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ReisenSchweizer planen trotz Krise Sommerferien

Auslandreisen könnten diesen Sommer schwierig werden. Viele Schweizer haben die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben.

von
Raphael Knecht


«Auslandreisen würde ich erstmal auf nächstes Jahr verschieben», sagt Eric Jakob vom Seco.

(Video: RKN)

Darum gehts

  • Ob Auslandferien diesen Sommer möglich sein werden, ist unklar.
  • Schweizer hoffen, trotzdem Sommerferien machen zu können.
  • Es werden mehr Ferien in der Schweiz und in Europa geplant.
  • Gebucht wird aber noch eher selten.

Schweizer sollten Auslandreisen erst für nächstes Jahr planen – das empfiehlt Erik Jakob vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Er gab am Montag an der Medienkonferenz des Bundes die Lagebeurteilung für die Tourismusbranche. Es könne nicht garantiert werden, dass wir diesen Sommer mit dem Auto über die Grenze fahren können. Komplett ausschliessen will er das hingegen auch nicht.

Viele Schweizer haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Wie eine Umfrage des Reiseportals Ebookers, die 20 Minuten vorliegt, zeigt, plant mehr als die Hälfte (52 Prozent), diesen Sommer nach wie vor zu verreisen.

Geschlossene Grenzen

Tourismus unter Druck

Wegen geschlossenen Grenzen sowie Hygiene- und Abstandvorschriften mussten viele Tourismusbetriebe den Betrieb einstellen. Jetzt stellt sich die Frage, ob und wie genau diese Firmen wieder geschäften dürfen. Wie vielen anderen Branchen drohen dem Tourismus grosse Umsatzeinbrüche. Und auch die Bevölkerung würde gerne bald Ferien machen.

Weniger Langstreckenreisen

Allerdings verändern sich die Feriendestinationen: Nach der Coronavirus-Krise will ein Drittel häufiger im Inland verreisen. Auch Europa ist etwas beliebter geworden. Dafür geben 35 Prozent an, weniger Langstreckenreisen oder Aufenthalte in Überseedestinationen buchen zu wollen.

Wegen der aktuell herrschenden Unsicherheit wartet aber ein Drittel derjenigen, die Ferien für 2020 geplant haben, noch mit buchen. 21 Prozent geben an, ihre Reisen auf einen späteren Zeitpunkt im Jahr zu verschieben.

Branche spürt wenig vom Optimismus

Den Studienautoren zufolge ist es denkbar, dass sich das Niveau des Optimismus mittlerweile bereits etwas geändert hat. Denn durchgeführt wurde die repräsentative Umfrage mit 1001 Teilnehmern schon Ende März. Daten dazu, inwiefern der andauernde Lockdown die Hoffnung der Schweizer getrübt hat, hat Ebookers allerdings noch nicht.

Klar ist jedoch, dass die Branche noch wenig von dieser Hoffnung spürt. Markus Berger, Sprecher von Schweiz Tourismus sagt dazu: «Die Schweizer Destinationen und Hotels haben erst gerade die Stornierungsphase überwunden, neue Buchungen kommen aber erst bei Camping-Plätzen und Ferienwohnungen rein.»

Zusätzliche Unsicherheit

Berger glaubt, dass die anhaltende Krise bei vielen Schweizern zusätzliche Unsicherheit geschaffen hat, die nicht faktisch begründet sei. Nun sei es Aufgabe von Schweiz Tourismus, der damit verbundenen Zögerlichkeit entgegenzuwirken.

Was die Sommerferien 2020 betrifft, gelte es abzuwarten, wie der Fahrplan des Bundes aussieht. «Die Sommerferien werden davon geprägt sein, dass Distanz- und Hygienevorschriften weitehrin gelten werden», ist Berger überzeugt. Das heisst, man dürfte ermutigt werden, öfter die Hände zu waschen, Abstand zu halten und in gewissen Situationen einen Mundschutz zu tragen.

Auch Jakob vom Seco sagt, Schutzkonzepte seien nun besonders wichtig – man wolle Sommerferien innerhalb der Schweiz möglich machen. Trotzdem geht das Seco von einem Umsatzeinbruch im Tourismus von 35 Prozent aus.

Normalzustand noch weit entfernt

Wegen der Empfehlung des Seco und den Unsicherheiten beim Reisen im Inland dürfte es bei den Auslandreisen noch länger gehen, bis wieder der Normalzustand eintritt. Eine genaue Prognose, wann die Auslandreisen wieder möglich sein werden, will Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reiseverbands, aber noch nicht machen.

Die aktuellen Reiserestriktionen seien nicht nur vom Bund abhängig, sondern auch von den einzelnen Ländern, in die Schweizer Touristen reisen möchten. Immerhin: «Es könnte einen Dominoeffekt geben: Sobald das erste Land die Grenzen öffnet, könnten andere Länder nachziehen», sagt Kunz zu 20 Minuten.

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