23.04.2014 08:37

Zu bieder«Schweizer Politik-Plakate sind langweilig»

Schweizer Politwerbung ist meist langweilig. Das sagt ein Kommunikationsexperte. Die Gripen-Kampagne bezeichnet er gar als «regelrechtes Debakel».

von
vro
«Sicherheit zuerst!» - Für den Kommunikationsexperten Frank Bodin eindeutig kein kreativer Einfall.

«Sicherheit zuerst!» - Für den Kommunikationsexperten Frank Bodin eindeutig kein kreativer Einfall.

«Ja zum Gripen», «Sichere Schweiz!» und «Sicherheit zuerst!». Damit werben die Befürworter für den Kauf des Gripen. Zu langweilig, findet Frank Bodin, Chef der Zürcher Agentur Havas Worldwide und Präsident des Art Director Clubs. Mehr noch, die Gripen-Kampagne sei ein «regelrechtes Debakel». Der Slogan «Sicherheit zuerst!» sei «nur knapp okay, denn es spricht die Unentschlossenen und damit eine wichtige Zielgruppe bloss zum Teil an», sagt Bodin zur «Basler Zeitung».

Damit stehen die Initianten aber nicht alleine da. «Schweizer Politwerbung ist zwar nicht generell, aber sehr oft langweilig, sie ist auch im internationalen Vergleich sehr bieder. Es fehlt ihr an Ideen und Frischheit», sagt Bodin. Grund dafür sei ein Mangel an Kommunikationswissen. Es gebe oft keine klare Strategie. «Das fördert Politikverdruss und Demokratiemüdigkeit.»

Bereits in der Vergangenheit habe die Schweiz nicht unbedingt mit Einfallsreichtum geglänzt, wie die Zeitung schreibt. Dank «Ein starker ÖV bedeutet Lebensqualität» sollten Schweizer im Februar den Fonds für die Finanzierung der Bahninfrastruktur annehmen. Mit «Bewährte Bilaterale, erfolgreiche Schweiz» warb Economiesuisse erfolglos gegen die Masseneinwanderungsinitiative.

Zu wenig auf Junge ausgerichtet

Erst vor kurzem wurden die Ergebnisse der Vox-Analyse veröffentlicht, die zeigten, dass lediglich 17 Prozent der jungen Schweizer an die Urne gehen – eine markant tiefe Zahl. Der Genfer Politologe und Studienautor Pascal Sciarini kritisierte damals, dass die Gegner der SVP-Initiative zu wenig auf die Jungen eingegangen seien. So hat es Economiesuisse beispielsweise verpasst, auf Social-Media-Plattformen zu werben. Auch Juso-Chef Fabian Molina ärgert sich darüber, dass Kanäle, die die Jugendlichen erreichen, nicht genutzt wurden. Er glaubt, dass das Ergebnis der Masseneinwanderungsinitiative damit hätte gekehrt werden können.

Experten zweifeln allerdings an den Zahlen der Vox-Analyse. Im Kanton Genf etwa gaben 44,5 Prozent der unter 20-Jährigen ihre Stimme an der Urne ab. Bei den 20- bis 24-jährigen Wählern waren es 42 Prozent, bei den 25- bis 29-Jährigen traten 43,2 Prozent den Urnengang an. Im Kanton Neuenburg waren die Zahlen ähnlich. Sciarini gibt zu, dass die Ergebnisse der Vox-Analyse möglicherweise inkorrekt sind. Die falsche Zahl könne allerdings verschiedene Ursachen haben. So würden etwaige statistische Verzerrungen nachträglich

korrigiert.

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