauspielhauses. Später spielte er Fussball bei GC und noch später leidenschaftlich Tennis. Er soll sogar Björn Borg geschlagen haben - allerdings im Schach.

An vielen Fronten aktiv

Nach dem Studium der Philosophie, Kunstgeschichte, Germanistik, Musik- und Theaterwissenschaften in Zürich, Basel und München, sowie dem Klavierstudium am Konservatorium in Bern wirkte er ab 1952 als Schauspieler, Regisseur und Dramaturg am Basler Stadttheater.

1963 spielte er in Hamburg in Gustav Gründgens legendärer Abschiedsinszenierung von «Hamlet» die Titelrolle. Die erste Filmrolle hatte er 1955 in «Kinder, Mütter und ein General». «Topkapi» (1964), «Die Akte Odessa» (1974) und «Deep Impact» (1998) waren nach dem «Urteil von Nürnberg» seine bekanntesten Filme.

1970 führte er erstmals Regie in «Erste Liebe» nach einer Novelle von Ivan Turgenjew. Fünf weitere Filme folgten, darunter die preisgekrönten Dokumentationen «Marlene» (1984) über Marlene Dietrich und «Meine Schwester Maria» (2003) über Maria Schell.

Jedermann und Everybody's Darling

In «Der Richter und sein Henker» (1975) spielte Jon Voight unter Maximilian Schells Regie. Dieser engagierte den Schweizer als Götti für die kleine Angelina Jolie.

Diese Patenschaft verschaffe ihm heute den Respekt der Jugend, sagte Schell kürzlich in einem Interview. Denn wenn er in Schulen referiert, interessiert es die wenigsten Kinder, dass er unter anderem 1978-1982 bei den Salzburger Festspielen den Jedermann gab - die renommierteste Bühnenrolle im deutschsprachigen Raum.

Liebe zur Oper

Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen, wandte sich Schell auch der Oper zu. In Los Angeles inszenierte er auf Einladung von Plácido Domingo 2001 Wagners «Lohengrin» und 2005 Richard Strauss' «Rosenkavalier».Im Sommer 2013 heiratete Schell seine mehr als 47 Jahre jüngere Partnerin, die deutsche Opernsängerin Iva Mihanovic. Die Feier fand in Preitenegg (Kärnten) im privaten Rahmen statt.

Das Paar stand auch gemeinsam auf der Bühne. In Ralph Benatzkys Singspiel «Im Weissen Rössl» gab Schell im Münchner Gärtnerplatztheater 81-jährig den «Kaiser». Die Rolle der Ottilie verkörperte Mihanovic.

Die Oscarverleihung von 1962

(sda)

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