Politiker fordern Testpflicht wegen Corona-Welle in China

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Wegen MonsterwelleSchweizer Politiker fordern Covid-Testpflicht für Reisende aus China

Verschiedene Länder haben als Reaktion auf die hohen Infektionszahlen eine Testpflicht für Chinesinnen und Chinesen eingeführt. Die Schweiz müsse nachziehen, fordern Gesundheitspolitiker.

von
Daniel Graf
Noah Knüsel

Darum gehts

  • «Abwarten wäre fahrlässig», sagt Mitte-Politiker Lorenz Hess und fordert eine Testpflicht für Einreisende aus China.

  • Falls nötig, könne er sich gar eine generelle Quarantänepflicht für Chinesinnen und Chinesen vorstellen.

  • Auch seine Parteikollegin Ruth Humbel sagt: «Wir müssen eine weitere Belastung der Spitäler verhindern.»

  • Kritisch sieht eine solche Massnahme die Tourismusbranche: «Wir setzen uns für barrierefreies Reisen ein», heisst es dort.

China hat mit dem Ende seiner No-Covid-Politik eine Monster-Infektionswelle ausgelöst. Das könnte jetzt auch der Rest der Welt zu spüren bekommen: Die Reisetätigkeit der Chinesinnen und Chinesen hat nach den jahrelangen harten Lockdowns sprunghaft zugenommen.

Verschiedene Länder haben deshalb bereits reagiert und die Einreiseregeln für Chinesen verschärft. Jüngst hat Italien beschlossen, dass Reisende aus China zwingend einen Test vorweisen und im Falle eines positiven Resultats in Isolation müssen. Auch der Präsident des Weltärzteverbands, Frank Ulrich Montgomery, hält diese Massnahme für richtig.

In der Schweiz findet eine solche Forderung Anklang: «Eine Testpflicht für Einreisende aus China braucht es auch bei uns», sagt Mitte-Politikerin Ruth Humbel. Positiv Getestete müssten sich in Isolation begeben. Man wisse, dass die Impfung aus China weniger schütze als die hiesigen mRNA-Impfstoffe: «Zudem ist wegen der Intransparenz der chinesischen Regierung unklar, wie schlimm die Covid-Situation dort wirklich ist.»

Testpflicht: «Abwarten wäre fahrlässig»

Für sie wäre das ein vertretbarer Eingriff: «Gerade in der momentanen Gesundheitskrise müssen wir eine weitere Belastung der Spitäler unbedingt verhindern.» Zudem könne man so die Verbreitung neuer Virus-Varianten ausschliessen oder zumindest früh entdecken.

Auch für Mitte-Nationalrat Lorenz Hess ist eine solche Massnahme «zwingend», wie er sagt: «Angesichts der momentanen Situation im Gesundheitswesen wäre es fahrlässig, nichts zu tun.» Für ihn ist gar eine generelle Quarantänepflicht für China-Einreisende denkbar: «Falls nötig, können wir zu einem späteren Zeitpunkt auch das einführen.»

Sich bei Massnahmen an der EU zu orientieren, hält Hess nicht für sinnvoll: «Bis EU-weit solche Diskussionen abgeschlossen sind, ist es zu spät.»

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Schweizer Politiker wollen wegen der Monsterwelle eine Corona-Testpflicht für Chinesen.

Schweizer Politiker wollen wegen der Monsterwelle eine Corona-Testpflicht für Chinesen.

© 20 Min/Carole Alkabes
«Angesichts der momentanen Situation im Gesundheitswesen wäre es fahrlässig, nichts zu tun», sagt Mitte-Nationalrat Lorenz Hess. Für ihn ist gar eine generelle Quarantänepflicht für China-Einreisende denkbar: «Falls nötig, können wir zu einem späteren Zeitpunkt auch das einführen.»

«Angesichts der momentanen Situation im Gesundheitswesen wäre es fahrlässig, nichts zu tun», sagt Mitte-Nationalrat Lorenz Hess. Für ihn ist gar eine generelle Quarantänepflicht für China-Einreisende denkbar: «Falls nötig, können wir zu einem späteren Zeitpunkt auch das einführen.»

20min/Simon Glauser
Auch seine Parteikollegin Ruth Humbel stimmt ihm zu. Man wisse, dass die Impfung aus China weniger gut schütze als die hiesigen mRNA-Impfstoffe: «Zudem ist wegen der Intransparenz der chinesischen Regierung unklar, wie schlimm die Covid-Situation dort wirklich ist.»

Auch seine Parteikollegin Ruth Humbel stimmt ihm zu. Man wisse, dass die Impfung aus China weniger gut schütze als die hiesigen mRNA-Impfstoffe: «Zudem ist wegen der Intransparenz der chinesischen Regierung unklar, wie schlimm die Covid-Situation dort wirklich ist.»

20min/Simon Glauser

Tourismusbranche will «barrierefreies Reisen»

Auf wenig Gegenliebe stösst die Testpflicht in der Tourismusbranche. Sie hofft, dass nach schwierigen Covid-Jahren die chinesischen Touristinnen und Touristen zurückkommen und Geld in die Kassen spülen. So hatten etwa die Jungfrau-Bahnen im Rekordjahr 2019 70 Prozent ihrer Gäste aus asiatischen Ländern. Bei Schweiz Tourismus heisst es denn auch: «Die Öffnung der Grenzen in China haben wir lange erwartet.»

Zu einem möglichen Testregime heisst es: «Wir setzen uns für ein möglichst barrierefreies Reisen ein.» Man vertraue auf die Behörden, mit Augenmass die richtigen Massnahmen zu treffen.

Braucht es eine Testpflicht für Reisende aus China?

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) schreibt auf Anfrage, dass derzeit keine Massnahmen wie eine Testpflicht geplant seien: «Wir verfolgen die Situation aber weiterhin eng», schreibt Sprecherin Simone Buchmann. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) schreibt, man stimme sich bei Einreiseregeln jeweils mit der EU ab.

Epidemiologe: «Testpflicht müsste rasch und europaweit kommen»

Jan Fehr ist Epidemiologe an der Uni Zürich.

Jan Fehr ist Epidemiologe an der Uni Zürich.

Universität Zürich

Herr Fehr*, wie sieht die Lage in China aus?

Was in China gerade passiert, lässt eine humanitäre Katastrophe vermuten. Vieles wissen wir aber nicht genau: Etwa, wie die Ansteckungsdynamik in China ist und welche neuen Varianten vielleicht dort schon kursieren.

Wie beurteilen Sie aus epidemiologischer Sicht eine Testpflicht für Einreisende aus China?

Es gibt zu viele unbekannte Faktoren, um das genau zu sagen. Man muss sich zudem im Klaren sein, was eine solche Massnahme leisten kann und was nicht. Was ich aber den Entscheidungsträgern mitgeben kann: Wenn man eine Testpflicht einführen will, dann muss man dies rasch, beherzt und gemeinsam tun. Ein europäischer Flickenteppich mit anschliessendem Varianten Ping-Pong macht wenig Sinn.

Wie sehen Sie generell die Corona-Lage derzeit?

Auf die Schweiz bezogen waren wir in den beiden Pandemiewintern noch nie in einer so guten Situation: Aus unserer «Corona Immunitas»-Studie wissen wir, dass 98 Prozent der Bevölkerung haben Antikörper. Global gesehen stehen wir aber noch immer an. Ich wünsche mir eine Diskussion darüber, wie wir im Gesundheits- und Wissenschaftsbereich besser unter verschiedenen Staaten zusammenarbeiten können – auch mit Ländern, die vielleicht anders funktionieren als die Schweiz.  Es ist höchste Zeit, globale Verantwortung wahrzunehmen.

*Jan Fehr ist Infektiologe und Public- und Global- Health-Experte an der Universität Zürich.

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