24.07.2020 16:28

Studie zeigt

Schweizer Paare hatten durch Lockdown mehr Sex

Mit dem Lockdown Mitte März sassen plötzlich viele Paare in der Schweiz während Monaten eng aufeinander. Wie eine Studie nun zeigt, haben Schweizer den «Stresstest» aber überraschend gut überstanden.

von
Julia Ullrich
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Schweizer Paare konnten dem Lockdown deutlich mehr positive als negative Aspekte abgewinnen. Dies zeigt eine Studie der Online-Partneragentur Parship.ch, bei der rund 1000 Frauen und Männern in der Schweiz befragt wurden.

Schweizer Paare konnten dem Lockdown deutlich mehr positive als negative Aspekte abgewinnen. Dies zeigt eine Studie der Online-Partneragentur Parship.ch, bei der rund 1000 Frauen und Männern in der Schweiz befragt wurden.

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 Vor allem die unter 30-Jährigen empfanden die zusätzliche Pärlizeit als angenehm, dabei die Männer (87 Prozent) sogar noch mehr als die Frauen (67 Prozent).

Vor allem die unter 30-Jährigen empfanden die zusätzliche Pärlizeit als angenehm, dabei die Männer (87 Prozent) sogar noch mehr als die Frauen (67 Prozent).

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Wie aus der Studie hervorgeht, nutzten die Schweizer die Zeit-zu-zweit hauptsächlich im Bett. So gaben ein Drittel an, dass sie häufiger gekuschelt hätten als sonst.

Wie aus der Studie hervorgeht, nutzten die Schweizer die Zeit-zu-zweit hauptsächlich im Bett. So gaben ein Drittel an, dass sie häufiger gekuschelt hätten als sonst.

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Darum gehts

  • Mit dem Lockdown ab dem 16. März 2020 sassen plötzlich viele Paare in der Schweiz während Monaten eng aufeinander.
  • Wie eine neue Studie der Online-Partneragentur Parship.ch bei rund 1‘000 Frauen und Männern in der Schweiz zeigt, glauben mehr als die Hälfte, dass die Beziehung in den letzten drei Monaten intensiver und besser geworden sei.
  • Gestritten wurde aber trotzdem, und zwar über zu viel Zeit am Handy/Tablet, Unordnung und Schlafgewohnheiten.
  • Im Vergleich zu anderen Ländern kamen Schweizer Paare aber noch glimpflich davon. In China und Italien soll die Trennungsrate deutlich höher gewesen sein.

Schweizer Paare konnten dem Lockdown deutlich mehr positive als negative Aspekte abgewinnen. Mehr als jede zweite Beziehung (55 Prozent) hat sich in den letzten Wochen intensiviert. Vor allem bei jenen, die erst zwischen zwei und fünf Jahren zusammen sind. Dies zeigt eine Studie der Online-Partneragentur Parship.ch, bei der rund 1000 Frauen und Männern in der Schweiz befragt wurden.

Ein Grossteil der Befragten hat während des Lockdowns mehr Zeit mit dem Partner verbracht und dies auch genossen. Vor allem die unter 30-Jährigen empfanden die zusätzliche Pärlizeit als angenehm, dabei die Männer (87 Prozent) sogar noch mehr als die Frauen (67 Prozent). Besonders das Homeoffice soll in diesem Zusammenhang positiv gewesen sein. Nur sechs Prozent der Teilnehmer gaben an, die zusätzliche Zeit mit dem Partner als Belastung empfunden zu haben.

Mehr Kuscheln und mehr Sex

Wie aus der Studie hervorgeht, nutzten die Schweizer die Zeit-zu-zweit hauptsächlich im Bett. So gaben ein Drittel an, dass sie häufiger gekuschelt hätten als sonst. Auch die schönste Nebensache der Welt wurde durch den Lockdown noch schöner: Fast 25 Prozent der Teilnehmer sagten, dass sie während des Lockdowns mehr Sex gehabt hätten. Bei den Frischverliebten ging es dabei besonders heiss her, dort war es mehr als jeder Dritte.

Sexualtherapeutin Dania Schiftan hat dafür auch eine Erklärung parat: «Ich kenne dieses Phänomen aus meiner Praxis: Paare packen ihre Agenda so voll mit Sport, Hobbys und zum Beispiel Freunden, dass sie daneben praktisch keinen Platz mehr für die Sexualität haben», sagt sie gegenüber parship.ch. Wenn alle diese Termine plötzlich wegfallen würden, gebe es viel mehr Möglichkeiten für Intimitäten. «Insofern bewerte ich diesen Aspekt des Lockdowns für diese Paare als durchaus positiv und hilfreich.»

Frauen störten sich über Handykonsum und Schnarchen

In der ungewöhnlichen Zeit hat laut den Befragten vor allem ein Rückzugsort und gute Kommunikation geholfen. Trotz allen positiven «Nebeneffekten» haben viele während des Lockdowns aber auch gestritten. Dabei kritisierten die Partner vor allem den gegenseitigen Handykonsum und die Ordnung des Gegenübers. Frauen störten sich zudem am nächtlichen Geschnarche des Partners und dass er nicht zuhören könne.

Dies hatte auch die eine oder andere Zerreissprobe zur Folge: So hat jeder Fünfte angegeben, dass die Beziehung in den letzten Wochen auf die Probe gestellt wurde. Entsprechend hatten laut Parship.ch 16 Prozent mit Beziehungsproblemen zu kämpfen, wobei es am meisten in den fünf- bis zehnjährigen Beziehungen (24 Prozent) kriselte. Gemäss der Studie sind rund zwei Prozent der Schweizer Beziehungen während des Lockdowns zerbrochen. 11 Prozent der Personen in Partnerschaft haben aber zumindest an eine Trennung gedacht beziehungsweise an der Beziehung gezweifelt.

Schweizer Paare kamen glimpflich davon

«Die Zahlen rund um ernsthafte Beziehungsproben und allfällige Trennungen mögen auf den ersten Blick tief erscheinen. Sie zeigen aber, dass der Lockdown doch einen aussergewöhnlich starken Einfluss auf viele Paare hatte. Wie ich auch jetzt in meiner Praxis sehe, kriselte es auf jeden Fall öfter als in normalen Zeiten», stellt Psychologin Dania Schiftan fest. Erfreulich sei hingegen, dass fast Dreiviertel gut durch den Lockdown gekommen sein. «Diese Paare haben es offenbar geschafft, sich ganz bewusst so zu adaptieren und zu organisieren, dass sie ihre Partnerschaft gut meistern konnten.»

Im Vergleich zu anderen Ländern kamen Schweizer Paare aber noch glimpflich davon. Denn vor allem in China meldeten mehrere Städte kurz nach dem Lockdown eine überdurchschnittlich hohe Scheidungsrate. Auch Italien, das ebenfalls schlimm von der Coronapandemie betroffen war, meldete vergangenen Monat einen Anstieg an Trennungen. Wie der Familienberatungsdienst (ASDI) gegenüber lokalen Medien sagt, hätten sie allein im Monat Mai mindestens 20 Anfragen erhalten. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 haben sich von März bis Mai 15 Paare beim ASDI für eine Trennungsberatung gemeldet.

Über die Studie:

Die Studie wurde vom 29. Juni 2020 bis 02. Juli 2020 vom digitalen Markt- und Meinungsforscher Unternehmen marketagent.com durchgeführt. Befragt wurden 1.008 Personen, davon 659 aktuell in einer Partnerschaft, im Alter von 18 bis 69 Jahren in der Schweiz (Westschweiz, Raum Zürich, Raum Bern, Ostschweiz, Mittelland, Zentralschweiz, Nordwestschweiz und Graubünden).

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23 Kommentare
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Mirte

25.07.2020, 14:16

Oh ich bin immer froh wenn mein Partner weg ist. Dann gab ich meine Ruhe und genieße es in vollem Zügen.

Stef

25.07.2020, 12:39

Ich nicht. Alles wie immer - gar nichts.

Mr. Undercover

25.07.2020, 12:11

Toll, und ich bin single. Also keine Dates seit dem Lockdown. Wirklich super und sehr motivierend....