Aktualisiert 22.06.2016 03:47

Ehrenamtlich

Schweizer Piloten retten Flüchtlinge aus Mittelmeer

Zwei Ostschweizer Piloten spüren im Mittelmeer Flüchtlingsboote auf und melden diese der Küstenwache. Ihr Einsatz ist ehrenamtlich und wird mit Spenden finanziert.

von
afa
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Morgen startet der 30-jährige Pilot Fabio Zgraggen seinen Flug nach Tunesien, wo er über die nächsten Monate gemeinsam mit Samuel Hochstrasser im Mittelmeer nach Flüchtlingsbooten in Seenot suchen wird.

Morgen startet der 30-jährige Pilot Fabio Zgraggen seinen Flug nach Tunesien, wo er über die nächsten Monate gemeinsam mit Samuel Hochstrasser im Mittelmeer nach Flüchtlingsbooten in Seenot suchen wird.

zVg
Der Kern der Schweizer Piloteninitiative besteht aus Iwan Konrad, den Piloten Fabio Zgraggen und Samuel Hochstrasser und dem Flugzeugmechaniker und Piloten Florian Gmünder (v.l.n.r.).

Der Kern der Schweizer Piloteninitiative besteht aus Iwan Konrad, den Piloten Fabio Zgraggen und Samuel Hochstrasser und dem Flugzeugmechaniker und Piloten Florian Gmünder (v.l.n.r.).

zVg

«Alles begann im vergangenen Jahr, als ich zusammen mit Samuel Hochstrasser an einem Lagerfeuer sass und wir über Gott und die Welt plauderten», sagt der Privatpilot, Gleitschirmlehrer und Grafikdesigner Fabio Zgraggen (30) aus Gais. «Wir kamen auf das Thema Flüchtlinge zu sprechen und waren uns schnell einig, dass wir diesen Menschen helfen wollen.» Als sie von einer privaten Hilfsorganisation auf Malta hörten, die Bootsflüchtlinge auf dem Mittelmeer rettet, fassten sie einen Entschluss: Sie wollten ihre Passion fürs Fliegen für etwas Gemeinnütziges einsetzen.

Zgraggen und Hochstrasser (35) schrieben in der Folge verschiedene Hilfsorganisationen an: «Wir mussten zuerst herausfinden, ob Aufklärungsflüge überhaupt gefragt sind.» Und das waren sie. «Zahlreiche Hilfsorganisationen sind auf uns zugekommen.» So gründeten die beiden Piloten aus Gais die Humanitären Piloteninitiative (HPI).

Die ersten zivilen Aufklärungsflüge

Nach einer über sechsmonatigen Planungs- und Vorbereitungsphase, in der die Piloten Zusatzausbildungen machten, Spendengelder sammelten und Bewilligungen einholten, geht es am Mittwoch los: Die beiden Piloten der HPI fliegen mit einer Ikarus C42 vom österreichischen Hohenems nach Djerba in Tunesien. Dort werden sie die Ersten sein, die zivile Aufklärungsflüge fliegen. «In Tunesien werden wir jeweils abwechslungsweise mit anderen zweiköpfigen Crews zweiwöchige Einsätze haben», sagt Zgraggen.

In enger Zusammenarbeit mit der zivilen Seenotrettung Sea-Watch aus Deutschland werden die beiden Piloten mit dem Flugzeug über einem bestimmten Gebiet im Mittelmeer nach Flüchtlingsbooten in Seenot suchen. Unterstützt werden sie von ihrem Schweizer Team bestehend aus einem weiteren Piloten, mehreren Co-Piloten und einem Flugzeugmechaniker. «Die Koordinaten der Boote werden an die staatlichen Organisationen für Flüchtlings- und Seenotrettung geschickt», erklärt der 30-Jährige. Diese würden dann Schiffe losschicken, die den Flüchtlingen zu Hilfe kämen.

Die Einsätze sind ehrenamtlich

Das Umfeld des jungen Piloten reagierte sehr positiv auf seinen Entscheid, mit seinem Kollegen Flüchtlingen zu helfen: «Ich erhalte unglaublich viel positives Feedback aus verschiedensten Kreisen und politischen Lagern», sagt Zgraggen. «Auch meine Freunde und Familie geben mir viel Unterstützung.»

Zwischen den Einsätzen werden Zgraggen und Hochstrasser nach Hause fliegen, um ihrer Arbeit nachzugehen. Die Einsätze sollen voraussichtlich bis im November dauern. «Danach schauen wir, ob sich die Flüchtlingsströme ändern und verlagern gegebenenfalls unseren Standort.» Die Einsätze werden die beiden Piloten und ihr Team ehrenamtlich ausführen: «Die Spendengelder verwenden wir nur für die Flugkosten, es ist also eine Herzenssache für uns.»

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